Wasserbau in Graubünden  

Der Kanton Graubünden ist auch das Land der 100 Wildbäche und Flüsse. Er ist nicht nur ein Wasserschloss, sondern auch periodisch von grossen Überschwemmungen betroffen. Seit Kanton (1870) und Bund (1877) durch entsprechende Gesetzgebungen die Voraussetzungen für Beiträge an Verbauungsmassnahmen schufen, wurden im ganzen Kanton umfangreiche Verbauungen realisiert und damit die Voraussetzungen geschaffen für die Entwicklung von Siedlungen und Verkehrswegen (Strasse und Bahn). Bis in den Anfang des 20. Jahrhunderts erfolgte eine Korrektion der meisten Talflüsse im besiedelten Raum. Nebst Schutz vor Überschwemmung war auch die damit ermöglichte Kulturlandgewinnung treibender Faktor. Der ständig wachsende Siedlungsraum und damit verbundene Nutzungen hatten Eingriffe in die Gewässer zur Folge, die teilweise zu einer massiven Beeinträchtigung der ökologischen Funktion des Fliessgewässerraumes führten. Durch das zunehmende Umweltbewusstsein hat sich heute die Einsicht durchgesetzt, dass Gewässerverbauungen in einem übergeordneten Zusammenhang stehen. Nebst der reinen Schutzfunktion sind auch ökologische, wirtschaftliche und planerische Anliegen zu berücksichtigen.
 
In den vergangenen Jahren wurde daher in der Schweiz der nachhaltige Hochwasserschutz entwickelt. Nachhaltige Hochwasserschutzprojekte gestehen dem Fluss Überflutungsflächen zu und wägen die ökologischen Vorteile - z. B. eine grössere Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten, die auf periodische Überschwemmungen angewiesen sind - gegen die wirtschaftlichen Nachteile ab. Durch den Einbezug der Raumplanung soll eine angepasste Raumordnung dazu beitragen, das Restrisiko in kalkulierbaren Grenzen zu halten, d. h. nicht um jeden Preis gegen, sondern wo möglich mit Hochwasser leben. Erst wenn raumplanerische Instrumente nicht ausreichen, werden wasserbauliche Massnahmen ergriffen. Gleichzeitig müssen die Projekte auch wirtschaftlich vertretbar sein. Wirtschaftlicher Hochwasserschutz bedeutet Prioritäten zu setzen; wo besonders kostspielige Anlagen wie Wohnhäuser, Gewerbezonen und wichtige Verkehrswege bedroht sind, werden umfassende Schutzmassnahmen ergriffen. Bei Weide- oder Waldflächen hingegen nimmt man gelegentlich Überflutungen in Kauf.
 
Ein wichtiges Instrument ist die Gefährdungsbeurteilung. Im Zuge von Ortsplanrevisionen sowie nach grösseren Schadensereignissen werden in den nächsten 10 - 15 Jahren in Graubünden sämtliche ausgeschiedenen Gefahrenzonen überprüft. Durch umfangreiche Untersuchungen unter Einbezug sowohl von Ereignisdaten wie auch modernster Berechnungsmethoden werden dabei Gefahrenkarten erstellt, die parzellenscharf aufzeigen sollen, mit welcher Häufigkeit und Intensität an Überschwemmungsrisiken im Siedlungsraum gerechnet werden muss.
 
Der Schutz von Siedlungsräumen und der Verkehrs- und übrigen Infrastrukturanlagen vor der zerstörerischen Kraft der Bäche und Flüsse ist gemäss kantonalem Wuhrgesetz eine Aufgabe der Gemeinden. Sie werden dabei von der Abteilung Wasserbau beim Tiefbauamt Graubünden als kantonale Fachstelle für den Hochwasserschutz fachtechnisch beraten und unterstützt.