Ein neuer Ansatz im Natur- und Landschaftsschutz   

Die Strategie im Natur- und Landschaftsschutz ist einem Wandel unterworfen. Früher standen einzelne besondere Arten im Fokus des Schutzgedankens. Später stellte man fest, dass der Schutz von Arten nur über den Schutz ihrer Lebensräume (Biotope) erfolgversprechend möglich ist. Inzwischen ist klar, dass auch der Schutz einzelner isolierter Biotope für die Erhaltung langfristig überlebensfähiger Populationen für die meisten Arten nicht genügen kann. Die Biotope müssen vernetzt, d.h. mittels naturnaher Strukturen (Verbindungskorridore) verbunden werden. Doch auch die «Zwischenräume» sind für das Überleben der Arten wichtig. Naturschutz muss mit unterschiedlicher Intensität auf der ganzen Fläche stattfinden. Mit diesem Ansatz schwinden die Grenzen zwischen Natur- und Landschaftsschutz zusehends.
Bildlegende: Intensiv und extensiv landwirtschaftlich genutzte Flächen wechseln sich ab und sind durch Gehölze und einen Wiesenb
Bildlegende: Intensiv und extensiv landwirtschaftlich genutzte Flächen wechseln sich ab und sind durch Gehölze und einen Wiesenbach gut vernetzt.

Bei der traditionellen Konzeption des Landschaftsschutzes werden einzelne besonders wertvolle Landschaftsräume unter Schutz gestellt. Die Gebiete rundherum gelten als «Verbrauchslandschaft». Mit dem neuen Ansatz wird versucht, die Landschaftserhaltung flächendeckend sicherzustellen. Denn Landschaftsschutz soll auf der ganzen Fläche stattfinden, an jedem Ort im richtigen Mass.  

In vielen intensiv genutzten Gebieten fehlen die Verbindungskorridore oder sind die Abstände zwischen den wertvollen Lebensräumen zu gross. In zahlreichen Gebieten liesse sich mit relativ wenig Aufwand eine erhebliche Verbesserung erreichen. Dies gilt aus ökologischer, wie aus landschaftsästhetischer Sicht. Um den Handlungsbedarf genau herauszufinden und allseits zu optimieren, erarbeitet man heute sogenannte Landschaftsentwicklungskonzepte, siehe dazu auch Vernetzungskonzepte im Kapitel Artenschutz.  Das Richtmass ist dabei die Nachhaltigkeit, das heisst, die langfristige Sicherstellung der entsprechenden Nutzbarkeiten. Oder anders gesagt: Die vorhandenen Ressourcen sind nur soweit zu nutzen, als deren Bestand langfristig gewährleistet bleibt und auch künftige Generationen von Landschaftsnutzern noch denselben Entscheidungsspielraum haben.  

Erarbeitung eines Landschaftsentwicklungskonzepts (LEK)

Bei einem Landschaftsentwicklungskonzept geht es erstens darum, die verschiedenen Nutzungsansprüche an jeden einzelnen Teilraum zu erfassen. Zweitens werden diese Nutzungsansprüche auf gegenseitige Verträglichkeit und gegenseitigen Nutzen untersucht und gewichtet. Im dritten Schritt wird versucht, möglichst viele dieser Nutzungsansprüche gleichzeitig nebeneinander und möglichst sogar mit gegenseitigem Vorteil für einander im Landschaftsraum unterbringen zu können (Mehrfachnutzung). Das kann z.B. heissen, dass ein Vita Parcours mitten durch ein Industrieareal führt; an dessen Rand eine Hecke als Wanderkorridor für verschiedene Arten und als Sichtschutz gepflanzt wird. Im angrenzenden Landwirtschaftsland wird ein Ackerschonstreifen eingerichtet, der wiederum ermöglicht, dass der früher auf der Grenze dazwischen fliessende kleine Wiesenbach wieder aus den Röhren hervorgeholt werden kann und nun auch den Fischern wieder zur Verfügung steht. Mindestens so wichtig wie das Resultat ist dabei der Prozess, in welchen möglichst alle am entsprechenden Landschaftsraum interessierten LandschaftsnutzerInnen einzubeziehen sind.

 

 

 

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