Anlaufstelle für Direktbetroffene von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen

Bis in die 1980er-Jahre existierte in der Schweiz die Praxis der so genannten „fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen“. Die Betroffenen verfügten über keine oder ungenügende Rechtsmittel, um sich gegen die Massnahmen zu wehren. 
 
Die Beratungsstelle der Opferhilfe Graubünden steht seit April 2013 Betroffenen von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen als Anlaufstelle zur Verfügung. Sie berät und unterstützt Betroffene und vermittelt bei Bedarf Kontakte zu zusätzlichen Fachleuten (z.B. juristische oder psychologische Fachpersonen). 
 
Das Parlament hat im September 2016 das Bundesgesetz über die Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen vor 1981 (AFZFG) verabschiedet. Ab Januar 2017 können Direktbetroffene ein Gesuch um einen Solidaritätsbeitrag beim Bund einreichen. Die Beratungsstelle der Opferhilfe Graubünden hilft bei der Gesuchseinreichung.
 
Unter fürsorgerischen Zwangsmassnahmen versteht man u.a.:
  • Administrative Versorgung (Arbeitserziehung)
  • Eingriffe in die Reproduktionsrechte (Zwangssterilisationen, -kastrationen und -abtreibungen)
  • Zwangsadoptionen
  • Fremdplatzierungen (Verding-, Pflege- oder Heimkinder)

Betreffend Aktensuche und -einsicht können sich Betroffene zudem direkt ans Staatsarchiv Graubünden wenden