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Anfrage Albertin betreffend Finanzierung der Bündner Pärke

Session: 10.12.2014
Der Kanton Graubünden weist neben dem Schweizerischen Nationalpark vier Pärke von nationaler Bedeutung (gemäss NHG Art. 23e-m) auf: Die regionalen Naturpärke Beverin, Parc Ela und Biosfera Val Müstair sowie den Parc Adula als Nationalpark-Kandidat. Die Pärke haben bereits wenige Jahre nach ihrer Gründung umfangreiche Aufgaben der nachhaltigen Regionalentwicklung übernommen.

In der Schweiz sind derzeit 14 regionale Naturpärke und 1 Naturerlebnispark in Betrieb. 4 weitere Parkprojekte sind im Aufbau. Damit die künftig rund 20 Schweizer Pärke ihre vielfältigen Aufgaben erfüllen können, haben Stände- und Nationalrat im März und September 2014 der Motion Imoberdorf zur angemessenen Finanzierung der Pärke zugestimmt. Ab 2016 verdoppeln sich damit die Beiträge des Bundes an die Pärke von 10 auf 20 Millionen Franken jährlich.

Neben selber erwirtschafteten Erträgen und den Beiträgen des Bundes, aus der Region sowie von Sponsoren und Stiftungen sind die Pärke auch auf die finanzielle Unterstützung durch die Kantone angewiesen. Alle Kantone mit Pärken leisten denn auch massgebliche finanzielle Beiträge. Diese sind, nicht nur eine Voraussetzung für die Unterstützung durch den Bund, sondern oft auch Teil einer kantonalen Pärkestrategie, die darauf abzielt, insbesondere auch die wirtschaftlichen Potenziale der Pärke zu erschliessen (z.B. im Kanton Wallis).

Wir bitten die Regierung, folgende Fragen zur Unterstützung der Bündner Pärke zu beantworten:

1. Wie beurteilt die Regierung den potenziellen volkswirtschaftlichen Nutzen der Bündner Pärke als regionale Entwicklungsträger?

2. In welchem Umfang gedenkt die Regierung, die Bündner Pärke ab 2016 bei der Erfüllung ihrer Aufgaben finanziell zu unterstützen unter Berücksichtigung der Verdoppelung der Bundesbeiträge?

3. Wie verhält sich die bisherige und künftige Finanzhilfe des Kantons Graubünden für Pärke zu den Finanzhilfen im vergleichbaren Tourismuskanton Wallis?

4. Welche Massnahmen trifft der Kanton, um einen wirksamen touristischen Marktauftritt der Bündner Pärke zu unterstützen?

Chur, 10. Dezember 2014

Albertin, Michael (Donat), Bondolfi, Burkhardt, Cahenzli-Philipp (Untervaz), Casanova (Ilanz), Cavegn, Caviezel (Chur), Crameri, Della Vedova, Deplazes, Dosch, Epp, Jaag, Kunfermann, Lamprecht, Locher Benguerel, Lorez-Meuli, Niggli (Samedan), Niggli-Mathis (Grüsch), Noi-Togni, Papa, Paterlini, Pedrini, Perl, Pfenninger, Pult, Rosa, Schneider, Schutz, Steiger, Thomann-Frank, Thöny, Tomaschett (Breil), Tomaschett-Berther (Trun), Buchli (Tenna), Tuor

Antwort der Regierung

1. Die Regierung hält in ihrem Bericht "Wirtschaftsentwicklung im Kanton Graubünden" (Wirtschaftsentwicklungsbericht; Botschaft Heft Nr. 5/2014 – 2015) in Kapitel 8 fest, dass Pärke auf vielfältige Art und Weise ökonomisch und sozial bedeutend für ländliche Regionen und deren Zentren seien. Die Pärke müssen allerdings ihre regionalökonomische Bedeutung zur Stärkung der Bündner Volkswirtschaft noch steigern. Dies erfordert einen konsequenten Aufbau von regionalen Wertschöpfungsketten, eine gezielte Angebots- und Produkteentwicklung sowie eine gebündelte und gemeinsame Vermarktung über professionelle, bereits bestehende Kanäle. Pärke sollen auch noch vermehrt als Plattformen für Innovationen im ländlichen Raum genutzt werden.

Der Kanton Graubünden investiert derzeit im Rahmen der Programmvereinbarungen Pärke von nationaler Bedeutung und UNESCO-Welterbestätten jährlich rund 1,06 Millionen Franken in die Errichtung und den Betrieb "seiner" Pärke (Parc Ela, Parc Beverin, Biosfera Val Müstair, Parc Adula sowie UNESCO-Weltnaturerbe Tektonikarena Sardona TAS). Der Bund beteiligt sich in der laufenden Programmperiode jährlich mit rund 1,6 Millionen Franken an den Bündner Pärken. Darin nicht enthalten ist der Bundesbeitrag an die TAS, welche dem federführenden Kanton Glarus ausbezahlt wird. Die wirtschaftlichen Effekte, welche mit diesen Mitteln erzielt werden, sind noch nicht für alle Pärke untersucht worden. Eine Studie der Universität Zürich aus dem Jahr 2013 weist für den Schweizerischen Nationalpark 19,7 Millionen Franken und für den regionalen Naturpark Biosfera Val Müstair 3,7 Millionen Franken pro Jahr an touristischer Wertschöpfung aus, was die Budgets der jeweiligen Parkträgerschaften um das Sechsfache übersteigt. Im Vergleich zu einer früheren vergleichbaren Wertschöpfungsstudie aus dem Jahr 2000 ist dies eine beachtliche Steigerung von 20 %. Dieses Wachstum ist vor allem auf höhere Ausgaben für Produkte, Angebote und Dienstleistungen der Gäste in den Parkgebieten zurückzuführen. Insgesamt generiert die Wertschöpfung durch den Tourismus (vor allem Sommertourismus) gemäss der genannten Studie von 2013 direkt und indirekt 296 Vollzeitstellen in der Region. Für die anderen Pärke liegen noch keine Wertschöpfungsstudien vor. Weil diese eine ähnliche Ausgangslage haben (Übernachtungsinfrastruktur, allgemeines touristisches Umfeld etc.), darf eine vergleichbar positive Entwicklung erwartet werden.

2. Die Regierung geht für die Programmperiode 2016 – 2019 von den in der Budgetbotschaft 2015 enthaltenen Beträgen aus. Das heisst, die drei Regionalen Naturpärke Beverin, Biosfera Val Müstair und Parc Ela sollen unverändert mit jährlich je 220 000 Franken unterstützt werden. Beim Nationalpark Adula sieht der Finanzplan 2016 – 2018 eine Erhöhung des Kantonsbeitrags von 350 000 auf 600 000 Franken pro Jahr vor. Damit soll insbesondere dem höheren Aufwand eines Nationalparks in der Betriebsphase Rechnung getragen werden, wobei für den Beginn der Betriebsphase ab dem Jahr 2018 die Finanzierung noch nicht gesichert ist. Es sind entsprechende Kompensationen im Kanton zu prüfen.

3. Der Kanton Wallis unterstützt seine beiden regionalen Naturpärke Binntal und Pfyn-Finges mit jährlich insgesamt rund 800 000 Franken. Im Kanton Bern hat der Grosse Rat für die laufende Programmperiode 2012 – 2015 zur Förderung der Pärke von nationaler Bedeutung insgesamt 1,15 Millionen Franken pro Jahr bewilligt.

4. Alle Bündner Parkträgerschaften werden in ihren Leistungsvereinbarungen unter anderem verpflichtet, mit ihren Tourismusorganisationen eine Kooperationsvereinbarung abzuschliessen und zudem die Marke graubünden für ihr eigenes Erscheinungsbild zu führen. Weiter hat der Kanton den Auftritt der Bündner Pärke an der Natur 2012 in Basel und an der Ferienmesse 2013 in St. Gallen finanziell unterstützt.

27. Februar 2015