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Anfrage Schneider betreffend das Logistikzentrum für Retourenverarbeitung und Videocodierung (LRV) in Chur

Session: 19.04.2017

Aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen, insbesondere durch die zunehmende Digitalisierung, aber auch aus rein wirtschaftlichen Überlegungen sieht sich die Schweizerische Post zu diversen Spar- und Umstrukturierungsmassnahmen gezwungen. So hat sie in den letzten Monaten mit ihren angekündigten Poststellenschliessungen auch im Kanton Graubünden für grosse Unruhe gesorgt. Zusätzlich hat auch der Pilotversuch, unstimmig adressierte Briefe in Vietnam verarbeiten zu lassen, hierzulande für viel Stirnrunzeln gesorgt. Glücklicherweise wird dieses Projekt nach grossem öffentlichem und politischem Druck nicht fortgeführt. Schon heute steht der Standort des Logistikzentrums für Retourenverarbeitung und Videocodierung (LRV) in Chur bereits unter starkem Druck und dadurch wäre mittel- bzw. langfristig der Druck noch weiter angestiegen.

Trotzdem drängen sich in diesem Zusammenhang noch weitere Fragen auf, weshalb die Unterzeichnenden mit folgenden Fragen an die Regierung gelangen:

1. Kann die Regierung bestätigen, dass in den vergangenen sieben Jahren im Logistikzentrum für Retourenverarbeitung und Videocodierung (LRV) in Chur eine Personalreduktion von knapp 30% stattgefunden hat? Wie sehen diese Zahlen konkret aus?

2. Was gedenkt die Regierung zu unternehmen, um das schwächelnde Logistikzentrum für Retourenverarbeitung und Videocodierung (LRV) in Chur zu stärken bzw. um den Standort Chur langfristig zu erhalten?

3. Mit der angekündigten Schliessung traditioneller Poststellen in Graubünden gehen weitere Arbeitsplätze verloren. Verfolgt die Regierung eine konkrete Strategie, wie sie diese Arbeitsplätze in anderen Geschäftsbereichen von der Post (E-Health, E-Voting, Digital Workplace) ersetzt haben will?

Chur, 19. April 2017

Schneider, Deplazes, Albertin, Caduff, Caluori, Casanova (Ilanz), Cavegn, Crameri, Darms-Landolt, Della Vedova, Dermont, Dosch, Epp, Fasani, Florin-Caluori, Geisseler, Giacomelli, Kunfermann, Niederer, Sax, Tomaschett (Breil), Tomaschett-Berther (Trun), Berther (Segnas), Cantieni, Lombardi, Natter

Antwort der Regierung

Zu Frage 1:
Es ist richtig, dass im Logistikzentrum für Retourenverarbeitung und Videocodierung (LRV) in Chur in den letzten Jahren eine Personalreduktion stattgefunden hat. Das LRV hatte 2009 eine Personal-Höchstzahl von 69 Personaleinheiten (verteilt auf 108 Mitarbeitende) erreicht. Aktuell sind im LRV 76 Mitarbeitende im Umfang von insgesamt 51 Personaleinheiten beschäftigt. Damit entspricht die Reduktion der Personaleinheiten über die vergangenen sieben Jahre knapp 30 Prozent.

Zu berücksichtigen ist, dass im gleichen Zeitraum die Briefmengen um zirka 15 Prozent zurückgingen. Zudem verbesserte sich aufgrund der technologischen Entwicklung die Datenerkennung durch die eingesetzten Geräte. Als Folge dieser Entwicklungen nahm die Zahl der Retouren ab. Der Rückgang beläuft sich zurzeit auf rund 10 Prozent.

Zu Frage 2:
Die Regierung verschliesst sich keineswegs den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen und zielt deshalb auch nicht auf den Erhalt nicht mehr zeitgemässer Strukturen oder Dienstleistungen ab. Es ist aus Sicht der Regierung richtig, dass die Post verändertem Kundenverhalten im Rahmen ihrer unternehmerischen Entscheide Rechnung tragen kann bzw. muss. Die Regierung sieht denn angesichts des markanten Volumenrückgangs auch keine Massnahmen vor, die explizit die Stärkung oder den Erhalt des LRV zum Ziel haben. Vielmehr geht es ihr darum, dass Unternehmen, darunter auch die Post, zukunftsorientiert neue Formate von Arbeitsplätzen schaffen. Dies in der begründeten Annahme, dass diese im Zuge der Digitalisierung ortsungebundener sind und nicht mehr zwingend in den grossen Agglomerationen sein müssen. Die entsprechende Erwartungshaltung hat die Regierung der Post mitgeteilt.

Zu Frage 3:
Bei den in der Anfrage erwähnten Bereichen E-Health oder E-Voting geht es um schweizweite Projekte und insbesondere darum, mit elektronischen Mitteln die Abläufe zu verbessern und die Zusammenarbeit verschiedener Leistungserbringer effizienter zu gestalten. Seitens des Departements für Volkswirtschaft und Soziales haben erste Gespräche mit der Post stattgefunden, wie die Vorteile, die Graubünden als „Digital Workplace“ bietet, dennoch genutzt werden können. In den kommenden Monaten werden mögliche Ansätze für Graubünden geprüft. Im Rahmen der Verarbeitungsstrategie 2020 prüft die Post zudem auch ein neues dezentrales Paketverteilzentrum in Graubünden. Aussagen über Standort und Anzahl Arbeitsplätze sind noch nicht spruchreif und werden zu gegebener Zeit kommuniziert.

Weitere Erkenntnisse dürften sich aus der Bearbeitung des vom Grossen Rat überwiesenen Auftrags Casanova-Maron ergeben, in dessen Zentrum thematisch die Breitbanderschliessung sowie die Entwicklungen und Herausforderungen im Bereich der digitalen Transformation in Graubünden stehen.

08. Juni 2017