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Anfrage Rutishauser betreffend Beteiligung des Kantons Graubünden am Projekt des Bundes: «Finanzielle Unterstützung von kantonalen Förderprogrammen für Wiedereinsteigende in die Langzeitpflege»

Session: 11.02.2020

Der Mangel an Pflegefachpersonen, besonders in der Langzeitpflege, ist eklatant. Dagegen versuchen der Spitexverband Graubünden und der Bündner Spital- und Heimverband mit einer Imagekampagne anzugehen. Unter anderem machten sie die Mitglieder des Parlaments in der vergangenen Augustsession mit einer Aktion auf die schwierige personelle Lage aufmerksam.

Auch der Bund hat die Situation erkannt und entsprechende Massnahmen eingeleitet.

So unterstützt das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation kantonale Förderprogramme zum Wiedereinstieg in die Diplompflege mit Beginn zwischen 2018 und 2022 während einer Dauer von fünf Jahren. Der Bund übernimmt die Hälfte der effektiven Kurskosten bis zu einer Summe von 2'500 Franken pro Person, sofern sich der Kanton im gleichen Umfang beteiligt.

Die Unterzeichnenden stellen dazu folgende Fragen:

1.     Beabsichtigt die Regierung, sich an diesem Programm zu beteiligen?

2.     Welche Chancen erkennt die Regierung in diesem Projekt, eine höhere Anzahl an Wiedereinsteigenden für die Langzeitpflege zu gewinnen?

3.     Welche anderen Massnahmen hat die Regierung ins Auge gefasst, um den beruflichen Wiedereinstieg von Pflegefachpersonen zu fördern?

Chur, 11. Februar 2020

Rutishauser, Holzinger-Loretz, Deplazes (Rabius), Atanes, Baselgia-Brunner, Bigliel, Brunold, Buchli-Mannhart, Cahenzli-Philipp, Caluori, Cantieni, Casutt-Derungs, Cavegn, Caviezel (Chur), Censi, Clalüna, Crameri, Danuser, Degiacomi, Deplazes (Chur), Engler, Flütsch (Splügen), Föhn, Gartmann-Albin, Gugelmann, Hartmann-Conrad, Hitz-Rusch, Horrer, Jenny, Jochum, Kienz, Kohler, Kuoni, Lamprecht, Loepfe, Maissen, Märchy-Caduff, Michael (Castasegna), Müller (Susch), Müller (Felsberg), Natter, Noi-Togni, Perl, Preisig, Rettich, Ruckstuhl, Schmid, Stiffler, Tanner, Thomann-Frank, Tomaschett-Berther (Trun), Wellig, Widmer-Spreiter (Chur), Wilhelm, Zanetti (Sent), Spadarotto, Stieger

Antwort der Regierung

Mit Schreiben vom 1. März 2018 orientierte das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) das Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit (DJSG) über die Möglichkeiten zur Mitfinanzierung von kantonal unterstützten Wiedereinsteigendenkursen in die Langzeitpflege bis ins Jahr 2022. Mit den Bundesbeiträgen soll es Wiedereinsteigenden ermöglicht werden, ein passendes Kursangebot zu vergünstigten Konditionen besuchen zu können. Die Beiträge werden nur an die Kantone ausbezahlt, d. h. die Beiträge werden nicht direkt an Bildungsinstitutionen oder Kursteilnehmende (sogenannte Subjektfinanzierung) überwiesen.

Das Bildungszentrum Gesundheit und Soziales (BGS) in Chur bietet seit Jahren spezifische Weiterbildungsangebote für den Wiedereinstieg in die Pflege an. Diese Kurse verzeichneten jedoch oft eine so geringe Nachfrage, dass sie infolge zu geringer Teilnehmerzahlen nicht durchgeführt werden konnten. Eine Begründung für die tiefe Nachfrage ist, dass die Teilnehmenden zeitlich meistens nicht passgenau zu Ihrem Wiedereinstieg in einer Institution geschult werden konnten. Erschwerend kam dazu, dass verschiedene Absolvierende im Anschluss an den Kurs keine entsprechende Anstellung fanden, was zu Enttäuschungen und Frustrationen führte.

Neben dem BGS haben auch einzelne Institutionen im Gesundheits- und Pflegebereich eigene Einarbeitungskonzepte für Wiedereinsteigende konzipiert, die sie im Betrieb mit den ersten Arbeitserfahrungen kombinieren und umsetzen. Somit bestehen im Kanton Graubünden bereits verschiedene Angebote für den Wiedereinstieg in die Pflege im Allgemeinen sowie die Langzeitpflege im Speziellen.

Zu Frage 1: Derzeit ist an der Berner Fachhochschule eine Studie in Arbeit, die aufzeigen soll, ob und in welchem Ausmass Wiedereinstiege mit dem Besuch von Wiedereinsteigendenkursen zusammenhängen oder ob eher die verfügbaren offenen Stellen und die Intentionen der jeweiligen Institution des Gesundheitswesens in Bezug auf Wiedereinsteigende ausschlaggebend sind. Die Regierung ist bereit, nach dem Vorliegen dieses Berichts, eine allfällige Beteiligung des Kantons Graubünden am Projekt des Bundes für Wiedereinsteigende in die Langzeitpflege zu prüfen. Das BGS ist weiterhin bereit, das bisherige modulare Angebot, das auch für Wiedereinsteigende der Langzeitpflege geeignet ist, anzubieten. Aus wirtschaftlichen Gründen wird jedoch eine minimale Teilnehmendenzahl zur Durchführung der Kurse vorausgesetzt, damit die Kurse bzw. Module kostendeckend angeboten werden können. Sofern die Langzeitinstitutionen eine Gruppe von acht bis zehn Teilnehmenden stellen können, kann das BGS auch einen auf diese Gruppe massgeschneiderten Kurs anbieten. Die Regierung sieht deshalb vor, den Leistungsauftrag 2021 bis 2024 des BGS zu ergänzen und solche Kurse, gestützt auf Art. 7 des Gesetzes über Ausbildungsstätten im Gesundheits- und Sozialwesen (AGSG; BR 432.000) zu unterstützen, unabhängig der Mitfinanzierung des Bundes ab 2022.

Zu Frage 2: Um den Bedarf an ausgebildetem Pflegepersonal nachkommen zu können, kann das Bundesprojekt einen Beitrag leisten. Die bisherigen Zahlen des Bundes sowie der Kantone zeigen jedoch, dass das Programm seine Ziele bislang (noch) nicht erreichen konnte.

Zu Frage 3: Neben den Angeboten des BGS liegt der Fokus stark auf den Akteuren im Gesundheitswesen. So erachtet es die Regierung als sinnvoll, wenn die Institutionen des Gesundheitswesens auch in Zukunft für Wiedereinsteigende auf ihre Institution angepasste Einarbeitungskonzepte umsetzen. Die Institutionen können anhand des Portfolios einer wiedereinsteigenden Person den spezifischen Schulungsbedarf feststellen und die notwendigen Ausbildungsmodule bestimmen.

9. April 2020