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Anfrage Schwärzel betreffend Studierende an der PHGR aus dem italienischsprachigen Graubünden

Session: 09.12.2020

In diesem Herbst haben an der Pädagogischen Hochschule Graubünden (PHGR) nebst den deutschsprachigen Studierenden acht italienischsprachige Studierende ihr Studium zur Primarlehrperson begonnen. Alle acht stammen aus dem Tessin. Mit anderen Worten: Niemand von den italienischsprachigen Studierenden stammt aus Graubünden. Es gibt in diesem Jahrgang aus den südlichen Tälern unseres Kantons keine Studierenden zur Primarlehrperson.

Es ergeben sich folgende Fragen an die Regierung:

  1. Ist sich die Regierung dieser Situation bewusst?
  2. Konnten bis heute alle Stellen der Volksschule in Italienisch-Graubünden besetzt werden? Wurden für alle offenen Stellen dabei adäquat und stufengerecht ausgebildete Lehrpersonen gefunden?
  3. Wie sieht es in Zukunft aus? Wie viele Lehrpersonen in den Südtälern des Kantons werden aufgrund ihres Alters während der nächsten fünf Jahre pensioniert? Welche Zahl an Schülern und Schülerinnen wird in den nächsten fünf Jahren jeweils für die italienischsprachigen Täler Puschlav, Bergell und das Misox/Calanca prognostiziert?
  4. Wie will der Kanton sicherstellen, dass in den kommenden Jahren den Schulträgerschaften der Südtäler genügend qualifizierte Lehrpersonen zur Verfügung stehen? Welche Massnahmen hat der Kanton dabei ins Auge gefasst?

Davos, 9. Dezember 2020

Schwärzel, Michael (Castasegna), Della Vedova, Atanes, Baselgia-Brunner, Brandenburger, Cahenzli-Philipp, Cantieni, Caviezel (Chur), Censi, Clalüna, Degiacomi, Deplazes (Rabius), Föhn, Gasser, Hardegger, Hartmann-Conrad, Hofmann, Jochum, Kasper, Kohler, Märchy-Caduff, Müller (Felsberg), Papa, Perl, Preisig, Ruckstuhl, Schutz, Thomann-Frank, Tomaschett-Berther (Trun), Widmer (Felsberg), Widmer-Spreiter (Chur), Fasani-Horath, Giudicetti, Pajic, Spreiter, Stieger, Tomaschett (Chur), Tschudi

Antwort der Regierung

Dass in allen Sprachregionen und auf allen Volksschulstufen genügend stufenadäquat ausgebildete Lehrpersonen unterrichten, war und ist in Graubünden immer ein schwer zu erreichendes Ziel. Dies hat wechselnde, schwer voraussehbare und noch schwerer steuerbare Gründe. So ist der Stellenmarkt für Lehrpersonen ganz selten in einem ausgewogenen Verhältnis zur Anzahl der Absolvierenden. Zwar besteht seit der interkantonal vereinbarten gegenseitigen Anerkennung der Lehrdiplome (Vereinbarung der Erziehungsdirektorenkonferenz, Februar 1993) schweizweit ein besserer Ausgleich von Angebot und Nachfrage, dies gilt allerdings vorwiegend für deutschsprachige Regionen. Für italienischsprachige Schulträgerschaften sowie Lehrpersonen und Absolvierende gibt es glücklicherweise noch Anknüpfungspunkte mit dem Tessin und Norditalien. Dies hat in der Vergangenheit punktuell zu einer gewissen Beruhigung im Stellenmarkt geführt, wobei sich die didaktischen Konzepte der Lehrpersonen aus Italien gegenüber Graubünden stark unterscheiden, da jenes Schulsystem und die Curricula anders aufgebaut sind. Gegenwärtig besuchen 46 Studierende aus dem Tessin sowie 6 Studierende aus dem italienischsprachigen Graubünden einen Bachelorstudiengang an der Pädagogischen Hochschule Graubünden (PHGR). Zwischen 2015 und 2020 konnten insgesamt 28 Lehrpersonen (8 Kindergarten- und 20 Primarschullehrpersonen) mit Wohnsitz in Südbünden ausgebildet und diplomiert werden. Wirtschaftliche, demographische und strukturelle Realitäten führen automatisch zu natürlichen Fluktuationen. Insbesondere bei Junglehrpersonen besteht ein grosses Bedürfnis, in den ersten Berufsjahren ausserkantonale Luft zu schnuppern, "Welterfahrung" zu sammeln sowie andere berufsfeldbezogene Realitäten kennenzulernen.   

Zu Frage 1: Die Regierung wird jährlich im Rahmen der Genehmigung des Jahresberichts der PHGR bzw. der Berichterstattung der PHGR über den Nachweis der erreichten Ziele gemäss Leistungsauftrag über die Anzahl der Studierenden und ihre jeweilige sprachliche und geographische Herkunft orientiert. Über die Situation, dass im Herbst 2020 keine Studierende aus Italienischbünden das Studium an der PHGR aufgenommen haben, wurde das EKUD im August 2020 informiert.

Zu Frage 2: Alle Stellen auf der Kindergarten- und auf der Primarstufe konnten besetzt werden. Lehrbewilligungen für nicht stufengerecht ausgebildete Lehrpersonen auf diesen beiden Stufen betrafen in der jüngeren Vergangenheit lediglich Fachlehrpersonen und Schulische Heilpädagoginnen und Heilpädagogen, jedoch keine Klassenlehrpersonen.

Zu Frage 3: In den nächsten fünf Jahren werden auf der Kindergarten- und auf der Primarstufe voraussichtlich drei Lehrpersonen pensioniert. Die Anzahl Schülerinnen und Schüler war in allen Talschaften im Zeitraum der letzten fünf Jahre recht konstant. Im Schuljahr 2020/21 besuchen 1 065 Schülerinnen und Schüler die Kindergarten- bzw. Primarstufe (596 im Misox/Calancatal, 112 im Bergell und 357 im Puschlav). Obwohl die Geburtenzahl seit einigen Jahren tendenziell leicht rückläufig ist, ist in den kommenden fünf Jahren kaum mit grossen Abweichungen der Schülerzahlen zu rechnen. Dies auch deshalb, weil immer wieder einzelne Familien aus dem angrenzenden Tessin im Misox Wohnsitz nehmen.

Zu Frage 4: Die PHGR engagiert sich intensiv hinsichtlich der Gewinnung von Studierenden. Die Regierung hat anfangs Februar 2021 im Zuge der Kenntnisnahme des Katalogs "Massnahmenvorschläge zur Sprachenförderung im Kanton Graubünden" vom Oktober 2020 verschiedene Dienststellen mit der Umsetzung von Massnahmen beauftragt. So wurde das Amt für Höhere Bildung beauftragt, für seinen Zuständigkeitsbereich eine Strategie und Massnahmen aus dem erwähnten Katalog zu erstellen. Die Erarbeitung und Umsetzung dieser Strategie mit entsprechenden Massnahmen erfolgt über die Leistungsaufträge 2021–2024 gemeinsam mit der PHGR und den betroffenen Mittelschulen. Als wichtig erweisen sich seit je fördernde Arbeitsbedingungen in den Schulen peripherer Talschaften, damit insbesondere junge Lehrpersonen längere Zeit ansässig bleiben. Die Gesellschaft und die Behörden tragen eine grosse Verantwortung, den Stellenwert der Lehrpersonen und deren Bedeutung für die breite Bildung wieder vermehrt zu benennen und zu thematisieren.

1. März 2021