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Postulat Schmid betreffend die Ausarbeitung eines Konzeptes über die zukünftige Milchverarbeitung in Graubünden

Session: 25.03.2003
Die Agrarpolitik der Schweiz sieht eine Aufhebung der Milchkontingentierung in den nächsten 4-8 Jahren vor. Diese und andere Entwicklungen werden dazu führen, dass die Landwirtschaft des Kantons Graubünden Marktanteile bei der Milchproduktion und deren Verarbeitung verlieren wird. Damit stehen die Einnahmequellen von ca. 800-1'000 Milchproduktionsbetrieben und rund 150 Arbeitsplätze in den milchverarbeitenden Betrieben in unserem Kanton auf dem Spiel. Diese Entwicklung des Milchmarktes auf schweizerischem Niveau wird der Kanton nicht verhindern, wohl aber mitgestalten können.
Aus der Agrarökonomie weiss man, dass in der Landwirtschaft die Gewissheit, dass die Rohprodukte verarbeitet und vermarktet werden, massgebend dazu beiträgt, ob die Betriebe gewisse Betriebszweige aufrechterhalten. Es ist unbestritten, dass in weiten Teilen des Kantons die Milchproduktion nur erhalten werden kann, wenn die Milchverarbeitung gewährleistet ist. Nach Ansicht der Postulanten kommt in diesem Punkt der Planungssicherheit dem Kanton aber eine führende Rolle zu, indem nicht zuletzt durch kantonale Beurteilungen von Investitionsvorhaben in die Milchverarbeitung die Rahmenbedingungen massgebend beeinflusst werden.

Aus diesem Grund wird die Regierung eingeladen, ein Konzept über die zukünftige Milchverarbeitung im Kanton Graubünden als Entscheidungsgrundlage zu erstellen, das die folgenden Fragen beantwortet:

1. In welchen Gebieten im Kanton kann unter den zu erwartenden Rahmenbedingungen noch konkurrenzfähig Milch produziert werden?

2. In welchen Gebieten im Kanton ist eine Milchverarbeitung vor Ort zwingend, um konkurrenzfähig Milch zu produzieren?

3. Welcher Investitionsbedarf besteht in der Milchverarbeitung in diesen Regionen in den nächsten 6-8 Jahren?

4. In dieses Konzept einzubeziehen wäre auch eine Abstimmung mit Investitionen in die Alpwirtschaft.

Chur, 25. März 2003

Name: Schmid (Vals), Barandun, Righetti, Battaglia, Beck, Berther (Disentis/Mustér) , Brüesch, Capaul, Casanova (Vignogn), Catrina, Cavegn, Caviezel (Pitasch), Cavigelli, Christoffel, Claus, Dalbert, Farrér, Federspiel, Gross, Hanimann, Hardegger, Hartmann, Jeker, Joos, Juon, Keller, Lardi (Le Prese), Lardi, (Poschiavo), Luzio, Maissen, Märchy, Patt, Peretti, Portner, Rizzi, Robustelli, Roffler, Sax, Schmid (Sedrun), Stiffler, Stoffel, Thomann, Trachsel, Tuor (Disentis/Mustér), Tuor (Trun), Zanolari, Zarro, Zegg

Session: 25.03.2003
Vorstoss: dt Postulat


Antwort der Regierung

Die Milchproduktion ist ein wichtiger Erwerbszweig in der Bündner Landwirtschaft. Mit 50 % der 27'797 Kühe wurden im Jahr 2001/2002 70 Mio. kg Verkehrsmilch produziert. Als Verkehrsmilch werden 24 Mio. kg konventionelle und 9 Mio. kg Biomilch abgeführt. Auf den Alpen werden 6 Mio. kg und in den örtlichen und regionalen Käsereien 31 Mio. kg verarbeitet. Für die Bündner Landwirtschaft ist in diesem Zusammenhang die Verarbeitung der Milch von zentraler Bedeutung. Die Kapazitäten für die Milchverarbeitung sind in genügendem Ausmass vorhanden. Die Emmi AG, die neue Hauptabnehmerin der Verkehrsmilch und des Bündner Bergkäses, muss auf dem Bündner Markt erste Erfahrungen sammeln.

Entscheidend ist heute, wie die Milchverarbeitungsbetriebe auf den 5 Jahre nach Inkrafttreten der bilateralen Verträge voll liberalisierten Käseimport und -export sowie auf die vom Nationalrat auf das Jahr 2009 beschlossene Aufhebung der Milchkontingentierung vorbereitet werden können. Das Departement des Innern und der Volkswirtschaft hat im Jahre 2000 eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern des damaligen Landwirtschaftsamtes, des Bündner Bauernverbandes, der Milchverbände und der Sortenorganisation Bündner Bergkäse mit der Ausarbeitung eines Konzepts zur Optimierung der Milchverarbeitung beauftragt. Die Arbeitsgruppe hat der Regierung im Juni 2001 ein Konzept mit entsprechenden Unterstützungs- und Vorgehensvorschlägen unterbreitet. In der Zwischenzeit haben sich die Verhältnisse verändert. Das Amt für Landwirtschaft, Strukturverbesserungen und Vermessung plant eine Überarbeitung dieses Konzepts, das ab dem Jahr 2004 neu als Strategiepapier verfasst werden soll. Damit kann den anhaltenden Veränderungen im Milchsektor besser begegnet werden und künftige Umstrukturierungen werden im Hinblick auf die veränderten Wettbewerbsverhältnisse vorgenommen. Dieses Ziel führt die Regierung bereits im Regierungsprogramm 2001 bis 2004 an (1. Bericht über das Regierungsprogramm und den Finanzplan für die Jahre 2001 bis 2004, Botschaft an den Grossen Rat, Heft Nr. 1 / 2000 bis 2001 auf S. 21).

Die Regierung ist der Auffassung, dass die vollständige Liberalisierung des Käsemarktes bis zum Jahr 2007 und der schrittweise Abbau der Produktestützungen einen grösseren Einfluss auf die Milchproduktion im Kanton haben werden. Laut ETH-Studie von Professor Lehmann aus dem Jahre 2000 sind einzelbetrieblich grosse Veränderungen zu erwarten, wenn der Milchpreis im Jahre 2007 für den Produzenten wie erwartet auf 60-65 Rappen pro Liter sinken sollte.

Zu den aufgeworfenen Fragen:

1. In Landquart, Davos und Bever liegen die eigentlichen Hauptverarbeitungsbetriebe. Die Emmi AG will die Verarbeitung steigern und den örtlichen Markt stärker bearbeiten. Zur Zeit wird, mit Ausnahme von Teilen der Biomilch, alle Verkehrsmilch, die unter Vertrag der Emmi AG steht, im Kanton verarbeitet.

2. Die Regierung unterstützt die dezentrale Verarbeitung in unterschiedlichen wirtschaftlichen Einheiten. Eine Projektstudie der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) sieht in Zukunft eine Chance für dezentrale Verarbeitungsbetriebe mit regionalen Produkten. Der Bündner Bergkäse gehört zu den etablierten Regionalmarken im Käsebereich.

3. Die örtlichen und regionalen Verarbeitungsbetriebe sind und werden zur Zeit saniert. In den kommenden Jahren sind in einzelnen kleineren Betrieben Erneuerungen nötig.

4. Die Einführung der Qualitätssicherheits-Bestimmungen auf den Kuhalpen erforderte zahlreiche Anpassungen bei den Alpkäsereien. Die letzten Sanierungen müssen bis zur Sommersaison 2004 ausgeführt sein.

Aufgrund der aufgezeigten Überlegungen ist die Regierung bereit, das Postulat in dem Sinne entgegenzunehmen, dass anstelle eines Konzeptes ein Strategiepapier erarbeitet wird.

Datum: 6. Mai 2003