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Schriftliche Anfrage Schmutz betreffend Lehrstellen von Jugendlichen im Kanton Graubünden

Session: 25.03.2003
In der Schweiz herrscht ein beängstigender Lehrstellenmangel. Im Kanton Graubünden stellen sich solche Fehlentwicklungen erfahrungsgemäss erst mit einer zeitlichen Verzögerung von etwa zwei Jahren ein. 70 Prozent aller Jugendlichen starten mit einer Berufslehre in das Berufsleben. Gemäss den Zeitschriften «Facts» und «Beobachter» herrscht heute eine Lehrstellennot. Um eine einzige Informatiklehrstelle konkurrieren 37 Bewerberinnen und Bewerber, 18 junge Menschen sind es, die für eine KV-Lehrstelle anklopfen. Die Folgen: Viele Jugendliche stehen ohne Lehrstelle und ohne Zukunft auf der Strasse. Parallel zum Leistungsdruck nimmt auch die Zahl der Lehrabbrüche zu. Die Auswirkungen sind für die Jungen, aber auch für unsere Wirtschaft gravierend. Wer heute ohne Berufsabschluss ins Erwerbsleben treten muss, bleibt später auf der Strecke. Ohne gut ausgebildete Berufsleute ist unsere Wirtschaft nicht mehr konkurrenzfähig.

Vor diesem Hintergrund ersuche ich die Regierung, um Beantwortung folgender Fragen:

1. Wie viele SchulabgängerInnen aus dem neunten Schuljahr hatte es in den letzten 5 Jahren?

2. Wie viele davon gingen in ein 10. Schuljahr ?

3. Wie viele Betriebe hat es im Kanton Graubünden ? Wie ist die Verteilung auf die verschiedenen Branchen?

4. Wie viele davon bilden in welchen Branchen Lehrlinge aus?

5. Ist die Regierung auf eine drohende Lehrstellennot im Kanton Graubünden vorbereitet Welche Massnahmen wurden getroffen oder sind in Vorbereitung?


Chur, 25. März 2003

Name: Schmutz

Session: 25.03.2003
Vorstoss: dt SchriftlicheAnfrage

Antwort der Regierung

Seit der Lehrstellenkrise Mitte der neunziger Jahre hat die Regierung verschiedene Massnahmen ergriffen, um den Jugendlichen im Kanton einen Ausbildungsplatz gewährleisten zu können und diese nicht ohne Lehrstelle und ohne Zukunft auf der Strasse stehen zu lassen. Die Bündner Lehrbetriebe zeigten anlässlich der Lehrstellenumfrage vom vergangenen Sommer erfreulicherweise eine hohe Ausbildungsbereitschaft, und es war kein Rückgang des Lehrstellenangebotes festzustellen.

Die Zahlen der vergangenen fünf Jahre präsentieren sich für Graubünden wie folgt:

1. Die obligatorische Schulpflicht erfüllt haben in den Jahren 1998 bis und mit 2002 jeweils zwischen 2080 und 2166 Schülerinnen und Schüler.

2. Davon haben sich jeweils 220 bis 293 Jugendliche für ein 10. Schuljahr an subventionierten Institutionen entschieden.

3. Im Kanton Graubünden verfügen zur Zeit 3200 Lehrbetriebe für rund 120 verschiedene Berufe über eine Ausbildungsbewilligung. In Graubünden wird vor allem in folgenden Berufsgruppen ausgebildet: Holzverarbeitung, Metall- und Maschinenindustrie inkl. Auto- und Elektrogewerbe, Baugewerbe, Zeichnerberufe, kaufmännische und Verkaufsberufe, Gastgewerbe, Körperpflege, Berufe der Heilbehandlung.

4. Einen oder mehrere Lehrverträge haben zur Zeit 2266 Betriebe abgeschlossen. Die zur Zeit laufenden Lehrverträge verteilen sich auf die oben erwähnten Berufsgruppen wie folgt:
Holzverarbeitung: 259;
Metall- und Maschinenindustrie inkl. Auto- und Elektrogewerbe: 1277;
Baugewerbe: 196;
Zeichnerberufe: 345;
Kaufmännische Berufe: 983;
Verkaufsberufe: 529;
Gastgewerbe und Hauswirtschaft: 510;
Körperpflege:123;
Berufe der Heilbehandlung: 141;

Um einer allfälligen Lehrstellennot im Kanton entgegenzuwirken, wurden auf der Angebotsseite in den vergangenen Monaten laufend neue Lehrbetriebe akquiriert. Im Laufe des Jahres 2002 wurden 42 neuen Lehrbetrieben 146 Ausbildungsbewilligungen erteilt. Um die Ausbildungsbereitschaft auch im kaufmännischen Sektor zu erhalten und zu fördern, werden die Lehrbetriebe mit Informationstagungen, Ausbildungen der Ausbildner und Ausbildnerinnen sowie durch persönliche Kontakte betreut. Auf der Nachfrageseite wird derzeit mit einer Umfrage bei den Abschlussklassen abgeklärt, welche Schulabgängerinnen und Schulabgänger noch über keinen Ausbildungsplatz verfügen. Mit Hilfe von Berufsberatung und Lehraufsicht wird der Kanton alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen, um den Jugendlichen einen Ausbildungsplatz anbieten zu können.

Datum: 29. April 2003