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Anfrage Meyer Persili betreffend Jugendarbeitslosigkeit im Kanton Graubünden

Session: 21.10.2003
Laut einer Mitteilung des Bundesamtes für Statistik (BFS) waren im zweiten Quartal dieses Jahres 50'000 Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren ohne Arbeit und damit gleichzeitig auf Stellensuche. Das sind 50% mehr als im Vorjahr (2002: 33'000). Die Erwerbslosenquote in dieser Altersklasse kletterte somit auf den Höchststand von 8,4%. Und ein Ende ist im Moment nicht in Sicht. Die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen wächst somit gemessen an der Arbeitslosigkeit über alle Altersgruppen hinweg überproportional. Und gleichzeitig mit der emporschnellenden Jugendarbeitslosigkeit nimmt auch die Anzahl junger Sozialhilfeempfängerinnen und -empfänger dramatisch zu.
Hinter diesen Zahlen und Fakten verstecken sich grosse gesellschaftliche Probleme. Wenn Jugendliche keine Arbeit haben, fehlt ihnen für ihr privates und berufliches Leben jede Perspektive. Die Folgen für die Jugendlichen, ihre Angehörigen sowie die Gesellschaft sind verheerend.

Die Regierung wird daher ersucht, folgende Fragen zu beantworten:

1. Wieviele Jugendliche in der erwähnten Altersklasse sind im Kanton Graubünden zur Zeit arbeitslos?

2. Wieviele davon sind junge Frauen, wieviele junge Männer?

3. Wie sieht die Arbeitsmarktsituation für Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger in unserem Kanton aus?

4. Hat gleichzeitig auch die Zahl junger Sozialhilfeempfängerinnen und empfänger zugenommen?

5. Welche Massnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit werden seitens des Kantons getroffen?

Chur, 21. Oktober 2003

Name: Meyer Persili (Chur), Meyer-Grass (Klosters), Cavigelli, Arquint, Baselgia-Brunner, Berther (Disentis), Berther (Sedrun), Biancotti, Bischoff, Bundi, Casanova (Vignogn), Cavegn-Kaiser, Fasani, Frigg-Walt, Hardegger, Jaag, Jäger, Jenny, Joos-Buchli, Keller, Loepfe, Noi, Peyer, Pfenninger, Pfiffner, Ratti, Sax, Trepp, Wettstein, Zanetti, Zanolari, Zindel, Caviezel (Chur), Monigatti, Gartmann-Albin, Nay, Candinas, Gubelmann

Session: 21.10.2003
Vorstoss: dt Anfrage

Antwort der Regierung

1. Ende Oktober 2003 verzeichnete der Kanton Graubünden in der Altersklasse der 15- bis 24-jährigen 469 Arbeitslose und 678 Stellensuchende. Zu den Stellensuchenden zählen die Arbeitslosen, Personen, welche an Weiterbildungs- und Beschäftigungsmassnahmen teilnehmen (nichtarbeitslose Stellensuchende), sowie Personen, welche die Beratungs- und Vermittlungsdienstleistungen der RAV freiwillig in Anspruch nehmen.

2. Von den 469 jugendlichen Arbeitslosen waren 228 Männer und 241 Frauen. Insgesamt 208 der jugendlichen Arbeitslosen verfügen über keinen Berufsabschluss. Von den 1'550 LehrabgängerInnen dieses Jahres waren Ende Oktober ca. 100 als arbeitslos gemeldet.

3. Die Arbeitsmarktsituation für diese LehrabgängerInnen präsentiert sich unterschiedlich. Lehrabgänger und Lehrabgängerinnen mit handwerklichen Berufen haben zur Zeit weit weniger Schwierigkeiten, eine Arbeitsstelle zu finden, als dies bei jungen Berufsleuten der Berufsgruppen kaufmännische Berufe und Verkaufsberufe der Fall ist. Ohne das Problem beschönigen zu wollen, darf doch erwähnt werden, dass von 1'500 LehrabsolventInnen ca. 1'400, d.h. über 90%, eine Arbeitsstelle gefunden haben. Zudem zeigt die Erfahrung, dass junge arbeitslose Berufsleute in aller Regel innerhalb von 6 Monaten eine Arbeitsstelle finden. Nur sehr selten gehören jugendliche Arbeitslose zur Kategorie der Langzeitarbeitslosen.

4. Nur in den grösseren Gemeinden wie etwa Igis-Landquart, Trimmis, Zizers und Domat/Ems ist ein zahlenmässiger Anstieg junger Sozialhilfeempfänger spürbar. Stark zugenommen hat die Zahl in der Stadt Chur. Dabei gibt es kaum Fälle, welche ausschliesslich finanzielle Unterstützung beanspruchen. Meist benötigen junge SozialhilfeempfängerInnen nebst finanzieller Unterstützung zusätzliche Betreuung aufgrund verschiedenster Probleme. Zu nennen sind etwa Lehrabbruch, Probleme in der Schule, im Elternhaus, psychische Erkrankungen mit Klinikeintritt sowie Suchtprobleme. Zudem gibt es Fälle, welche Sozialhilfe beanspruchen, bis ein IV-Entscheid vorliegt. Stark zugenommen hat auch die Zahl junger Mütter mit einem Durchschnittsalter von 20 Jahren, welche unterstützt werden müssen.

5. Zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit werden Arbeitsstellen benötigt, welche nicht der Kanton, sondern die Wirtschaft zur Verfügung stellt. Die regionalen Arbeitsvermittlungszentren unternehmen grosse Anstrengungen, jugendliche Arbeitslose an Arbeitsstellen zu vermitteln. Dabei bietet der Tourismuskanton Graubünden mit seinen saisonalen Beschäftigungsschwankungen und einer hohen Rotation auf dem Arbeitsmarkt sehr gute Möglichkeiten, vorübergehende, wenn auch berufsfremde Arbeitsstellen zu finden. Eine vorübergehende berufsfremde Tätigkeit, und sei es auch eine Hilfsarbeit, ist der Arbeitslosigkeit in jedem Falle vorzuziehen, da sie wertvolle Erfahrungen vermittelt und die Chancen für die künftige Stellensuche verbessert. Falls eine Vermittlung nicht möglich ist, stehen verschiedene arbeitsmarktliche Massnahmen zur Verfügung. Je nach Alter und Bildungsstand der Jugendlichen sind dies Berufspraktika für LehrabgängerInnen, Ausbildungspraktika und Kurse bei Defiziten in Fachgebieten sowie Beschäftigungsprogramme zur Förderung der Branchenkenntnisse und zur Aneignung neuer Technologien.

Das KIGA ist zur Zeit dabei, ein neues Programm aufzubauen, welches speziell auf die Bedürfnisse der Schulabgänger und Jugendlichen mit einem Lehrabbruch ausgerichtet wird. In diesem Programm werden in Zusammenarbeit mit den Jugendlichen die in Frage kommenden Ausbildungen abgeklärt und die Jugendlichen motiviert, eine entsprechende Ausbildung zu absolvieren. Die ProgrammteilnehmerInnen werden bei der Suche einer Ausbildungsstelle unterstützt.

Datum: 25. November 2003