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Anfrage Giovannini betreffend Sicherheit auf der Malojastrasse

Session: 19.04.2005
Bei starkem Schneefall ist die Hauptstrasse zwischen Maloja und Sils allen bekannt als sehr gefährlicher Abschnitt. Auf einer Länge von 3 km gibt es ganze 14 Lawinenbahnen und die Strasse wird aus Sicherheitsgründen je nach Gefahrengrad ganz für den Verkehr geschlossen.

Die Bedeutung der Malojastrasse kann wie folgt zusammengefasst werden:
- wichtiger Verkehrsweg zwischen Norditalien und dem Engadin;
- einzige Verbindung zwischen dem Bergell und dem restlichen Kanton;
- eine Strasse, welche täglich von 500 und mehr Grenzgängern und vielen einheimischen Pendlern, welche im Engadin arbeiten, befahren wird;
- unerlässlich für den Warentransport vom Bergell ins Engadin und umgekehrt;
- offizielle Strecke der öffentlichen Verkehrsmittel und der Notfalldienste;
- sehr stark von italienischen und Tessiner Touristen befahrene Strasse, besonders im Winter.

Für die Wirtschaft unserer Region wie für viele Arbeitgeber im Engadin ist jede Schliessung der Malojastrasse ein Unsicherheits- und Unbeständigkeitsfaktor, welcher immer problematischer wird.

Die häufigen Schliessungen der Strasse während den ersten Monaten im Jahr 2001 (19 Tage) haben die Situation noch verschlimmert. Die Unternehmungen, welche ihre Produkte ins Engadin transportieren müssen, und die Handwerker, welche jen-seits des Malojapasses arbeiten, sind nicht bereit im Bergell zu investieren, ohne eine grössere und beständige Sicherheit betreffend Befahrbarkeit der Strasse zu haben. Noch schwieriger ist die Situation für das Dorf Maloja geworden, wo viele Touristen und viele Angestellte, welche im Engadin arbeiten, diesen Tourismusort aus den oben genannten Gründen meiden. Der Faktor Sicherheit der Strasse ist für eine Region ohne Bahn von lebenswichtiger Bedeutung und wenn diese Sicherheit fehlt, wird sie zu einem negativen Faktor für unsere bereits schwache Wirtschaft.

Das Problem ist schon seit über 20 Jahren bekannt, die laufenden Grossprojekte im Kanton sind bereits gut fortgeschritten oder in der Abschlussphase und die aktuelle finanzielle Situation sollte neue Investitionen erlauben. Die Regierung wird um Beantwortung der folgenden Fragen gebeten:

1. Information über den Stand der versprochenen Studien und Projekte
(Herbst 2001).

2. Welche Variante hat die grösseren Chancen realisiert zu werden (Tunnel oder Galerie)?

3. Ist eine etappenweise Umsetzung des Projektes möglich, damit der Beginn der Arbeiten vorgezogen werden kann?

4. In welcher Zeit ist es möglich, ein komplettes, genehmigungsreifes Auflageprojekt vorzulegen?

5. Wann wird es unter Berücksichtigung einer etappenweisen Umsetzung möglich sein, die eigentlichen Arbeiten in Angriff zu nehmen?

Chur, 19. April 2005

Name: Giovannini, Hartmann (Champfèr), Lemm, Bleiker, Fleischhauer, Giacometti, Göpfert, Gredig, Janom Steiner, Keller, Mani-Heldstab, Nigg, Parolini, Pedrini, Perl, Portner, Ratti, Righetti, Stiffler, Tramèr, Bezzola, Campell, Pool, Toschini, Zehnder

Session: 19.04.2005
Vorstoss: dt Anfrage


Antwort der Regierung

Die hohe wirtschaftliche Bedeutung leistungsfähiger und sicher befahrbarer Strassen für den Personenverkehr wie für den Warentransport steht ausser Frage. Was generell gilt, gilt für die Malojastrasse als einzige Verbindung des Bergells mit dem Engadin im Besonderen.

Die beiden Umfahrungen Flims und Klosters sind tatsächlich weit fortgeschritten und können in den kommenden Jahren in Betrieb genommen werden. Hingegen trifft es aufgrund des heutigen Wissensstandes nicht zu, dass als Folge davon die "aktuelle finanzielle Situation" neue Investitionen grösseren Ausmasses zuliesse.

Voraussichtlich ab dem Jahre 2008 erhalten die Kantone anstelle werkgebundener Beiträge eine in ihrer Höhe noch nicht bestimmte pauschalisierte Summe für Neubauten und Sanierungen im Bereich des Hauptstrassennetzes. Dies bedeutet, dass der Prioritätensetzung in der Mittelverwendung in Zukunft eine noch grössere Bedeutung zukommt.

Zu den einzelnen Fragen äussert sich die Regierung wie folgt:

1. Konkret wurde durch das SLF eine Studie über die Lawinensicherung erarbeitet, um die Möglichkeiten und Risiken künstlicher Lawinenauslösungen zu klären. Im Weiteren wurde ein Vorprojekt für einen Lawinenauffangdamm bei Sils Baselgia bearbeitet. Eine Nutzen-Kosten-Analyse vom 15.09.2002 wägt die Kosten künstlicher Lawinenauslösungen mit den damit verbundenen Risiken für Folgeschäden ab. Daneben wurden die Varianten eines durchgehenden Tunnels, einer durchgehenden Galerie bzw. einer Galerie auf einer Teilstrecke bezüglich Machbarkeit, Auswirkungen, Risiken und Kosten vertieft.

2. Zum heutigen Zeitpunkt ist es schwierig, konkrete Aussagen über die Ausführungschancen einer der obgenannten Projektvarianten zu machen. Es ist denkbar, dass aus Sicht des Natur- und Landschaftsschutzes eine Galerielösung entlang des Malojasees als weniger landschaftsverträglich beurteilt würde.

3. Gestützt auf die früheren Abklärungen sowie auf die Tatsache, dass auf dem rund 3 km langen Abschnitt 14 einzelne, voneinander mehr oder weniger unabhängige Lawinenzüge existieren, ist es eher unwahrscheinlich, dass aus technischen und ökonomischen Gründen eine etappierbare Lösung machbar ist.

4. Aufgrund der Grösse des Projektes sowie der sensiblen Umgebung, in welcher es realisiert werden soll, ist für das Projekt eine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich. Erfahrungsgemäss beanspruchen die Ausarbeitung der Projektunterlagen sowie das Auflageverfahren bis zur Genehmigung einige Jahre, so dass eine konkrete Zeitangabe nicht möglich ist.

Eine Aussage über einen möglichen Realisierungsbeginn ist im heutigen Zeitpunkt aufgrund des Standes der technischen Bearbeitung des Projektes aber auch der ungewissen Finanzierungsaussichten nicht möglich.

Datum: 6. Juli 2005