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Anfrage Koch betreffend Führungsrolle der RhB zur besseren Koordination und Vermarktung unserer Tourismusangebote

Session: 19.04.2005
Die Gästestatistik für das Jahr 2004 zeigt ein eher düsteres Bild über den Zustand unseres wichtigsten Wirtschaftszweiges auf, Gegenüber 1994 sanken die Logiernächte über 1 Mio. auf heute noch 5,53 Mio. Logiernächte. Dies gibt zu denken. Anderseits ist der Tourismus weltweit eine Wachstumsbranche. Hier drängt sich unweigerlich die Frage auf, was machen wir anders, als unsere erfolgreichen Konkurrenten in Nah und Fern? Dass wir ein Hochpreisland sind ist allseits bekannt. Damit die hochpreisigen Dienstleistung vom Kunden akzeptiert werden, sind unsere tüchtigen Hoteliers und Bergbahnunternehmer gefordert. Wir haben jedoch ein Imageproblem, dass mit dem bisher praktizierten stark verzettelten Marktauftritt nicht behoben werden kann. Die Rhätische Bahn ist ein starker imagebildender Dienstleistungsanbieter und spielt deshalb eine grosse Rolle für das Marketing unseres gesamten Kantons. Die Unternehmensstrategie der RhB sollte deshalb optimal auf die touristische Weiterentwicklung unserer Destinationen abgestimmt sein. Die RhB ist für eine zentrale Rolle und als Leader für die Bündelung und Vermarktung der touristischen Dienstleistungen bestens geeignet.

Fragen an die Regierung.

1. Müssen wir als politisch Verantwortliche für gute Rahmenbedingungen nicht alle Möglichkeiten ausschöpfen, die geeignet erscheinen, dem Tourismus unter die Arme zu greifen? Insbesondere starke Leistungsträger, auf die wir direkt Einfluss nehmen können (wie z.B. die RhB), zu einer aktiven Rolle zu animieren?

2. Sieht die Regierung die RhB in einer Führungsrolle bei der Koordination der Dienstleistungen und der Vermarktung unserer Tourismusangebote und ist sie bereit, bei der Führung der RhB sich dafür einzusetzen?

3. Welche weiteren Möglichkeiten sieht die Regierung, um die Marktanteile zu verteidigen und zu erhöhen?

Chur, 19. April 2005

Name: Koch, Farrér, Christ, Arquint, Berther (Disentis), Bucher-Brini, Butzerin, Casanova (Vignogn), Cavigelli, Crapp, Fallet, Fasani, Giacometti, Jäger, Keller, Kessler, Marti, Michel, Parolini, Plozza, Ratti, Righetti, Sax, Schütz, Stiffler, Tremp, Trepp, Zanolari, Florin-Caluori, Gubelmann, Nay, Zehnder

Session: 19.04.2005
Vorstoss: dt Anfrage


Antwort der Regierung

Der Tourismus ist eine Wachstumsbranche und bietet grundsätzlich Potenzial für zusätzliche Arbeitsplätze. Die Entwicklung für Graubünden ist jedoch nicht erfreulich. Die Anzahl der Hotellogiernächte hat sich vom Höchststand im Jahre 1993 mit 6.54 Mio. auf heute 5.53 Mio. stark reduziert. In den letzten 3 Jahren hat sich das Niveau stabilisiert und vom Tief im Jahre 1996 mit knapp 5.37 Mio. erholt. Die Anzahl Ankünfte hingegen ist heute ziemlich genau auf dem gleichen Stand (1.64 Mio.) wie im Rekordjahr 1993. Der allgemeine Trend zu kürzeren Aufenthalten (heute 3.4 Tage gegenüber 4.0 Tage vor 10 Jahren) führt zu weniger Logiernächten.

In den letzten 20 Jahren ist eine Vielzahl neuer Reiseziele auf den Markt gekommen. Für den global orientierten Kunden sind diese heute dank tiefen Flugpreisen und einfacher Buchbarkeit (u.a. Internet) gut erreichbar. Es gibt demnach nicht nur ein steigendes Nachfragevolumen, sondern auch ein steigendes Angebot. Graubündens Stammmärkte Schweiz und Deutschland waren im Gegensatz zu den interna-tionalen Märkten in den letzten Jahren eher rückläufig.
Der Bündner Tourismus hat ein Wachstumsproblem. Nur wenn es gelingt, ausreichend neue Gäste zu gewinnen, kann die Entwicklung nachhaltig positiv gestaltet werden. Dazu müssen die vorhandenen Mittel optimal eingesetzt werden. Dies bedingt effiziente Strukturen und eine Vermarktung, die auf starken Marken und Destinationen basiert. Die Hauptfinanzierung erfolgt über kommunale Tourismusabgaben. Demzufolge liegen die Handlungsmöglichkeiten und die Verantwortung primär auf dieser Ebene. Im Regierungsprogramm 2005 bis 2008 ist unter dem Entwicklungsschwerpunkt 21 die Förderung von effizienten Strukturen thematisiert. Der Kanton hat bereits ein entsprechendes Projekt initiiert mit dem Ziel, wettbewerbsfähige Tourismusstrukturen zu schaffen. Die Rhätische Bahn (RhB), Graubünden Ferien (GRF) und die grössten Destinationen sind in dieses Projekt eingebunden.

Zu den Fragen:

1. Die Regierung teilt die Meinung der Anfragenden, dass sich die Politik für gute Rahmenbedingungen für den Tourismus einsetzen muss. Es ist jedoch nicht Aufgabe der Regierung, direkt in die operative Tätigkeit der einzelnen Leistungsträger einzugreifen. Deshalb steht die direkte Einflussnahme nicht im Vordergrund.

2. Es ist bekannt, dass sich Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der RhB vermehrt aktiv im Marketing und im Verkauf engagieren. Entsprechende Massnahmen wurden durch die Instanzen der RhB bereits eingeleitet. Die RhB verfügt über national und international bekannte Produkte wie Glacier Express oder Bernina Express. Wichtig ist, dass sowohl die RhB als auch die Destinationen gemeinsam Produkte entwickeln und diese entsprechend vermarkten. Als Beispiel dazu ist die Rahmenvereinbarung zwischen der RhB, Kur- und Verkehrsverein St. Moritz, Davos Tourismus, Graubünden Ferien sowie die Co-Partner Klosters Tourismus, Kur- und Verkehrsverein Pontresina und Alpenarena zu erwähnen, die eine gemeinsame Bearbeitung der Asienmärkte vorsieht. Inwieweit die RhB in Bezug auf Tourismusangebote eine Führungsrolle einnimmt, ist Sache der RhB. Die Regierung nimmt die Vorwärtsstrategie der RhB zur Kenntnis. Eine Koordination unter den Leistungsträgern und Destinationen ist selbstverständlich sicherzustellen, allerdings bleibt jede Destination und jeder Leistungsträger, auch die RhB, für die Vermarktung primär selbst verantwortlich.

3. Die Regierung betreibt eine aktive Tourismusförderung, welche unter anderem die Förderung von allgemeinen Tourismusinfrastrukturen und von Kooperationen, die Verbesserung von Strukturen sowie eine beschränkte einzelbetriebliche Förderung beinhaltet. Zudem ist der Beitrag an Graubünden Ferien zu erwähnen. Wichtige Ziele sind Professionalisierung, Effizienzsteigerung, Intensivierung der Vermarktung und Konzentration auf die wesentlichen Marken. Gestützt auf die Resultate des Projekts „Wettbewerbsfähige Tourismusstrukturen“ sollen Vorwärtsstrategien entwickelt werden, um im schweizerischen und internationalen Tourismusmarkt bestehen zu können. Damit die Strategien und Massnahmen umgesetzt werden können, sind die bei den kommunalen und regionalen Organisationen vorhandenen Mittel konsequenter für die Marktbearbeitung zur Gewinnung neuer Gäste einzusetzen.

Datum: 24. Juni 2005