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Anfrage Casty betreffend Alterssituation von Menschen mit einer geistigen Behinderung

Session: 17.06.2005
Je besser die sozialen und medizinischen Voraussetzungen, desto älter wurden in den vergangenen Jahrzehnten auch Menschen mit einer geistigen Behinderung. Solche Menschen gehören als Betagte weder ins übliche Altersheim, noch in die psychiatrische Klinik. Behinderte erreichen die Grenze zur Pensionierung immer öfter. Die Wohnheimplätze, normalerweise angegliedert an eine Beschäftigungsstätte, werden immer mehr durch pensionierte Betreute besetzt.

Die Behindertenorganisationen sind gefordert nach anderen Wohnformen für betagte Betreute zu suchen.

Wir ersuchen die Regierung um Beantwortung folgender Fragen:

1. Welche Massnahmen gedenkt die Regierung auf diese Entwicklung hin in Betracht zu ziehen?

2. Sieht die Regierung die Schaffung von Seniorenwohngruppen, angegliedert an die bestehenden Institutionen, vor?

3. Sind zentrale Altersheime für pensionierte Betreute mit einer geistigen Behinderung geplant?

Chur, 17. Juni 2005

Name: Casty, Augustin, Bachmann, Bär, Barandun, Baselgia-Brunner, Berther (Disentis), Bleiker, Brüesch, Bucher, Butzerin, Caviezel-Sutter (Thusis), Christ, Christoffel-Casty, Conrad, Demarmels, Dermont, Dudli, Fallet, Federspiel, Fleischhauer, Frigg, Giovannini, Hess, Hübscher, Jaag, Jäger, Joos-Buchli, Kleis-Kümin, Koch, Lemm, Mani-Heldstab, Märchy-Michel, Meyer-Grass (Klosters), Möhr, Montalta, Nigg, Parolini, Parpan, Pedrini, Peyer, Pfiffner, Portner, Quinter, Righetti, Rizzi, Robustelli, Schütz, Stiffler, Stoffel, Thomann, Tomaschett, Tremp, Trepp, Wettstein, Campell, Caviezel (Chur), Gartmann, Gunzinger, Jecklin-Jegen, Kunz

Session: 17.06.2005
Vorstoss: dt Anfrage


Antwort der Regierung

Die allgemeine Lebenserwartung von Menschen mit einer geistigen Behinderung hat in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen. Menschen mit einer geistigen Behinderung erreichen heute weit häufiger das AHV-Alter als früher. Entsprechend nimmt auch die Zahl von Menschen mit einer geistigen Behinderung, die pflegebedürftig werden, deutlich zu. Mit dieser Situation sind Einrichtungen zur Betreuung erwachsener Menschen mit einer Behinderung in der ganzen Schweiz zunehmend konfrontiert.

Bisher wurde die Frage, in welcher Einrichtung pflegebedürftige Menschen mit einer geistigen Behinderung betreut werden sollen, weder von den Anbietern, den Fachverbänden noch auf politischer Ebene vertieft diskutiert. Entsprechend hat auch die Regierung zu dieser Frage derzeit noch keine abschliessende Haltung. Ihrer Ansicht nach sollte für die Beantwortung der Frage jedoch wegleitend sein, dass Menschen mit einer Behinderung genauso wie alle anderen Personen einen Anspruch darauf haben sollen, solange als möglich in der gewohnten Umgebung und in ihrem vertrauten Wohnumfeld zu leben.

Voraussetzung für Beitragsleistungen der Krankenversicherer an durch Behinderteneinrichtungen bei pflegebedürftigen Menschen mit einer geistigen Behinderung erbrachte Pflegeleistungen ist die Aufnahme der entsprechenden Einrichtungen auf die Pflegeheimliste. Die Aufnahme von Behinderteneinrichtungen auf die Pflegeheimliste erfolgt zweckmässigerweise im Einvernehmen mit den Krankenversicherern.
Beantwortung der konkreten Fragen

1. Das Justiz-, Polizei- und Sanitätsdepartement sieht vor, zur vertieften Auseinandersetzung mit der Thematik eine Arbeitsgruppe einzusetzen. Zu prüfen sind dabei auch die in der Anfrage erwähnten Auswirkungen des allfälligen Verbleibs von pflegebedürftigen Menschen mit einer geistigen Behinderung im Wohnheim auf die Bedarfsplanung der Behinderteneinrichtungen.

2. Die Bildung von Seniorenwohngruppen stellt eine mögliche Lösung dar, damit pflegebedürftige Menschen mit einer geistigen Behinderung weiterhin in ihrer gewohnten Umgebung und in ihrem vertrauten Wohnumfeld leben können.

3. Seitens des Kantons sind keine zentralen Alters- und Pflegeheime für pflegebedürftige Menschen im AHV-Alter mit einer geistigen Behinderung geplant. Auch pflegebedürftige Personen mit einer geistigen Behinderung sollen im Alter die Möglichkeit haben, solange als möglich in ihrer bisherigen Umgebung respektive Region zu bleiben.

Datum: 14. September 2005