Häufig gestellte Fragen

Können grosse Holzschläge die Landschaft zerstören?

Nein, sie tun es nicht, denn:

Die Landschaft ist, wie die Natur, dynamisch. Veränderungen am Wald, sei es durch den Menschen (Waldnutzung, Holzschläge) oder durch die Natur (Waldschäden wie Sturm, Lawinen oder Borkenkäfer) haben das Landschaftsbild schon immer beeinflusst.
Naturereignisse oder durch die Waldwirtschaft geschaffene Lücken sind prägender Bestandteil unserer sich verändernden Landschaft. Sturmschäden (z. B. Vivian 1990) haben immer wieder zu neuen Landschaftsbildern geführt. Wo wichtiger Schutzwald steht, wurde aufgeforstet und / oder die Naturverjüngung setzt sich von selbst durch.

Übersicht mit verschiedenen Holzschlägen und Windwurfflächen


Bild: Der Mensch greift aus verschiedensten Gründen in den Wald ein - die Natur auch. Dargestelltes Beispiel: Eingriffe in Wald südlich Dorf und Golfplatz Domat/Ems (Aufnahme 2007)
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Werden die Wälder kahl geschlagen?

Nein, das geht nicht, denn:

Das Waldgesetz verbietet Kahlschläge (WaG Art. 22). Auch wenn Gesetze geändert werden können, wird die Bevölkerung dies nicht zulassen. Denn fast jeder Bündner ist auch über die Gemeinden Waldeigentümer und somit angewiesen auf intakte Schutzwälder und schöne Erholungswälder (Tourismus). Die Bündner Wälder produzieren in erster Linie Schutz für Siedlungen und Verkehrsverbindungen und – natürlich wichtig für den Tourismus - schöne Waldbilder.


Kahlschlag in Kanada
Bild: Kahlschlag Kanada (Quelle Greenpeace Suisse)

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Hat es genug Holz in Graubünden?

Ja, es hat genug, denn:
Der gesamte Holzvorrat im Bündner Wald wird im Jahr 2007 auf knapp  54 Mio. m3 geschätzt. Dies weil seit 1995 (Vorrat 52 Mio. m3) nur rund ¾ des nachwachsenden Holzes genutzt werden.  Es könnten somit, um nachhaltig zu nutzen, rund 120'000 m3 Holz pro Jahr mehr eingeschlagen werden als heute. Dies sind 35% mehr als der aktuelle Hiebsatz von 350'000 m3. Die Jahrzehnte lange Unternutzung ist dabei noch nicht berücksichtigt.
Wenn die bisherigen Nutzungsmenge von 350'000 m3 beibehalten wird, nimmt der Holzvorrat weiterhin ständig zu. Die nachteilige Unternutzung setzt sich fort.

Zunahme 1995
grafische Zuwachsdarstellung

Zunahme 1995 – 2007
Zuwachs um 1.4 Millionen m3 von 1998 - 2007

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Wer ist bei den Holznutzungen mitbeteiligt?

Waldeigentümer (Gemeinden, Private, Korporationen, etc.)
Lassen ihren Wald durch den lokal zuständigen Forstbetrieb (i.d. Regel der eigene Gemeindeforstbetrieb) oder durch Forstunternehmer (in Auftrag) pflegen und nutzen. Das dabei geerntete Holz gehört dem Waldeigentümer.

(Gemeinde-)Forstbetrieb

  • Plant
  • und realisiert die Waldbewirtschaftung in der Gemeinde/ oder Forstrevier (Bem.: Ein Forstrevier kann mehrere Gemeinden umfassen)
  • u.a. Ausführung der Holzereiarbeiten (zB durch eigene Gemeindeforstgruppe)
  • Verkauf des Holzes für die Gemeinde (durch den Revierförster)
  • Kontrolle aller Holzschläge im Forstrevier (durch den Revierförster)
  • Begleitung von Holzschlägen welche durch Forstunternehmer realisiert werden  (durch den Revierförster)


Amt für Wald Graubünden
Hat die Oberaufsicht über den Wald in Graubünden. Bei den Holzschlägen werden folgende Aufgaben wahr genommen:

  • Leitung bei der Anzeichnung der zu fällenden Bäume (Gesetzesauftrag)
  • Überwachung der festgelegten Nutzungsmengen
  • Kontrolle der Holzschläge
  • Ansprechpartner für Fragen der Waldbewirtschaftung


Forstunternehmer

  • Ausführung der Holzereiarbeiten gemäss Vorgaben; dies kann sein in Auftrag als Dienstleistung
  • Ausführung der Holzereiarbeiten inkl. Kauf des Holzes, anschliessend Weiterverkauf an Holzhändler oder an Weiterverarbeiter (zB Sägerei)

Holzhändler

  • Kauf von bereit gestelltem Holz beim Waldeigentümer (Gemeinde, Private etc.)
  • Weiterverkauf des Holzes an die weiter verarbeitende Holzindustrie
  • Kauft das geschlagene Holz, je nach Verlauf:
    - direkt beim Waldeigentümer (i.d.R. bei der Gemeinde vertreten durch den Revierförster)
    - beim Forstunternehmer oder beim Holzhändler

Sägerei
Verarbeitet das Holz weiter; zB zu Brettern, Leisten, etc.

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Wohin geht unser Holz?

Holzfluss
Bis 2006 wurden mehr als 80% des Bündner Holzes ins Ausland exportiert oder in der übrigen Schweiz weiterverarbeitet. Dies weil es zu wenige Sägereien gab.

Seit 2007 mit der Inbetriebnahme des Grosssägewerks in Domat/Ems könnte die gesamte jährlich zu nutzende Holzmenge von 350’000m3 im Kanton eingesägt werden. Die effektiven Holzflussmengen und -destinationen sind jedoch vom Markt gesteuert.

Holzfluss im In- und Ausland

Sägereien
Alle Sägereien in Graubünden zusammen haben zurzeit  eine Einsägekapazität von rund 650'000 m3 Holz. Alleine das Grosssägewerk in Domat/ Ems kann im Einschichtbetrieb rund 600'000 m3 einsägen. Rund 50'000 m3 werden durch 7 mittlere Sägereien und mehreren Klein- und Kleinstbetrieben eingesägt. In den letzten Jahren wurden jedoch nur rund 40'000-45’000 m3 pro Jahr eingesägt (10-20% unter der Einsägekapazität dieser kleinen Sägereien).
Das Grosssägewerk verarbeitet dabei nicht alle Holzarten und nicht alle Dimensionen, die die Bündner Waldeigentümer anbieten können. Sie verarbeitet Fichte und Tanne, sowie wenig Föhre, jedoch keine Lärche, Arve, Buche etc. Zudem können in Domat/Ems Stämme, die über 55 cm dick sind, nicht verarbeitet werden. Der Anteil an Bäumen über 55 cm Dicke aus den überalterten Bündner Wäldern ist aber beträchtlich. Die Firma Stallinger produziert andere Produkte als unsere Sägereien. Vor allem aber produziert sie für den ausländischen Markt. Innovative Kleinsägereien können erfolgreich Nischen besetzen.

Holzverarbeitung
Das Holz aus dem Wald gelangt in den Handel und in die Holz verarbeitende Industrie, der so genannten Holzwirtschaft.

In Graubünden sind dies neben den Sägereien vor allem Zimmereibetriebe, Schreinereien, Möbel- und Küchenhersteller. Nicht verarbeitbares Holz wird teilweise als Energieholz genutzt. Für die Herstellung anderer Produkte wird das Holz aus Graubünden ins Ausland oder in umliegende Kantone ausgeführt.

 

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