Die Ergebnisse des Moduls Sprache der Strukturerhebung zeigen, die Veränderung der Bevölkerungsstruktur und der Migrationstendenzen bei der ständigen Wohnbevölkerung wirken sich auch auf den Sprachgebrauch in der Bündner Bevölkerung aus. Veränderungen bei der Verbreitung der Amtssprachen induzierten insbesondere auch die im 2023 erstmals zur ständigen Wohnbevölkerung zählenden Ukrainerinnen und Ukrainer mit Schutzstatus S. Die Verwendung der Kantonssprachen zu Hause und im beruflichen Umfeld veränderte sich ebenfalls geringfügig.
Rätoromanisch und Italienisch büssen als Hauptsprachen in Graubünden an Bedeutung ein, dennoch werden sie im Alltag teilweise intensiver genutzt als noch im Vorjahr
Die Zahl der über 15-jährigen Bündnerinnen und Bündner, welche unter anderem Italienisch und Rätoromanisch als ihre Hauptsprachen angeben, hat im 2023 und im Vergleich zum Vorjahr abgenommen. Beachtlich ist hierbei insbesondere, dass Italienisch, trotzt steigender Zahl an in Graubünden lebenden Personen mit italienischer Staatsbürgerschaft (7'345 an der Zahl), als Hauptsprache im Jahr 2023 an Bedeutung eingebüsst hat. Betrachtet man jedoch den Sprachgebrauch der italienischen Sprache, also der Zahl an Personen, welche in der Erhebung angeben, dass sie bei der Arbeit oder zu Hause unter anderem auch Italienisch sprechen, so hat dieser in beiden Teilergebnissen im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Die Verwendung der romanischen Sprache im beruflichen Umfeld hat sich im 2023 leicht rückläufig entwickelt, Rätoromanisch wird jedoch zu Hause von mehr Personen als noch im Vorjahr als Kommunikationssprache genutzt.
Anmerkung: Die Ergebnisse der Strukturerhebung beruhen auf einer Stichprobenerhebung, die entsprechenden Resultate unterliegen somit einem in der jeweiligen Statistik ausgewiesenen Fehlerkoeffizienten, womit sowohl die Veränderung bei der Nutzung des Italienischen und des Rätoromanischen als Hauptsprache nicht mit abschliessender Sicherheit (Wahrscheinlichkeit höher als 95%) belegt werden kann, die Ergebnisse sind dennoch als äusserst plausibel zu betrachten. Gleiches gilt auch für den Sprachgebrauch in den verschiedenen Bereichen des täglichen Lebens.
Zuordnung der ukrainischen Flüchtlinge in die ständige Wohnbevölkerung wirkt sich auch auf den Sprachgebrauch im Kanton aus
Verschiedene übergeordnete Veränderungen wirkten sich nachgelagert auch auf den Sprachumgang in der Bündner Bevölkerung aus. Im Jahr 2023 wurden nämlich erstmals die mit Schutzstatus S in Graubünden anwesenden Ukrainerinnen und Ukrainer zur ständigen Wohnbevölkerung Graubündens gezählt, womit die über 15-jährigen unter ihnen auch Gegenstand der Erhebung waren. Über 1'000 Personen mehr als im 2022 gaben somit an, unter anderem eine andere Sprache als Deutsch, Rätoromanisch, Italienisch, Portugiesisch oder Englisch als Hauptsprache zu nutzen. Der Bevölkerungsstatistik folgend, wohnt der grösste Teil von ihnen in der Region Plessur, gefolgt von der Region Prättigau/Davos, wodurch die Schutzbedürftigen im Rahmen der Integration vorwiegend in deutscher Sprache unterrichtet werden. Ein weiterer Faktor bildet die interkantonale Migration, welche ebenfalls die Verbreitung der deutschen Sprache in Graubünden begünstigt; handelt es sich doch bei den meisten Zuzügerinnen und Zuzüger um Personen aus den deutschsprachigen Kantonen im Mittelland. Im Umkehrschluss dazu, findet die interkantonale Abwanderung, insbesondere der jungen Bevölkerung im ganzen Kantonsgebiet und allen Sprachregionen Graubündens statt und betrifft somit auch die Gebiete der romanischen und italienischen Sprache. Auf die internationale Migration zurückzuführen ist ausserdem, dass die Zahl der Personen, welche Portugiesisch als eine ihrer oder als ihre Hauptsprache nannten gestiegen ist. Betrug deren Anteil in Graubünden im 2022 noch 4,1 Prozent, waren es im Berichtsjahr 4,9 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung Graubündens.
Im gesamtschweizerischen Kontext büssten, anders als in Graubünden, alle vier Landessprachen innert Jahresfreist in ihrer prozentualen Verbreitung ein. Zugenommen an Bedeutung als Hauptsprache haben im gleichen Zeitraum um 0,2 Prozentpunkte Englisch, um jeweils 0,1 Prozentpunkte Portugiesisch und Spanisch. Ebenfalls, und in Analogie zu Graubünden am stärksten zugelegt haben auch schweizweit die weiteren, nicht einzeln ausgewiesenen Sprachen (Plus 0,7 Prozentpunkte), worin sich auch die Anwesenheit der ukrainischen Flüchtlinge und die Migration aus weiteren Staaten wiederspiegelt.
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