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Bauprojekt in Domat/Ems bringt mittelalterlichen Friedhof ans Licht


 
In Domat/Ems ist beim Abbruch eines Wohnhauses mit Stall ein mittelalterlicher Friedhof entdeckt worden. Der Archäologische Dienst Graubünden ist in den vergangenen Wochen auf über hundert Gräber gestossen. Anthropologische Untersuchungen werden nun nähere Erkenntnisse über die dort Bestatteten bringen und auch Hinweise auf das Dorfleben im Mittelalter liefern.

Der alte Dorfkern von Domat/Ems ist für die Archäologie eine beinahe unerschöpfliche Fundgrube. Bauvorhaben im Umkreis des Dorfplatzes haben in den letzten dreissig Jahren der Dorfgeschichte weit in die Vergangenheit zurück reichende Entdeckungen beschert. So haben die bisherigen Untersuchungen gezeigt, dass das Gebiet zwischen dem Kirchhügel, der Tuma Casté und dem östlichen Dorfrand in der Bronze-, Eisenzeit und auch in der römischen Epoche als gut geschützter Siedlungsraum geschätzt und genutzt worden ist. Für das Mittelalter blieben die Zeugnisse bisher dürftig, sieht man von der Kirche St. Peter und dem romanischen Turm auf dem Kirchhügel ab. Ein Bauvorhaben an der Via Nova hat nun auch zu dieser Zeit neue, wertvolle Puzzleteile erbracht. Auf dem Grundstück des Abbruchobjektes, einem Wohnhaus mit Stall, sind in den vergangenen Wochen auf engstem Raum über hundert Körpergräber von Erwachsenen, Kindern und Säuglingen aufgedeckt worden. Mehrfache Überlagerungen belegen, dass an diesem Ort über einen langen Zeitraum bestattet worden ist. Die meisten Toten sind mit Blick nach Osten begraben worden. Dies belegt neben dem Fehlen von Beigaben, dass es sich um Gräber einer christlichen Dorfgemeinschaft handelt. In den Grabgruben der oberen Lagen weisen eiserne Nägel auf die Beisetzungen in Särgen hin, die ältesten Bestattungen zeichnen sich durch die sorgfältige Einfassung mit Steinen aus.

Die Entdeckung des Friedhofes ist bei der Emser Bevölkerung auf grosses Interesse gestossen, die Frage nach dem Alter dieser Gräber hat nicht nur den Archäologischen Dienst beschäftigt. Dank der grosszügigen Unterstützung durch die Bürgergemeinde konnte bereits an einem Skelett aus der mittleren Lage eine erste Altersbestimmung mittels Radiokarbondatierung durchgeführt werden. Gemäss den Ergebnissen der ETH Zürich hat der Bestattete im 12. Jahrhundert gelebt. Für die untersten Gräber ist damit noch eine deutlich frühere Datierung anzunehmen. Der Archäologische Dienst geht davon aus, dass der Friedhof zur Kirche S. Magdalena gehört, die urkundlich schon im 9. Jahrhundert erwähnt wird. Gemäss historischen Quellen wurde sie beim Bau der Dorfkirche Mariä Himmelfahrt im 18. Jahrhundert abgebrochen, der genaue Standort ist bisher allerdings nicht bekannt.
Nun folgende anthropologische Untersuchungen werden wertvolle Informationen (Lebenszeit, Sterbealter, Geschlecht, körperliche Verfassung, Ernährung, Krankheiten) der mittelalterlichen Bevölkerung in Ems ermöglichen. Zusammen mit der Auswertung und Publikation der archäologischen Ergebnisse wird die Emser Dorfgeschichte damit um ein weiteres Kapitel reicher sein.