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Zizers, Schlossbungert – Ein karolingisch-ottonischer Königshof



Im Zuge einer geplanten Neuüberbauung der Flur Schlossbungert in der Gemeinde Zizers wurden in den vergangenen Jahren durch den Archäologischen Dienst Graubünden einzigartige Gebäudereste aus dem 8.-10. Jahrhundert untersucht. Die bei Tiefensondagen 2003 erstmals entdeckten und in weiterer Folge grossflächig frei gelegten früh- bzw. hochmittelalterlichen Ruinen können mit dem schriftlich erwähnten Königshof von Otto I. (912-973) identifiziert werden, den der deutsche Kaiser im Jahre 955 dem Churer Bischof Hartpert schenkte. Beim mindestens 25 x 13 m messenden Bau handelt es sich damit erst um den zweiten, archäologisch nachgewiesenen Königshof der Schweiz. Die baulichen Spuren reichen jedoch mindestens zwei Jahrhunderte weiter zurück. Der prunkvolle Hof, in dem der Kaiser und sein Gefolge auf den beschwerlichen Dienstreisen durch das Reich auf dem Weg nach Italien Halt machte, wurde bereits zur Zeit Karls des Grossen errichtet. Wie die archäologischen Untersuchungen ergaben, blieb das Gebäude bis zur Schenkung im 10. Jahrhundert nicht in der ursprünglichen Form erhalten. Nach einem Brandereignis im 9. Jahrhundert folgen wiederholt Umbauten im Innern, die riesige Halle wird durch Binnenmauern und Feuerstellen in Wohn-, Küchen- und Vorratseinheiten unterteilt. Im 11./12. Jahrhundert ist das Gebäude so baufällig, dass es aufgegeben bzw. dessen Innenraum als Friedhof der Kirche/Kapelle benutzt wird.

Die diesjährige, abschliessende Grabungskampagne hat zum Ziel, verschiedene offene Details zum Bauablauf und der inneren Chronologie und Stratigraphie einzelner Befunde zu klären. In Kooperation mit der Universität Bern werden zudem im Juni geophysikalische Prospektionsmethoden (Geophysik/-magnetik/-elektrik) eingesetzt, um die benachbarten, noch unbebauten Grundparzellen sowie Teile des Friedhofs- bzw. Kirchenareals zerstörungsfrei nach weiteren archäologischen Strukturen zu untersuchen. Gleichzeitig werden in Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde Zizers sowie der evangelischen Kirchgemeinde und weiteren Partnern erste planerische und gestalterische Schritte unternommen für die konservatorische Sicherung und Erhaltung, Wiedereindeckung und Visualisierung des einmaligen Bodendenkmals in den Jahren 2012/13.