Ein Abend für Mariella Mehr - Buchpräsentation mit Lesung und Musik

Am Donnerstag, 14. Dezember 2017, findet um 18:00 Uhr in der Kantonsbibliothek Graubünden eine Veranstaltung zum Werk von Mariella Mehr statt. Die Herausgeberinnen Christa Baumberger und Nina Debrunner stellen den neu erschienen Band «Widerworte» vor. Ursina Hartmann liest Texte von Mariella Mehr und der Schwyzerörgeli-Virtuose Marcel Oetiker gibt dem Abend einen musikalischen Rahmen.

«Ich tauge nicht für’s moderate Schreiben», sagt Mariella Mehr. Wie wahr! Denn, so streitbar, angriffig und zugleich sprachsensibel ist kaum eine andere Schweizer Autorin. Als Journalistin beteiligte sie sich massgeblich an der Aufarbeitung der Pro-Juventute-Aktion Kinder der Landstrasse», als Jenische kämpfte sie für die Anliegen der Fahrenden und als Reporterin und Schriftstellerin beleuchtete sie die Ränder der Gesellschaft. Ihre Texte beschäftigen sich mit Gewalt in all ihren Ausprägungen und zeugen von einer ganz eigenen Sprachkraft.

Neuerscheinung und Neuauflage mit grosser Aktualität

Anlässlich ihres 70. Geburtstages erscheinen zwei Titel im Limmatverlag. Der von Christa Baumberger und Nina Debrunner herausgegebene Band «Widerworte» versammelt zum Teil unveröffentlichte Kurzprosa, publizistische Texte und Gedichte von Mariella Mehr sowie Essays ausgewählter Autorinnen, Literaturwissenschaftlerinnen und Kritiker. Mariella Mehr wird in all ihren Facetten sichtbar: als streitbare Publizistin ebenso wie als sensible Literatin mit einem feinen Gespür für sprachliche Zwischentöne.

Die drei Romane «Daskind», «Brandzauber» und «Angeklagt», die in ihrer Radikalität in der Schweizer Literatur einzigartig sind, werden neu als Romantrilogie in einem Band herausgegeben. Erstmals erschienen zwischen 1995 und 2002, verhandeln sie die existenzielle Dimension der Gewalt. Mariella Mehrs Erzählkunst ist von einer archaischen Kraft, die auch in der Sprache spürbar wird. Dabei haben ihre Werke nichts von ihrer Aktualität eingebüsst: Im Kontext der laufenden Aufarbeitung der Geschichte der Fremdplatzierungen und Zwangsmassnahmen in der Schweiz sind sie hochaktuell. Besonders im Kanton Graubünden, wo sich die Regierung erst kürzlich im Rahmen eines Gedenkanlasses bei den Opfern fürsorgerischer Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen entschuldigt hat. Brisant ist aber auch das Thema der Gewalt gegen «Andersartige» und der problematische Umgang mit Aussenseitern.

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Eintritt frei. Ohne Anmeldung.

Foto: Ayse Yavas