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Baulärm

Aufgrund der grossen Variabilität der Baugeräusche hat der Gesetzgeber für Baulärm keine Belastungsgrenzwerte festgelegt. Zur Begrenzung des Baulärms hat das BAFU jedoch die Baulärm-Richtlinie über bauliche und betriebliche Massnahmen erlassen, wie dies Art. 6 LSV verlangt. Die Richtlinie ist anwendbar für die Begrenzung von Baulärm gegenüber Räumen mit lärmempfindlicher Nutzung. Die Baulärm-Richtlinie zeigt, wie die Art. 11 und 12 USG (Emissionsbegrenzungen) bei Baustellen konkret anzuwenden sind. Kommunale Baubehörden können davon ausgehen, dass sie das Bundesrecht richtig anwenden, wenn sie sich an die Richtlinie halten.

Prüfung Baugesuch bezüglich Baustellenlärm

  • In einem ersten Schritt muss die kommunale Baubehörde abklären, ob Lärmschutz-Massnahmen auf der Baustelle nötig sind. Die Prüfung erfolgt anhand der Tabelle 2.2 auf Seite 14 der Baulärm-Richtlinie
  • Kommt die kommunale Baubehörde zum Ergebnis, dass Lärmschutzmassnahmen nötig sind, so muss sie die Lärmempfindlichkeitsstufe ermitteln (siehe Tabelle 2.3 auf Seite 14 der Baulärm-Richtlinie)
  • Als nächsten Schritt muss die Baubehörde die Massnahmenstufe für lärmintensive Bauarbeiten (A, B oder C) ermitteln (Tabelle 2.4 auf Seite 14 der Baulärm-Richtlinie)
  • Bei Baustellentransporten ist die Massnahmenstufe anhand der Tabellen 2.5 und 2.6 auf Seite 15/16 der Baulärm-Richtlinie zu ermitteln.
  • In den meisten Fällen sind die Gebiete in der Umgebung der Baustelle den Lärmempfindlichkeitsstufen II oder III zugeordnet. Dann kann die Feststellung der Massnahmenstufe auch mit dem "Schema zur Festlegung der Massnahmenstufe" erfolgen.
  • Anhand der Massnahmenstufe muss die Baubehörde die zu treffenden Massnahmen festlegen. Die Baubehörde kann vom Baugesuchsteller den Nachweis der geplanten Massnahmen verlangen.

Aufnahme von Lärmschutzmassnahmen in die Baubewilligung

Die folgenden, besonders relevanten Massnahmen der Baulärm-Richtlinie werden als Auflagen in die Baubewilligung aufgenommen (die Nummerierung bezieht sich auf die Massnahmen der Baulärm-Richtlinie, S. 17-22):

Bei allen Stufen (A, B und C)

  • Pflicht zur vorgängigen Information der Anlieger der Baustelle (Massnahme 3.2.1.3)
  • Auflagen über die einzuhaltenden Ruhezeiten über Mittag und nachts (Massnahme 3.1.4.1)
  • Pflicht zur Nutzung natürlicher Hindernisse als Lärmschutz (Massnahmen 3.2.2.5 und 3.2.2.6)
  • Auf die konkreten Verhältnisse zugeschnittene Auswahl betreffend Bauweise und Arbeitsvorbereitung (Massnahmengruppen 3.1.2 und 3.2.2) oder zusammenfassende Auflage, lärmarme Bauweisen und -verfahren zu wählen
 

Bei felsigem Untergrund (meist Stufen B und C) zusätzlich:

  • Dämpfungsmassnahmen bei Rammarbeiten oder alternative Verfahren vorschreiben (Massnahmen 3.1.2.1 und 3.1.2.2)
 

Bei Massnahmenstufe B zusätzlich:

  • Kapselung von Kreissägen, Trennscheiben oder gleichwertige Ersatzmassnahmen (Massnahme 3.1.6.4)
  • Auf die konkreten Verhältnisse zugeschnittene provisorische Abschirmungen der Anwohner (Massnahme 3.1.5.1)
  • Falls in der konkreten Situation sinnvoll: Zeitbeschränkung auf 8 Stunden pro Tag (Massnahme 3.1.4.2)
  • Situationsbezogen Geräte mit Elektromotor statt Verbrennungsmotor vorschreiben (Massnahme 3.1.6.5)
 

Bei Massnahmenstufe C zusätzlich:

  • Kapselung von Kreissägen, Trennscheiben oder gleichwertige Ersatzmassnahmen (Massnahme 3.1.6.4)
  • Auf die konkreten Verhältnisse zugeschnittene provisorische Abschirmungen der Anwohner (Massnahme 3.1.5.1) oder Schallschutzfenster (Massnahme 3.1.5.2)
  • Falls in der konkreten Situation sinnvoll: Zeitbeschränkung auf 7 Stunden pro Tag oder weniger (Massnahme 3.1.4.4)
  • Situationsbezogen Geräte mit Elektromotor statt Verbrennungsmotor vorschreiben (Massnahme 3.1.6.5)

Die verschiedenen Massnahmen sind in "Baulärm-Richtlinie: Übersicht über die Massnahmen der Stufen A bis C" dargestellt.

Durchführung Baustellenkontrollen

Während der Bauphase müssen Baustellenkontrollen durchgeführt werden. Es ist sicherzustellen, dass die in der Baubewilligung angeordneten Massnahmen (Auflagen) eingehalten werden.

Vorgehen bei Reklamationen

Reklamieren die Anlieger einer Baustelle über übermässigen Lärm, hat die Baubehörde zu prüfen, ob die nötigen Lärmschutz-Massnahmen gemäss Baulärm-Richtlinie auf der Baustelle durchgeführt werden. Ist dies der Fall, haben die verbleibenden Immissionen in der Regel ein Ausmass, das bei einer Baustelle zu dulden ist. Die Reklamation ist in einem solchen Fall nicht gerechtfertigt.

Ergibt die Baustellenkontrolle, dass die Reklamation auf das Nicht-Einhalten von Massnahmen der Baulärm-Richtlinie zurückzuführen ist, muss die Baubehörde dafür sorgen, dass die Massnahmen innert nützlicher Frist getroffen werden. In besonders krassen Fällen kann die Baubehörde verlangen, dass die Bauarbeiten eingestellt werden, bis die nötigen Massnahmen getroffen sind.