Flechten

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Baumflechten reagieren äusserst empfindlich auf Luftschadstoffe. Ihr Vorkommen und Häufigkeit ist ein verlässlicher Anzeiger für die Luftqualität, welche als Luftgütekarte dargestellt wird. Die periodische Erhebung der Flechtenvielfalt im Kanton Graubünden zeigt seit 1986 den Erfolg der lufthygienischen Massnahmen. Heute ist die Luft in den Zentren von Chur und Landquart viel besser als vor 25 Jahren. Die Luftqualität zwischen den Ortschaften und entlang der Verkehrsachsen im Bündner Rheintal und im Misox hat sich hingegen verschlechtert.

Flechten mögen gute Luftqualität

Baumflechten haben eine Eigenschaft, die sie gegenüber anderen Lebewesen auszeichnet, sie reagieren äusserst empfindlich auf Schadstoffe in der Luft. Das macht sie interessant als einfache, aber verlässliche Anzeiger für die Luftqualität. Mittels einer standardisierten Methode wird das Vorkommen und die Häufigkeit einzelner Flechtenarten erfasst und in einer so genannten Luftgütekarte dargestellt. Wo Baumflechten nur in kleiner Zahl und Artenvielfalt auftreten, ist davon auszugehen, dass die Grenzwerte der Luftreinhalte-Verordnung bei mehreren Schadstoffen deutlich überschritten werden. Die Kartierung der Flechten erlaubt damit zuverlässige Rückschlüsse auf die örtliche Luftqualität. Mit technischen Messungen wären vergleichbare Aussagen nur mit grossem Aufwand möglich.

Verschiedene Quellen – vor allem der Verkehr, aber auch die Industrie, das Gewerbe, die Heizungen und die Landwirtschaft – tragen zur Belastung der Luft mit Schadstoffen bei. Die Luftgütekarte zeigt ein Gesamtbild der Luftbelastung, die auf Menschen, Tiere und Pflanzen einwirkt. Sie unterscheidet jedoch nicht zwischen der Herkunft und der Quelle der Luftschadstoffe.

Im Kanton Graubünden wird im Rheintal und Misox seit 1986 periodisch die Flechtenvielfalt und deren Häufigkeit erhoben und damit eine Luftgütekarte erstellt.

Heute ist die Luft in den Zentren von Chur und Landquart viel besser als vor 25 Jahren. Feuerungen wurden saniert, ein Verkehrsfahrzeug stösst heute bedeutend weniger Schadstoffe aus als früher. Umfahrungsstrassen wurden gebaut, Industrien wie die Ziegelei und die Papierfabrik in Landquart wurden lufthygienisch saniert.

Die Luftqualität zwischen den Ortschaften und entlang der Verkehrsachsen im Bündner Rheintal hat sich hingegen verschlechtert. Die Siedlungsfläche hat im Bündner Rheintal in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. In Maienfeld entstand bei der Autobahn Ausfahrt A13 eine Industriezone. Die Industriezone bei Untervaz/Trimmis ist gewachsen. Kleinere Ortschaften wie Igis, Zizers, Trimmis und Domat/Ems haben sich ausgebreitet. In der Stadt Chur hat die verbaute Wohnfläche zugenommen und die Industriezone hat sich vergrössert. Auf dem Gemeindegebiet Domat/Ems bei der Abzweigung nach Felsberg hat sich eine Industriezone entwickelt. In Umgebung des Werkplatzes der EMS-CHEMIE AG haben sich weitere Industriezweige angesiedelt. Das Verkehrsaufkommen auf der A13 und den Kantonsstrassen hat sich nahezu verdoppelt.

Im unteren Misox, zwischen Roveredo und San Vittore, ist die Luftbelastung nach wie vor hoch und hat sich im Vergleich zu den 90er Jahre gebietsweise sogar verschlechtert. Die Ausdehnung der Ortschaften, das erhöhte Verkehrsaufkommen und viele kleine Holzfeuerungen tragen, zusammen mit einer schlechten Ausbreitung im engen Tal, dazu bei. Aber auch entlang der A13 hat sich in Talbodennähe die Luftqualität in den letzten Jahren nicht wesentlich verbessert.

Dokumente

KurzformTitelDatumTyp
ANU-409-40dFlechten Bündner Rheintal 1986-2011 Kurzfassung 28.10.2013
ANU-409-41dFlechten Karte Rheintal 201128.10.2013
ANU-409-42dFlechten Misox 1991-2012 Kurzfassung 31.01.2014
ANU-409-43dFlechten Karte Rheintal 201131.01.2014