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Auen

Auengebiet

Auengebiete sind aussergewöhnliche Ökosysteme, in denen die Dynamik des Wassers Lebensmöglichkeiten für eine unvergleichlich grosse Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten schafft. Allerdings gibt es nur noch in höheren Lagen Auen, die in ihrer Funktionsfähigkeit weitgehend uneingeschränkt sind. In der Summe haben die verschiedenen Nutzungen zu weitgehenden Einschränkungen bzw. Verlusten der Naturnähe der Auen auch in Graubünden geführt. 

Was sind Auen?

Der Begriff „Aue“ stammt vom Althochdeutschen „Auwia“ oder „Ouwa“ und bedeutet so viel wie Land am Wasser, nasse Wiese, Insel. Auen stehen in engem Kontakt zu Fliessgewässern. Unterschieden wird zwischen den Tieflandauen - Flussauen, Deltas und Seeauen - sowie den alpinen Auen - Gletschervorfelder und alpine Schwemmebenen. Intakte Auen sind dynamische Lebensräume, die periodisch oder episodisch von Wasser überflutet werden und in denen das Grundwasser zeitweise die Wurzeln der Pflanzen erreicht. Zudem spielen Erosion und Ablagerung in diesen Lebensräumen eine grosse Rolle. Die Vegetation wird durch Neubesiedlung, Alterung und das räumliche Nebeneinander verschiedener Entwicklungsstadien geprägt. Auen sind die artenreichsten Lebensräume in Graubünden. Zu den grössten Kostbarkeiten gehört der Kleine Rohrkolben. Als Kehrseite der Dynamik ist in keinem anderen Lebensraumtyp die Artenvielfalt durch Neobiotopa derart stark gefährdet, wie in Auen.

Im Kanton Graubünden gibt es gegenwärtig 27 Auen von nationaler Bedeutung. In den wenigsten Auen funktioniert die Dynamik ungehindert. An diversen Flüssen wurden deshalb Revitalisierungsprojekte realisiert, so am Rhein (Chur, Felsberg), am Hinterrhein (Nufenen), am Inn (Bever, Tschlin, Zuoz), am Rom (Müstair), an der Moësa (Mesocco, Lostallo, Grono) und an der Calancasca (Cauco).

Wie sind Auen geschützt?

Für den Schutz der Auen hat der Bundesrat eine eigene Verordnung erlassen. Diese Verordnung gilt zwar unmittelbar nur für Auenobjekte von nationaler Bedeutung. Die materiellen Vorschriften stellen aber einen generellen Massstab für den Auenschutz dar. Beim Vollzug der Auenverordnung geht es darum, die Auengebiete zu schützen und ungeschmälert zu erhalten. Dabei sollen die auentypischen einheimischen Pflanzen und Tiere, deren Lebensräume, die natürliche Dynamik des Gewässers sowie die geomorphologische Eigenart erhalten und gefördert werden.

Es ist die Aufgabe der Kantone, dafür zu sorgen, dass Pläne und Vorschriften für die zulässige Nutzung eines Gebiets der Verordnung entsprechen. Bestehende Nutzungen dürfen den Schutzzielen nicht zuwider laufen. Seltene und gefährdete Pflanzen- und Tierarten sind gezielt zu fördern.

Lässt sich eine Beeinträchtigung von Auen durch technische Eingriffe unter Abwägung aller Interessen nicht vermeiden, wird der/die Verursachende von der zuständigen Behörde im massgeblichen Verfahren verpflichtet, für angemessenen Ersatz zu sorgen (Art. 18 Abs. 1ter NHG). Einen qualifizierten Schutz geniesst die Ufervegetation. Für die Entfernung oder Beeinträchtigung von Ufervegetation ist eine spezielle Bewilligung erforderlich.

Neue Hoffnungen für Auen?

Die auf den 1. Januar 2011 in Kraft gesetzte Änderung des Bundesgesetzes über den Schutz der Gewässer vom 24. Januar 1991 (Gewässerschutzgesetz; GSchG; SR 814.20) verlangt von den Kantonen, für die Revitalisierung von Gewässern zu sorgen und hierzu eine Revitalisierungsplanung mit einem Zeitplan zu erstellen. Der Kanton Graubünden hat „seine“ Revitalisierungsplanung fristgerecht erstellt. Dank verschiedener Leuchtturm-Projekte erkennen immer mehr Gemeinden die Bedeutung von Revitalisierungen auch als Standortfaktor. Das Interesse der Gemeinden an Revitalisierungsprojekten übersteigt bereits zunehmend die verfügbaren Mittel.