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Berufswahl in Graubünden

Keine Differenz ist so mächtig wie die Unterscheidung der Geschlechter. Daran orientieren wir uns. Schon sehr früh wissen Kinder, wie Mädchen und Buben auszusehen haben und welche Spiele für sie angemessen sind. Und später, welche Fächer für sie Priorität haben und welcher Beruf gewählt werden darf.

Die gesellschaftlichen Erwartungen verhindern eine freie Entwicklung der Fähigkeiten und schränkt die Chancengleichheit in der Berufswahl ein. Wir wissen heute, dass Männer und Frauen grundsätzlich die gleichen Fähigkeiten haben. Doch die begabten Mathematikerinnen und die einfühlsamen Vielleser bleiben allzu oft auf der Strecke.

Junge Frauen wählen in Graubünden mehrheitlich Gesundheits- und Dienstleistungsberufe oder sie studieren Geistes- und Sozialwissenschaften. Sie denken bereits beim Berufseinstieg an die spätere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Junge Männer wählen mehrheitlich technisch-gewerbliche Berufe oder studieren IT- oder Ingenieurswissenschaften. Für sie stehen Lohn und Karriere an erster Stelle.

Berufswahl

Top 20 der Frauen 2015 (GR) : KV, Gesundheit, Assistentinnen, immer mehr Malerinnen und Landwirtinnen

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Die weitaus beliebteste Ausbildung bei den Frauen ist auch 2015 das KV. Berufe im Bereich Gesundheit und Detailhandel sowie Coiffeuse werden ebenfalls häufig gewählt. 60% der jungen Frauen beschränken sich auf 6 Berufe. Doch die Frauen werden mutiger: Seit 2011 lass sich mehr Frauen als Männer zur Malerin ausbilden. Veränderungen sind also möglich.

 

Top 20 der Männer 2015 (GR): KV, Technik, Handwerk, Landwirtschaft

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Bei den jungen Männern ist das Berufsspektrum grösser. 60% lassen sich in 18 verschiedenen Berufen ausbilden. Auch bei ihnen ist das KV sehr beliebt. Es folgen Lehren im handwerklich-technischem Bereich. Sie wählen aber traditioneller als die jungen Frauen. Gerade mal 8 junge Männer entschieden sich 2014 für einen atypischen Beruf.

Zahlen und Fakten zur Berufswahl in Graubünden

Nachteile einer stereotypen Berufswahl:

  • Lehrstellen sind in den geschlechtsspezifischen Berufen schwieriger zu finden, während die Auswahl in anderen Berufsfeldern vielfältiger ist.
  • Typische Frauenberufe sind oft schlechter bezahlt und bieten weniger Karrierechancen.
  • In typischen Männerberufen ist die Leistungsorientierung hoch und Teilzeitpensen rar.

Die wirtschaftlichen Konsequenzen dieser Teilung zeigen sich für beide Geschlechter in ihren beruflichen und persönlichen Lebensläufen, besonders schmerzhaft bei Scheidungen oder Verarmung (vor allem von Frauen im Pensionsalter).

Vorteile einer offenen Berufswahl:

  • Der gewählte Beruf entspricht eher den wirklichen Fähigkeiten und Begabungen.
  • Leistung und Motivation sind weitaus höher.
  • Lehrabbrüche sind seltener.
  • Lohn und Karrieremöglichkeiten sind besser.

Schule und Berufsberatung können entgegenwirken

Der Schule und der Berufsberatung kommt eine zentrale Bedeutung zu. Mit einer sensibilisierten Haltung in Bezug auf die Geschlechterstereotypen können unbewusste Anpassungsmuster der Schülerinnen und Schüler durchbrochen werden. So wird den Jugendlichen klar, dass ihre Berufsmöglichkeiten viel grösser sind, als viele meinen.