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Anfrage Kollegger betreffend direkte Zugsverbindungen vom Flughafen Zürich nach Chur

Session: 29.08.2014
In der Februarsession 2008 wurde die Regierung mit 103 zu 0 Stimmen beauftragt, sich einerseits für schnellere Zugsverbindungen zwischen Chur und Zürich einzusetzen sowie andererseits auch dafür, dass es künftig direkte Zugsverbindungen zwischen Graubünden und dem Flughafen Zürich-Kloten gibt (Auftrag Kunz betreffend Zugsverbindung Chur - Zürich und direkte Zugsverbindung Chur - Zürich-Flughafen, Wortlaut Oktoberprotokoll 2007, S. 221). Ersteres konnte sukzessive verbessert werden, auch wenn die Fahrzeiten der schnellsten Verbindungen noch deutlich über einer Stunde liegen. Letzteres lässt nach wie vor auf sich warten. Graubünden ist damit die einzige und zugleich grösste Tourismusdestination der Schweiz, die keine direkte Bahnverbindung zum interkontinentalen Flughafen Zürich besitzt. Es nützt auch relativ wenig, wenn die Züge vom Flughafen und diejenigen nach Chur in Zürich auf dem gleichen Perron ankommen/abgehen, denn die meisten der mit dem Zug anreisenden Gäste müssen - meist mit viel und schwerem Gepäck - schon in Landquart oder dann in Chur von der SBB auf die RhB umsteigen. Betreffend die Bedeutung einer guten Anbindung an das nationale und internationale Verkehrsnetz für einen attraktiven Tourismus-, Wirtschafts- und Wohnstandort Graubünden wird auf die in der Februarsession 2008 geführte Debatte verwiesen.

Die Unterzeichnenden bitten die Regierung um Beantwortung folgender Fragen:

Verfolgt die Regierung den betreffenden Auftrag noch? Wenn ja, was ist der aktuelle Stand? Wenn nein, weshalb nicht?

Chur, 29. August 2014

Kollegger, Kunz (Chur), Peyer, Alig, Buchli-Mannhart, Burkhardt, Caduff, Casty, Cavegn, Caviezel (Davos Clavadel), Clavadetscher, Danuser, Deplazes, Engler, Felix (Haldenstein), Felix (Scuol), Giacomelli, Grass, Gunzinger, Hardegger, Hartmann, Heiz, Hitz-Rusch, Holzinger-Loretz, Hug, Jeker, Jenny, Kasper, Komminoth-Elmer, Kunz (Fläsch), Lorez-Meuli, Mani-Heldstab, Michael (Donat), Müller, Niggli (Samedan), Niggli-Mathis (Grüsch), Papa, Pedrini, Pfäffli, Schutz, Steck-Rauch, Steiger, Stiffler (Davos Platz), Stiffler (Chur), Thomann-Frank, Toutsch, Troncana-Sauer, Valär, Vetsch (Klosters Dorf), Vetsch (Pragg-Jenaz), Waidacher, Weidmann, Widmer-Spreiter, Wieland

Antwort der Regierung

Im Oktober 2007 reichte Grossrat Kunz einen Auftrag ein, in welchem er eine direkte umsteigefreie Verbindung Chur – Zürich Flughafen und eine schnellere Zugsverbindung zwischen Chur und Zürich von unter einer Stunde verlangte (GRP 2007 / 2008, S. 221). Die Regierung erklärte sich bereit, den Auftrag unter bestimmten einschränkenden Bedingungen entgegenzunehmen. Der Grosse Rat überwies den Auftrag im Sinne der schriftlichen Ausführungen der Regierung mit 103 zu 0 Stimmen (GRP 2007/2008, S. 504, 554).

Hinsichtlich der geforderten umsteigefreien Verbindung von Chur zum Flughafen-Zürich hat die Regierung bereits damals ausgeführt, dass dessen Realisierung angesichts der beschränkten Kapazitäten im Knoten Zürich sehr schwierig sei. Die Variante via Zürcher Oberland mit einem Neubau der Strecke Schmerikon – Rüti werde von den Standortkantonen St.Gallen und Zürich abgelehnt. Unter diesen Gegebenheiten bleibe vorläufig nur die Forderung an die SBB, in Zürich Hauptbahnhof ein Umsteigen am gleichen Perron vom IC Chur – Zürich zu einem Flughafenzug zu ermöglichen.

Im Rahmen der Botschaft der Regierung an den Grossen Rat betreffend die Planung neuer Verkehrsverbindungen (Heft Nr. 12 / 2012 – 2013) wurden mögliche Lösungen für eine Beschleunigung Zürich – Chur ausgehend von einem IC-Halbstundentakt (Basel –) Zürich – Sargans – Landquart – Chur geprüft. Im Zentrum der Untersuchungen stand insbesondere der Ansatz, die Reisezeit von und nach Zürich auf weniger als eine Stunde zu reduzieren. Das Projekt Beschleunigung SBB-Strecke Zürich – Chur wurde von der Regierung der höchsten Prioritätskategorie (A-Projekte, die weiter zu prüfen sind) zugewiesen.

Die Fragen können wie folgt beantwortet werden:

1. Die Regierung verfolgt die Forderungen des Auftrags Kunz weiterhin, da es sich dabei um ein zentrales Anliegen für Graubünden als attraktiver Wohn-, Arbeits- und Tourismuskanton handelt.

2. Graubünden ist neben dem Tessin die einzige grosse Tourismusdestination ohne direkte Anbindung an den Flughafen Zürich. Bund, Kanton und SBB sind sich der Bedeutung einer bestmöglichen Anbindung Graubündens an den Flughafen Zürich bewusst. Der Kanton Graubünden hat im Jahr 2012 verschiedene technische Möglichkeiten einer umsteigefreien Verbindung zum Flughafen Zürich prüfen lassen und die Umsetzung verschiedener Varianten mit SBB und dem Bundesamt für Verkehr (BAV) besprochen. Eine Lösung ist, trotz der inzwischen ausgebauten Durchmesserlinie im Bahnhof Zürich, wegen der hohen Zugdichte in Zürich Flughafen aber leider immer noch nicht in Sicht. Der Bedarf einer Direktverbindung von Graubünden nach Zürich-Flughafen wird sowohl von den SBB als auch vom BAV erkannt und wird entsprechend in die Projekte der nächsten Ausbauschritte aufgenommen.

In den letzten Jahren wurden mit den SBB und dem BAV intensive Verhandlungen geführt, um Graubünden besser an das nationale Schienennetz anzubinden. Insbesondere bei der schnellen InterCity-Verbindung zwischen Chur und Zürich konnten wichtige Fortschritte erzielt werden. Seit dem 15. Juni 2014 verkehren zusätzliche InterCity Züge, welche alle zwei Stunden einen Halbstundentakt ermöglichen. Dieser soll bis spätestens 2022 zu einem integralen Halbstundentakt ausgebaut werden. Vorbereitet ist auch die Verlängerung der ICE-Hochgeschwindigkeitszüge von Hamburg und Frankfurt direkt nach Chur im Dezember 2015. Die Verbindung nach St. Gallen wurde bereits im Dezember 2013 beschleunigt und soll im Rahmen von FABI ebenfalls zum Halbstundentakt verdichtet werden.

23. Oktober 2014