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Anfrage Thöny betreffend Freiwilligenarbeit in den Gemeinden

Session: 22.10.2014
Benevol als Fach- und Vermittlungsstelle für Freiwilligenarbeit in Graubünden hat in den letzten Jahren vieles unternommen, um die Bevölkerung für die Freiwilligenarbeit zu sensibilisieren.

In diesem Jahr ist ein Leitfaden über die Freiwilligenarbeit in der Gemeinde erschienen. Er wurde von der HTW Chur in Zusammenarbeit mit der Europäischen Akademie Bozen (EURAC research) und Apollis – Institut für Sozialforschung und Demoskopie, Bozen erarbeitet. Er soll weiter für das Thema Freiwilligenarbeit sensibilisieren und die kommunale Ebene in den Mittelpunkt stellen.

Der Leitfaden zeigt auf, dass der Kanton die idealen Rahmenbedingungen mittels Sensibilisierung, Anerkennung, Unterstützung und gesetzlicher Verankerung für die Freiwilligenarbeit schaffen soll. Die Gemeinden ihrerseits sind vor allem in der Koordination und Aktivierung die zentralen Akteure. Folgende Handlungsempfehlungen werden im Leitfaden aufgeführt: Gemeinden sollen das Thema Freiwilligenarbeit sichtbar machen, Anerkennung leisten, Akteure anwerben und vernetzen, Freiwillige und Organisationen unterstützen, Öffentlichkeitsarbeit leisten, eigene Projekte initiieren und eine freiwilligenfreundliche Personalpolitik gestalten. Es wäre interessant zu erfahren, ob dieses Bewusstsein in den Bündner Gemeinden im gewünschten Mass vorhanden ist. Wenn man die Mitgliedschaft der Gemeinden bei Benevol als Indikator heranzieht, dann besteht Handlungsbedarf. Zählt doch Benevol zur Zeit nur eine Gemeinde zu ihren Mitgliedern.

Die Unterzeichnenden stellen der Regierung folgende Fragen:

1. Was braucht es, damit die Gemeinden die soziale, sportliche und kulturelle Bedeutung der Freiwilligenarbeit vermehrt erkennen und aktiver werden?

2. Ist die Regierung bereit, wie im Leitfaden vorgeschlagen, eine Bestandsaufnahme der Gemeinden zu machen, die aufzeigt, wie diese in der aktiven Ausgestaltung der Freiwilligenarbeit unterwegs sind?

3. Sieht die Regierung schon heute in einzelnen Handlungsbereichen einen besonderen Handlungsbedarf zur Förderung der Freiwilligenarbeit?

Chur, 22. Oktober 2014

Thöny, Hardegger, Cavegn, Atanes, Baselgia-Brunner, Berther, Blumenthal, Brandenburger, Bucher-Brini, Buchli-Mannhart, Caduff, Cahenzli-Philipp, Caviezel (Chur), Danuser, Darms-Landolt, Deplazes, Fasani, Felix (Scuol), Gartmann-Albin, Grass, Gunzinger, Hitz-Rusch, Holzinger-Loretz, Jaag, Kollegger, Kunfermann, Locher Benguerel, Lorez-Meuli, Mani-Heldstab, Mathis, Monigatti, Müller, Nay, Niederer, Niggli-Mathis (Grüsch), Noi-Togni, Papa, Pedrini, Perl, Peyer, Steck-Rauch, Thomann-Frank, von Ballmoos, Widmer-Spreiter, Candrian, Geisseler

Antwort der Regierung

Als Ergebnis des vom Kanton Graubünden finanziell unterstützten INTERREG-Projektes Italien-Schweiz 2007-2013 "Innovatives Ehrenamt zur Weiterentwicklung des gesellschaftlichen und kulturellen Erbes" ist Mitte 2014 ein Leitfaden über die Freiwilligenarbeit in der Gemeinde erschienen. Der Leitfaden richtet sich an die wichtigsten Interessengruppen und Akteure im Bereich der Freiwilligenarbeit auf lokaler Ebene. Freiwillige tragen zur Erhaltung und Weiterentwicklung des gesellschaftlichen und kulturellen Erbes sowie einer höheren Lebensqualität in den Gemeinden bei. Sie fördern die Integration und die Identifikation mit der Gemeinde und sind ein entscheidender Faktor für die nachhaltige Entwicklung einer Ortschaft. Sie erbringen und gewährleisten vielfältige soziale Dienstleistungen in einem Umfang, wie sie nie durch öffentliche oder staatliche Organe erbracht werden könnten. In politischer Hinsicht hat das Ehrenamt gerade im vom Milizprinzip geprägten Gemeindeführungsmodell eine besondere Relevanz. Die Freiwilligenarbeit ist auch im Bereich der landeskirchlichen Strukturen von grosser Bedeutung. Seit dem 1. Januar 2011 besteht zwischen dem kantonalen Sozialamt Graubünden und der Stiftung BENEVOL Graubünden eine Leistungsvereinbarung. Benevol Graubünden hat zum Ziel, die Gesellschaft und Organisationen für die Freiwilligenarbeit zu sensibilisieren und den Freiwilligen für ihre Tätigkeit Wertschätzung entgegenzubringen.

In der Aprilsession 2012 lehnte der Grosse Rat den Auftrag Kollegger (Chur) ab, der ein Anerkennungsprogramm für die Freiwilligenarbeit forderte. Praktisch eine gleichlautende Forderung wurde bereits im Jahre 2004 mit dem "Auftrag Feltscher betreffend Freiwilligenarbeit auszeichnen" gestellt und vom Grossen Rat in der Oktobersession 2004 abgelehnt. Gefordert wurde damals eine Anerkennung der Freiwilligenarbeit durch eine von der Regierung unterzeichnete Urkunde und eine entsprechende Kantonsstecknadel. Im Rahmen der Beantwortung des Vorstosses wies die Regierung darauf hin, dass im Bereich der Freiwilligenarbeit vieles in die Wege geleitet worden sei.

Den Voten bei beiden Vorstössen war zu entnehmen, dass man keine Ausdehnung der Administration und somit auch der Kosten wollte, dass die Definition der Freiwilligenarbeit Schwierigkeiten bereite und dass die Freiwilligenarbeit Sache der Vereine sei und nicht zu den Aufgaben von Amtsstellen gehöre. Für die Regierung treffen diese Argumente auch weiterhin zu.

Die Regierung beantwortet die Fragen wie folgt:

1. Wie der Leitfaden zu Recht festhält, sind bereits viele Gemeinden sehr aktiv und unterstützen die Freiwilligenarbeit in vielerlei Hinsicht. Koordinations- und Sensibilisierungsmassnahmen können das Bewusstsein über den Wert der Freiwilligenarbeit erhöhen. Der Leitfaden kann hier gute Hilfestellungen leisten. Das Amt für Gemeinden wird auf seiner Homepage und im Ginfo 2/2014 einen Hinweis auf die Bezugsquelle des Leitfadens bei der HTW Chur aufschalten.

2. Zur Förderung des Freiwilligenengagements ist die Thematisierung der Freiwilligenarbeit in der Politik im Rahmen von Parteiprogrammen oder Ähnlichem eine sinnvolle Massnahme. Im Leistungsbeschrieb mit der Stiftung Benevol wird ausdrücklich festgehalten, dass mit der Vereinbarung auch die Förderung und Anerkennung der Freiwilligenarbeit im Kanton Graubünden verbunden ist. Gemäss Leistungsvertrag werden im Weiteren Ziele definiert wie Vermittlung und Koordination, Bildung, Information und Anlaufstelle, Beratungen und Vernetzung. Nachdem ein solcher Leistungsauftrag an die Fachorganisation Benevol Graubünden erteilt worden ist, ist es für die Regierung wenig zielführend, wenn die kantonale Verwaltung selbst neue Aktivitäten in diesem Bereich entwickelt. Es liegt in vorrangigem Interesse der Stiftung Benevol, eine breite Finanzierungsbasis anzusprechen, die nebst den politischen Gemeinden z. B. die Bereiche Sport, Umwelt/Natur, Kultur oder Kirche umfasst.

3. Nein.

18. Dezember 2014