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Anfrage Tomaschett (Breil) betreffend „Ist der Tourismus in Graubünden genug digital?“

Session: 01.09.2017

Seit 2014 beobachtet das Walliser Tourismus Observatorium (WTO) das Phänomen Airbnb in der Schweiz. Mehrere Studien zeigen die immer bedeutender werdende Zunahme der Objekte und Betten auf der Airbnb-Plattform für die Schweiz. Mitte Januar 2017 waren in der Schweiz 24‘460 Objekte gegenüber 6033 im Oktober 2014 erfasst, was einer Zunahme von 305% entspricht. Parallel dazu nahm die Anzahl Betten von 20‘814 im Oktober 2014 auf 63‘839 Einheiten Mitte Januar 2017 zu.

Von allen Schweizer Kantonen ist das Wallis der Kanton, der am meisten Airbnb Objekte und Betten besitzt. Mit 4014 Objekten und 17‘876 Betten hat das Walliser Angebot diejenigen der Kantone Zürich und Genf überholt. Von 2014 bis 2017 kann man im Kanton Wallis ein Wachstum der Anzahl Objekte um 471% feststellen.

In demselben Zeitintervall verzeichneten auch andere Kantone eine Zunahme, aber eine viel geringere. So lag die Zunahme in Graubünden bei nur 79%. Dass Graubünden mit 7250 Betten trotzdem der Kanton ist, der nach dem Wallis, am zweitmeisten Airbnb Betten zählen kann, ist wenig überraschend. Der Unterschied zum Kanton Wallis ist jedoch frappant.

Graubünden hat natürlich – wie die anderen Kantone auch – eigene regionale Online-Plattformen über Tourismusorganisationen. Dazu kommt die Online-Plattform WarmesBett.ch, die im Jahre 2010 gegründet wurde und im 2016 bereits 13‘894 Logiernächte generieren konnte. Solche Bestrebungen sind sehr lobenswert und bestätigen die Nachfrage nach Online-Buchungsmöglichkeiten. Online-Buchungsplattformen mit Bildern zu den Objekten sind heute schlichtweg nicht wegzudenken. So muss es im Interesse eines jeden Kantons sein, mit einer breiten Palette an Wohnungen für potentielle Gäste im digitalen Markt auftreten zu können.

So darf die weltweite Entwicklung der Digitalisierung mit wenigen weltweit tätigen und bekannten Online-Buchungsplattformen wie Airbnb nicht ausser Acht gelassen werden. Ob wir diese gut finden oder nicht, sie entsprechen einer zunehmenden Nachfrage. Dieser Trend wird sich wohl in enormem Tempo weiterentwickeln und die Online-Buchungsplattformen werden laufend bekannter und beliebter in der Bevölkerung.

Wir bitten daher die Regierung um Beantwortung folgender Fragen:

1. Teilt die Regierung die Ansicht, dass die Online-Buchungsplattformen für unseren Tourismuskanton immer wichtiger werden und mit einer aktiven Bewirtschaftung dieser eine Win-Win-Win-Situation für Vermieter (wenig Aufwand), für den Gast (breite Angebotspalette und dadurch attraktivere Angebote) und für die Destinationen (mehr Gäste dank gutem Preis-/Leistungsverhältnis) entsteht?

2. Ist die Regierung der Meinung, dass unsere Tourismusdestinationen genug aktiv auf weltweit tätigen und bekannten Online-Buchungsplattformen wie Airbnb sind?

3. Sind unsere Wohnungsbesitzer nach Meinung der Regierung genügend über die heutigen einfachen und wenig aufwändigen Online-Vermietungsplattformen informiert oder braucht es hier eine Informationsoffensive?

Chur, 1. September 2017

Tomaschett (Breil), Engler, Grass, Albertin, Alig, Blumenthal, Bondolfi, Brandenburger, Caduff, Caluori, Casanova (Ilanz), Casty, Casutt-Derungs, Cavegn, Caviezel (Chur), Crameri, Darms-Landolt, Davaz, Dosch, Epp, Fasani, Felix (Scuol), Florin-Caluori, Gunzinger, Hitz-Rusch, Holzinger-Loretz, Jeker, Kollegger, Kunfermann, Kunz (Fläsch), Lamprecht, Lorez-Meuli, Michael (Donat), Niggli-Mathis (Grüsch), Papa, Pedrini, Salis, Sax, Schneider, Stiffler (Davos Platz), von Ballmoos, Waidacher, Weber, Widmer-Spreiter, Wieland, Zanetti, Berther (Segnas), Cajacob, Gujan-Dönier, Natter, Schmid, Sigron, Wellig

Antwort der Regierung

Die Digitalisierung des globalen Reisegeschäfts prägt die Tourismuswirtschaft stark. Auch der Bündner Tourismus ist davon betroffen, dass neue Technologien und digitale Möglichkeiten den Markt erfassen und herkömmliche Geschäftsmodelle in Frage stellen. Die Digitalisierung ist für den Bündner Tourismus eine Chance und es gilt, Vorteile des digitalen Wandels entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu nutzen.

Eine umfassende Antwort auf die kurze Frage, ob der Tourismus in Graubünden genug digital ist, würde deutlich mehr Aspekte umfassen, als dies die nachfolgenden Fragen suggerieren lassen. Die Regierung beschränkt sich in ihrer Antwort bewusst auf die gestellten Fragen im Zusammenhang mit Online-Buchungsplattformen.

Zu Frage 1: Im Tourismus, wie auch in vielen anderen Bereichen des privaten und beruflichen Alltags, sind digitale Informationen und Interaktionsmöglichkeiten heute Standard. Dazu gehören auch Buchungsplattformen und verschiedene Mobil-Anwendungen, welche die Informationssymmetrie zwischen den verschiedenen Marktteilnehmenden erhöhen und damit das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage erleichtern. Die Regierung teilt somit die Ansicht, dass Online-Buchungsplattformen nicht nur wichtiger werden, sondern bereits ein bedeutender Bestandteil der heutigen und künftigen Tourismuswirtschaft sind.

Zu Frage 2: Jede Tourismusdestination entscheidet, mit welchen Anbietern – zum Beispiel dem e-Servicecenter von Graubünden Ferien – und somit mit welchen Buchungsplattformen sie zusammenarbeitet. Die Wahl des Vertriebskanals ist auch für Beherbergungsbetriebe eine strategische Entscheidung. Wer sich der Entwicklung im Online-Bereich verschliesst, verzichtet auf einen globalen Distributionskanal.

Zu Frage 3: Die Regierung geht davon aus, dass vermietungswillige Wohnungsbesitzende genügend informiert sind respektive sich bei Bedarf die relevanten Informationen bezüglich Online-Buchungsplattformen selbständig beschaffen können. Eine breit angelegte Informationsoffensive ist daher nicht erforderlich.

20. Oktober 2017