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Session: 14.02.2018

Für den Fortbestand einer Volkswirtschaft ist ein kontinuierlicher Strom an Innovationen zwingend. Ohne diese Innovationen kann insbesondere eine wissensintensive Volkswirtschaft im internationalen Wettbewerb nicht bestehen.

Die Wirtschaftsförderung des Kantons Graubünden, wie wir sie heute kennen, vermag die Innovation im Kanton nicht im geforderten Mass zu fördern und zu unterstützen. Der Fokus der Wirtschaftsförderung liegt heute auf der Unterstützung der bestehenden Unternehmen sowie der Ansiedlung neuer Unternehmen. Die Unterstützung innovativer Start-ups fehlt weitgehend. Eine Möglichkeit zur Unterstützung von Start-ups sind sogenannte „Inkubatoren“.

Grundsätzlich sind – aus der wirtschaftspolitischen Perspektive – Inkubatoren Einrichtungen, die ein positives Umfeld für Start-ups schaffen wollen und die Gründer bei ihrer Unternehmung unterstützen. Ein positives Umfeld für Inkubatoren wird durch einen Mix von Leistungen in den Bereichen Unternehmens-Infrastruktur (z. B. Büroräume), Business Support sowie ein Netzwerk mit Kontakten, unter anderem zu Kapitalgebern, geschaffen.

Die wachsende Verbreitung und zunehmende Bedeutung von Inkubatoren ist auch an der Anzahl abzulesen. Weltweit stieg die Anzahl der Inkubatoren bis 1990 auf etwa 1000. Im Jahr 2000 gab es schon rund 3200 Einrichtungen, von denen je ein Drittel in den USA und in Europa ansässig waren. Die Zunahme war besonders in den Jahren seit der Finanz- und Wirtschaftskrise progressiv. So stieg die Anzahl von 5000 Inkubatoren im Jahr 2007 auf 7000 im Jahr 2012.

Bei den Inkubatoren lassen sich ertragswirtschaftliche (for-profit) und nicht-ertragswirtschaftliche (non-profit) Einrichtungen voneinander abgrenzen. Bei öffentlichen Einrichtungen sind Städte, Regionen, Kantone und Ähnliches für den Betrieb verantwortlich. Akademische Inkubatoren werden von Universitäten, Hochschulen oder Forschungseinrichtungen eingerichtet. Beide Typen, sowohl öffentliche als auch akademische Inkubatoren, zählen zu den nicht-ertragswirtschaftlichen Inkubatoren.

Private Einrichtungen sind eher dem ertragswirtschaftlichen Bereich zuzuordnen. Hinter ihnen stehen Privatpersonen, Institutionen und Unternehmen. Unternehmenszugehörige Inkubatoren haben ihren Ursprung in einem Unternehmen und werden von diesem betrieben. Bei unabhängigen, privaten Inkubatoren stehen Privatpersonen oder auch Gruppen von Personen und Unternehmen in der Verantwortung, ohne dass der Inkubator direkt einem bestimmten Unternehmen zuzuordnen ist. Darüber hinaus gibt es auch Mischformen, bei denen Institutionen aus dem öffentlichen und privaten Bereich in einem Inkubator zusammenarbeiten.

Die Unterzeichnenden beauftragen die Regierung, das Inkubatorenkonzept für Graubünden zu prüfen und die Ergebnisse der Abklärungen dem Grossen Rat in geeigneter Form zu unterbreiten.

Chur, 14. Februar 2018

Caduff, Dudli, Albertin, Berther (Disentis/Mustér), Blumenthal, Buchli-Mannhart, Caluori, Casanova (Ilanz), Casty, Casutt-Derungs, Cavegn, Caviezel (Chur), Crameri, Darms-Landolt, Dermont, Dosch, Epp, Felix (Haldenstein), Foffa, Geisseler, Jeker, Joos, Kappeler, Kollegger, Lorez-Meuli, Mani-Heldstab, Märchy-Caduff, Müller, Niggli-Mathis (Grüsch), Papa, Paterlini, Pedrini, Peyer, Pult, Sax, Schneider, Stiffler (Davos Platz), Tenchio, Tomaschett (Breil), Tomaschett-Berther (Trun), Zanetti, Berther (Segnas), Lombardi, Stäbler

Antwort der Regierung

Die Regierung teilt die Ansicht, dass Jungunternehmen für das Wachstum einer Volkswirtschaft von grosser Bedeutung sind. In den letzten Jahrzehnten ist in der Schweiz ein fast flächendeckendes Angebot an Initiativen zur Förderung von Jungunternehmen entstanden. Inkubatoren sind Bestandteil dieser Förderung. Gesamtschweizerisch bestehen heute über 70 Inkubatoren; die Anzahl der Inkubatoren in der Schweiz ist weiterhin zunehmend. Inkubatoren bieten unterschiedliche Inkubatorenprogramme an, d.h. einen unterschiedlichen Mix von Leistungen in den Bereichen Unternehmensinfrastruktur (z.B. Büroräume, Labors, Werkstätten), Beratung zum Aufbau eines Unternehmens, Coaching der Jungunternehmer sowie Vernetzung mit Industrie, Lehre, Forschung und Finanzierungspartnern. Die verschiedenen Konzepte heissen Gründerzentren, Technoparks, Innovationszentren, Technologiezentren, Acceleratoren, Impact Hubs usw. Einige sind offen für alle Arten von Jungunternehmen, andere sind fokussiert auf bestimmte Themenbereiche. Technoparks sind stark auf technologieorientierte Jungunternehmen ausgerichtet. Die sieben Technoparks der Schweiz, davon alleine drei im Kanton Zürich, sind im Verein Technopark-Allianz zusammengeschlossen und bieten den Mitgliedern erleichterten Zugang zu deren Netzwerk in Lehre, Forschung und Industrie.

In Graubünden besteht seit 1999 am Standort Grüsch ein privater Inkubator, der durch die «Bündner Stiftung INNOZET» geführt wird. Das INNOZET hat erfolgreich Jungunternehmen aus dem Umfeld der Firma TRUMPF Schweiz AG (Trumpf) angesiedelt. Aufgrund von Eigenbedarf der Firma Trumpf muss INNOZET mittelfristig einen neuen Standort suchen. In Zusammenarbeit mit INNOZET hat der Kanton ein Grobkonzept für einen Technopark Graubünden, einen technologieorientierten Inkubator, erarbeitet. Das Konzept Technopark zielt darauf ab, in die Technopark-Allianz aufgenommen zu werden. Auf Basis des Grobkonzepts hat die Regierung am 14. November 2017 einen Grundsatzentscheid für einen Technopark Graubünden gefällt. Das Amt für Wirtschaft und Tourismus wurde damit beauftragt, in Zusammenarbeit mit einem geeigneten Dritten ein Detailkonzept zur Umsetzung des Projekts Technopark Graubünden zu erarbeiten und der Regierung vorzulegen.

Der Kanton Graubünden verfügt mit dem neuen Gesetz über die Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung in Graubünden (GWE, BR 932.100) über die gesetzlichen Grundlagen, um einen Inkubator sowohl als eigenes Vorhaben als auch qualifizierte Vorhaben Dritter mit Darlehen oder Beiträgen zu unterstützen. Mit dem GWE wurde auch die Möglichkeit geschaffen, innovative Vorhaben insbesondere auch von Start-ups zu fördern. Als Grundlage für Förderungen des Kantons dient unter anderem der Grundsatz der Exportbasistheorie.

Im Januar 2018 wurde das in Chur beabsichtigte Innovationszentrum InnoQube der Öffentlichkeit vorgestellt, das auch ein Inkubatorenprogramm für Jungunternehmen plant. Diese private Initiative der InnoQube Swiss AG als auch weitere Vorhaben, die andere Formen der Unterstützung von Jungunternehmen vorsehen, wie der sich in der Konzeptionsphase befindende InnHub in La Punt, werden vom Kanton sehr begrüsst. Ob einzelne privat initiierte Inkubatorenprogramme sich mit dem von der Regierung beabsichtigten Technoparkprojekt kombinieren lassen, ist Gegenstand von Abklärungen.

Mit der Förderung von Jungunternehmen durch Inkubatoren im Kanton Graubünden wird eine Dynamisierung der Start-up Szene mit innovativen Ideen erwartet, welche in Graubünden weiterentwickelt und auf den Markt gebracht werden. Damit werden der Innovationsstandort Graubünden und die Bündner Wirtschaft insgesamt gestärkt.

Aufgrund dieser Ausführungen beantragt die Regierung dem Grossen Rat den vorliegenden Auftrag zu überweisen.

26. April 2018