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Session: 29.08.2019

Die HTW Graubünden wird per 1.1.2020 – losgelöst aus der Fachhochschule Ostschweiz - als eigenständige Hochschule ihren Betrieb aufnehmen. Als kleinste Fachhochschule der Schweiz wird sie sich auf dem umkämpften Bildungsmarkt behaupten müssen. Neben den bestehenden Angeboten gilt es nun, weitere Angebote ins Auge zu fassen und sich damit schweizweit zu profilieren. Ein Thema, das sich geradezu anbietet, ist das Thema Gesundheit.

Die Gesellschaft insgesamt altert und gleichzeitig leben die Menschen immer länger. Dieser Trend gilt für Graubünden aufgrund der demografischen Voraussagen umso mehr. Hinzu kommt, dass im Kanton ungefähr die Hälfte der Einwohner in Regionen mit Tälern über 1000 Metern leben. Der demografische Trend und die kantonsspezifischen Faktoren stellen die Regionen und Gemeinden vor grosse Herausforderungen bei der aktuellen und der zukünftigen Gesundheitsversorgung. Der Fachkräftemangel im Gesundheitsbereich ist in verschiedenen Regionen spürbar. Gleichzeitig entwickelte sich das Kantonsspital Graubünden zu einem national anerkannten Spital auf hohem Niveau, was die gegenseitige Nutzung von Synergien auslösen dürfte. Weiter sind schon heute in den Tälern, wie zum Beispiel im Misox oder im Val Lumnezia, die Pflegeeinrichtungen die grössten Arbeitgeber im Tal. Sie alle, Spitäler und Pflegeeinrichtungen, werden auch in Zukunft auf ausreichend Pflege- und Fachkräfte angewiesen sein. Hinzu kommt, dass es oftmals an Wissen und vernetzten, innovativen und für die Bergregionen umsetzbaren Konzepten fehlt, beispielsweise zu den Themen Gesundheit und Alter oder zur Frage, wie dem Mangel an Hausärzten oder Hebammen begegnet werden kann. Daraus entstehen neue Berufsbilder, welche zusätzlich zu den Ausbildungen in der Berufs- und Höheren Berufsbildung einen Bedarf an Fachkräften im Gesundheitsbereich auf Hochschulebene - zusätzlich zur Physiotherapieausbildung in Landquart - zur Folge haben. Es ist deshalb vordringlich, diese Fachkräfte vor Ort in Graubünden auszubilden. Die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr von jungen Bündnerinnen und Bündnern, welche ausserhalb des Kantons studiert haben, ist geringer, als wenn sie im Kanton studieren können. Nur gemeinsam und auch auf der Grundlage angewandter Forschung können die notwendigen Innovationen und Konzepte für die Gesundheitspraxis in allen Themenbereichen im Kanton entwickelt werden. Und Graubünden hat grosse Chancen, sich auch in diesem Bereich schweizweit mit Innovationen zum Thema Gesundheit einen Namen zu machen.

Die Regierung wird deshalb um Antwort zu folgenden Fragen gebeten:

1.     Unter welchen Bedingungen wäre die Einführung eines Gesundheitsbereichs an der HTW Chur möglich?

2.     Wann könnte die Einführung frühestens erfolgen?

3.     Empfiehlt die Regierung Kooperationspartner für die Umsetzung an der HTW Chur und wenn ja, welche?

Chur, 29. August 2019

Hardegger, Tomaschett-Berther (Trun), Holzinger-Loretz, Atanes, Buchli-Mannhart, Caluori, Casty, Caviezel (Chur), Caviezel (Davos Clavadel), Clalüna, Degiacomi, Della Cà, Deplazes (Rabius), Derungs, Dürler, Ellemunter, Flütsch, Föhn, Gasser, Grass, Gugelmann, Hefti, Hitz-Rusch, Jochum, Kasper, Kohler, Locher Benguerel, Märchy-Caduff, Michael (Donat), Mittner, Müller (Susch), Paterlini, Preisig, Rettich, Ruckstuhl, Rutishauser, Sax, Schmid, Thomann-Frank, Ulber, Waidacher, Wellig, Widmer-Spreiter (Chur), Zanetti (Sent), Costa

Antwort der Regierung

Der Grosse Rat hat in der Augustsession 2019 den Bericht und Antrag der Kommission für Staatspolitik und Strategie (KSS) zu den übergeordneten politischen Zielen und Leitsätzen für die Planungsperiode 2021–2024 des Regierungsprogramms und Finanzplans beraten. Mit dem übergeordneten politischen Ziel Nr. 10 "Dezentrales Gesundheitssystem" soll eine qualitativ hochstehende und dezentrale Gesundheitsversorgung gewährleistet sowie auf die Stabilisierung der Kosten hingearbeitet und die Strukturen den laufenden Entwicklungen im Gesundheitsbereich angepasst werden. In den Leitsätzen wird ausgeführt, dass verschiedene Entwicklungen die bestehenden Strukturen im Gesundheitsbereich unter starken Druck setzen, so dass ihre Neuorganisation und Anpassung unverzichtbar werden. Eine qualitativ hochstehende Grundversorgung muss im ganzen Kantonsgebiet sichergestellt sein, indem unter anderem dem Fachkräftemangel im Gesundheitswesen aktiv zu begegnen und eine verstärkte Koordination zwischen den verschiedenen Leistungserbringern im Gesundheitswesen anzustreben ist.

Aufgrund des erhöhten Gesundheitsbewusstseins und der Internationalisierung der Gesundheitsmärkte eröffnen sich für Graubünden Chancen im Gesundheitstourismus wo sich Synergien zwischen medizinischen Leistungserbringern und dem Tourismus ergeben. Diese Entwicklung ist mittels qualitativ hochwertiger Angebote zu nutzen.

Gestützt auf diese Ausführungen und unter Beachtung der kantonalen Hochschul- und Forschungsstrategie, lassen sich die Fragen folgendermassen beantworten:

Zu Frage 1: Die Einführung eines Ausbildungsangebots im Gesundheitsbereich an der Fachhochschule Graubünden (FHGR; bis 31. August 2019 HTW Chur) bedarf zunächst umfassender Abklärungen über die Ziele und den potenziellen Nutzen eines solchen Angebots für den Kanton, da der Aufbau eines neuen Tätigkeitsfelds mit beträchtlichen personellen und finanziellen Zusatzaufwendungen verbunden ist. Das Bildungszentrum Gesundheit und Soziales (BGS) hat dazu im Rahmen des Leistungsauftrags 2017–2020 erste Vorabklärungen getroffen, welche als Grundlage für die weitere Arbeit dienen können. Zusätzlich erfordert die Erweiterung des Wirkungsfeldes der FHGR eine Anpassung von Art. 10 des Gesetzes über Hochschulen und Forschung (GHF; BR 427.200). Die Regierung geht davon aus, dass die FHGR die Bachelor-Ausbildung im Gesundheitsbereich alleine anbieten könnte, während weiterführende Masterstudiengänge, Spezialitäten oder Forschungsschwerpunkte mit anderen Hochschulpartnern abzustimmen wären.

Zu Frage 2: Ausgehend von den erwähnten Massnahmen und der Tatsache, dass die Grundlagen für die Bewerbung eines neuen Ausbildungsangebots mindestens ein Jahr vor Studienbeginn geschaffen und dessen Finanzierung langfristig gesichert werden müssen, ist die Einführung ab Beginn des Studienjahres 2023/24 denkbar. Zu prüfen wäre allenfalls, ob ein Bachelor-Studiengang so vorbereitet werden könnte, dass bereits im Herbst 2022 ein Pilotstudiengang begonnen werden könnte.

Zu Frage 3: Die Einführung eines neuen Ausbildungsangebots im Bereich Gesundheit an der FHGR muss entsprechende kantonale und nationale Vorgaben für den Gesundheitsbereich berücksichtigen. Zudem erfordern solche Ausbildungen neben der institutionellen Akkreditierung der die Ausbildung anbietenden Institution (seitens der FHGR prinzipiell vorhanden) auch eine zeitgerechte Programmakkreditierung des entsprechenden Studiengangs. Inwieweit Kooperationen mit anderen Partnern möglich und sinnvoll sind, ist im Rahmen eines entsprechenden Planungsprojekts eingehend zu prüfen. Massgebend sind dabei die erwähnten spezifischen bündnerischen Interessen, aber auch das Potenzial möglicher Partnereinrichtungen, so beispielsweise jene des Kantons Tessin und des BGS in Chur. Dementsprechend ist die Regierung bereit, eine Planungsgruppe einzusetzen, welche die Erweiterung des Ausbildungsangebots der FHGR auf den Bereich Gesundheit sowie dadurch entstehende Kosten prüft und Massnahmen vorschlägt.

18. Oktober 2019