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Romreise26
 
Wie immer reiste der Latinumskurs der fünften Klasse in der ersten Frühlingsferienwoche nach Rom, auf der Hinreise im Nachtzug, der den Weg nach Roma Termini holpernd und polternd und immer wieder wartend fand. Es war eine Grand Tour im alten Sinne mit Abenteuer, Anstrengung, Genuss und Bildung – und wenig Schlaf. Empfangen wurde die Gruppe am Montagmorgen früh von Rocco Ciorciaro mit Suzana Leutenegger. Die beiden wurden alsbald zu Reiseleitern gewählt und leiteten die Gruppe als Hofmeister zusammen mit Magister Lukas Sieber und Magister Stefan Stirnemann. Hofmeister hiessen die Begleiter junger englischer Adliger. Ein Höhepunkt der Bündner Grand Tour war der Opernbesuch, gespielt wurde Händels «Il trionfo del Tempo e del Disinganno», Der Sieg der Zeit und der Enttäuschung. Das Stück ist unbekannt, eines seiner Lieder kennt jeder, es ist ein Ohrwurm: «Lascia la spina, cogli la rosa», Lass den Dorn, pflücke die Rose! Am Libretto hat Seneca, der römische Philosoph, mitgeschrieben. Seine Gedanken fanden in der Zeit Händels aufmerksame Ohren und offene Herzen: Man solle sich aufs Ende gefasst machen und nicht am noch so schönen Tag hängen, den jede Zeit vergeht. Aus dem Programm der Woche: Kolosseum, Ara Pacis (Altar des Friedens), Petersdom (mit Kuppel), Palatin (mit einer wahren Sintflut), Pantheon, Forum, Katakomben … Nach dem Besuch der Vatikanischen Museen wählten die jungen Adelsleute die Metro, die Hofmeister orderten ein Taxi. Der junge Fahrer kannte Rom auswendig, und als er merkte, dass mit Rocco Ciorciaro ein Römer im Wagen sass, dass Italienisch keine Fremdsprache war und Fussball kein Fremdwort, zeigte er, was er konnte, und kurvte in Rekordzeit durch Nebenstrassen und Gassen ans Ziel. Und nebenbei sagte er, dass er viel Latein lese, aber lieber noch Griechisch. Magister Sieber erwahrte seinen legendären Ruf, immer die besten Restaurants zu finden. Wer es genauer wissen will, freue sich auf den Jahresbericht. Wer es selber erleben will, belege den Latinumskurs. Die Rückfahrt ging zum Abschluss im Postauto über den Pass. Auf Passfahrten kehrt man in einem Hospiz ein. Heisst das so, weil es auf der Spitze des Berges steht? Das lateinische Wort hospit/ium bedeutet Raum für Gäste, Gasthof, man muss also nicht Hospitz schreiben.