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Merkblatt für die Gemeinden - Wasserbezug aus Gewässern

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Anlass
Durch die lang anhaltende Trockenheit führen Bäche und Flüsse ausserordentlich wenig
Wasser. In vielen Bächen werden zurzeit die tiefsten je gemessenen Abflüsse für den Monat
Juli gemessen. Auch die Grundwasserstände und die Quellschüttungen sind mancherorts
auf Tiefwerte gesunken, so dass dies in einzelnen Gemeinden die Wasserversorgungen zu
spüren bekommen. Kultur- und Gartenpflanzen leiden unter der Trockenheit. Die vereinzel-
ten Gewitterregen alleine vermochten die Situation nicht zu entschärfen.
Aus einzelnen Bächen im Kanton wurden in den letzten Tagen ohne Bewilligung Wasser für
landwirtschaftliche Bewässerungen entnommen, was zu Anzeigen geführt hat. Aus diesem
Anlass möchte das Amt für Natur und Umwelt (ANU) die Gemeinden auf die Voraussetzun-
gen für Wasserentnahmen aus Gewässern aufmerksam machen und über die diesbezügli-
chen Handlungsschritte informieren. Wegen der herrschenden ausserordentlichen Trocken-
heit ist auf allen Ebenen ein unbürokratisches Handeln erforderlich.

Gesetzliche Grundlagen
Im Gewässerschutz- und Fischereigesetz ist der Umgang mit Wasserentnahmen aus Ge-
wässern geregelt (Art. 29 Gewässerschutzgesetz und Art. 8 Bundesgesetz über die
Fischerei). Wer einem Gewässer Wasser entnimmt, benötigt eine Bewilligung des Kantons.
Die Bewilligung kann erteilt werden, wenn eine Konzession/Zustimmung der Gemeinde vor-
liegt und bestimmte Anforderungen erfüllt sind. Die wesentlichste Anforderung ist, dass in
den Gewässern eine für die wasserabhängige Pflanzen- und Tierwelt genügende Restwas-
sermenge verbleibt.

Umgang mit Wasserentnahmen
Das für Wasserentnahmen zuständige Amt für Natur und Umwelt ist in dieser Situation auf
die Unterstützung der Gemeinden angewiesen. Die Gemeinden werden gebeten aufgrund
der lokalen Gegebenheiten, Weisungen im Umgang mit dem Wasser (insbesondere mit
Wasserentnahmen) zu erlassen und diese auf geeignete Weise (Lokalzeitung, Amtsblatt,
öffentlicher Aushang, etc) zu publizieren. Das ANU bietet bei Bedarf gerne fachliche Unter-
stützung an.

Folgende Grundsätze sind bei Wasserentnahmen für Bewässerungszwecke zu berücksichti-
gen:

1. Die Bevölkerung soll zum sorgsamen Umgang mit dem Wasser aufgefordert werden.
Bewässerungen sind auf ein absolut notwendiges Mass und auf Gemüse-, Obst- oder
andere wertvolle Pflanzenkulturen zu beschränken. Die kantonale Fachstelle für Land-wirtschaft
beurteilt ausserordentliche, kurzzeitige Bewässerungen von Grasland zurzeit
als nicht angebracht. Im Zweifelfall ist der landwirtschaftliche Beratungsdienst beizuzie-hen.

2. Erfolgen Wasserentnahmen für Bewässerzwecke aus öffentlichen Grundwasser-fassungen
oder aus Quellen, so geniesst die Trinkwasserversorgung erste Priorität. Soll
Wasser aus Grundwassermessstellen des Kantons (Piezometerrohre) entnommen wer-den,
so ist neben der Gemeinde das ANU zwingend zu informieren. In der Regel können
solche Entnahmen problemlos bewilligt werden.

3. Wasserentnahmen aus Flüssen wie dem Rhein, dem Inn oder der Landquart oder
grossen Bächen mit genügend hohen Abflussmengen sind in der Regel wenig proble-matisch.
Sie können im Normalfall kurzfristig bewilligt werden (s. unten). Hingegen kön-nen
auch geringe Wasserentnahmen aus kleinen Bächen ökologisch zu grossen Schä-den
insbesondere am Fischbestand führen. Wasserentnahmen sind deshalb sehr sorg-fältig
zu prüfen.
- Für Wasserentnahmen gilt zur Zeit der anhaltenden Trockenheit ein vereinfachtes
Bewilligungsverfahren. Gesuche sind an die Gemeinde zu richten. Die Gemeinde kon-taktiert
den zuständigen kantonalen Hauptfischereiaufseher. Bei unproblematischen
Fällen erteilt dieser zusammen mit der Gemeinde die entsprechende einmalige und
zeitliche befristete Bewilligung. In problematischen Fällen wird das ANU beigezogen.
- Bestehende Bewilligungen für Wasserentnahmen sind über die Gemeinde dem ANU
zu melden, da diese teilweise auf alten Bewilligungen basieren, welche vor Inkraft-treten
des Gewässerschutzgesetzes erteilt worden sind. Nicht gemeldete Wasser-entnahmen
werden als neue betrachtet.
Das ANU dankt allen Beteiligten für Ihren Einsatz zum Wohl unserer Gewässer.

AMT FÜR NATUR UND UMWELT
GRAUBÜNDEN
Der Vorsteher:

Gremium: Amt für Natur und Umwelt
Quelle: dt Amt für Natur und Umwelt
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