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Artenvielfalt im Wald - Graubünden engagiert sich beispielhaft

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Das Amt für Wald nimmt das UNO-Jahr der Biodiversität zum Anlass, um aufzuzeigen, wie im Wald Massnahmen zur Förderung der Biodiversität umgesetzt werden. An der Medien-Orientierung vom 24. Juni 2010 wird am Beispiel des Gebietes "Stretg" bei Laax und Flims auf die Pflege von Auerhuhn-Lebensräumen eingegangen. Bei diesen Massnahmen geht es einerseits darum, den Lebensraum für das Auerhuhn als gefährdete Vogelart zu erhalten. Anderseits steht diese besondere Waldart mit ihren vielfältigen Ansprüchen auch stellvertretend für viele Arten des Gebirgswaldes. Somit kommen Anstrengungen zur Pflege der Auerhuhn-Lebensräume auch zahlreichen anderen Pflanzen- und Tierarten des Gebirgswaldes zugute.

Biodiversität steht für natürliche Vielfalt. Dazu gehören intakte Lebensräume, der Reichtum an Arten sowie die genetische Breite innerhalb der einzelnen Arten. Im Bündner Wald werden Anliegen der Biodiversität mit anderen Waldfunktionen, wie der Holzproduktion oder des Schutzes vor Naturgefahren, gleichgestellt. Dank einer sorgfältig geplanten, vorausschauenden Waldbewirtschaftung gehen Holznutzung und Massnahmen zugunsten der Biodiversität Hand in Hand. Dies zeigt sich insbesondere bei der Lebensraumpflege für das gefährdete Auerhuhn. Annähernd 40 % des schweizerischen Bestandes dieser Waldvogelart leben im Kanton Graubünden. Deshalb unterstützt das Amt für Wald Graubünden Lebensraumverbesserungen für diese Art im Rahmen des Programms zur Förderung der Biodiversität.

Naturnaher Waldbau
Besonders wirkungsvoll für den Erhalt der Biodiversität ist das Bekenntnis des Forstdienstes zu den naturnahen Methoden der Waldbewirtschaftung, die in Graubünden grossflächig zur Anwendung gelangen. Der naturnahe Waldbau verbindet die Nutzung des Waldes mit den Anliegen des Naturschutzes. Kennzeichnend sind das Arbeiten mit standortheimischen Baumarten, die Erneuerung der Waldbestände mit Naturverjüngung (das heisst in der Regel ohne Pflanzungen), das Schonen von seltenen Baumarten, auch wenn sie wirtschaftlich unbedeutend sind, und der Rücklass von Totholz im Wald.

Die Einführung der Waldentwicklungsplanung im Rahmen der Totalrevision des Kantonalen Waldgesetzes 1996 brachte eine systematische und flächendeckende Berücksichtigung der Ansprüche an den Wald. Nebst der Schutzwirkung gegenüber Naturgefahren, der Holzproduktion, dem Tourismus, der Landwirtschaft und der Jagd umfassen diese Anliegen auch den Natur- und Landschaftsschutz. Etwa ein Jahr vor Abschluss der regional durchgeführten Waldentwicklungsplanung verfügt der Kanton Graubünden über ein ausgewogenes Programm zur Förderung der Biodiversität im Wald. Grundsätzlich können davon zwei Arten unterschieden werden:
  • Förderung im Rahmen von explizit bezeichneten Naturvorrang-Flächen.
  • Beiläufige Förderung im Rahmen von Massnahmen, welche in erster Linie auf andere Ziele als auf den Naturschutz ausgerichtet sind. Schutzwaldpflege, Holznutzung und Förderung der Biodiversität lassen sich oft sehr gut miteinander kombinieren.

15 Naturwaldreservate eingerichtet
Ein Teil der Naturvorrang-Flächen hat zum Ziel, die natürliche Waldentwicklung zu gewährleisten. In diesen, als "Naturwaldreservate" bezeichneten Flächen, wird sowohl auf die forstliche als auch auf allfällige landwirtschaftliche Nutzungen verzichtet. In den vergangenen vier Jahren wurden in Graubünden 15 solche Naturwaldreservate mit einer Gesamtfläche von gut 3'200 Hektaren eingerichtet.

Weniger bekannt sind bisher die Aktivitäten zum anderen Teil der Naturvorrang-Flächen. In diesen Flächen werden mit gezielten Massnahmen bestimmte Naturwerte gefördert. Dabei handelt es sich namentlich um:
  • Erhaltung von Lärchenweidewäldern
  • Revitalisierung und Erhaltung von Kastanienselven in den Südtälern
  • Förderung von Eichenwäldern sowie von seltenen Baumarten, wie z.B. Eibe und Wildobst
  • Aufwertung von Waldrändern
  • Pflege von Auerhuhn-Lebensräumen

Ausgeführt werden die Massnahmen durch die örtlichen Forstbetriebe. Bund und Kanton beteiligen sich im Umfang von 70 % an den Kosten. Seit dem Jahr 2008 sind die Massnahmen zur Förderung der Biodiversität Gegenstand der Programmvereinbarung "Biodiversität im Wald" zwischen dem Bund und dem Kanton Graubünden. Darin sind der Umfang der Massnahmen sowie die finanzielle Unterstützung durch den Bund festgehalten. Für 2010 stehen total 2'285'000 Franken an Bundes- und Kantonsmittel für die Waldbiodiversität zur Verfügung.


Auskunftspersonen:
- Regierungsrat Stefan Engler, Vorsteher Bau-, Verkehrs- und Forstdepartement, Tel. 081 257 36 01
- Reto Hefti, Kantonsförster, Amt für Wald, Tel. 081 257 38 51


Gremium: Amt für Wald
Quelle: dt Amt für Wald
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