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Invasive gebietsfremde Problempflanzen in Graubünden – Situation und Massnahmen

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Der Kanton Graubünden will invasive gebietsfremde Pflanzenarten (invasive Neophyten) stärker bekämpfen. Das Amt für Natur und Umwelt ist von der Regierung beauftragt worden, eine kantonale Arbeitsgruppe zur Koordination und Umsetzung der Vollzugsaufgaben zu bilden. Ebenso will der Kanton ein Netzwerk kommunaler Ansprechpersonen für Neophyten aufbauen. In Zusammenarbeit mit weiteren kantonalen und kommunalen Fachstellen hat das Amt für Natur und Umwelt bereits erste systematische Bekämpfungsmassnahmen unter Beizug von Zivildienstleistenden eingeleitet, um die Ausbreitung von Neophyten einzudämmen.

Die bundesweiten Aufrufe zur Bekämpfung der allergieauslösenden Ambrosia-Pflanze haben die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das Thema der invasiven gebietsfremden Problempflanzen (invasive Neophyten) gelenkt. Im Oktober 2008 ist eine Bundesverordnung (Verordnung über den Umgang mit Organismen in der Umwelt, die sogenannte Freisetzungsverordnung) in Kraft getreten, die unter anderem den Umgang mit gebietsfremden Organismen regelt. Darin wird für eine Reihe von Pflanzen (z.B. Ambrosia oder Riesenbärenklau) und einige Tiere (z.B. Rotwangen-Schmuckschildkröte oder Amerikanischer Ochsenfrosch), welche zu den invasiven gebietsfremden Organismen gehören, der Umgang ausdrücklich verboten. Das Problem dieser Arten ist, dass sie sich auf Kosten der angestammten, standortgerechten Tier- und Pflanzenwelt so stark ausbreiten können, dass dadurch die biologische Vielfalt und generell Mensch und Umwelt gefährdet werden kann. Manche dieser Arten können auch direkten Einfluss auf die Gesundheit haben oder zu Schäden in der Land- und Forstwirtschaft oder an Bauwerken führen.

Massnahmenpaket beschlossen
Der Vollzug dieser Verordnung obliegt dem Amt für Natur und Umwelt (ANU). Die ersten Schritte zur Umsetzung wurden bereits früher eingeleitet. Um der Ausbreitung von Problempflanzen Einhalt zu bieten, hat die Regierung ein Paket mit weiteren verschiedenen Massnahmen beschlossen. Dieses sieht unter anderem vor, eine kantonale Arbeitsgruppe zu bilden, welche Massnahmenstrategien und -pläne ausarbeitet. Ausserdem will der Kanton ein Netzwerk mit kommunalen Neophyten-Ansprechpersonen aufbauen. So werden über das landwirtschaftliche Bildungs- und Beratungszentrum Plantahof Ambrosia-, bzw. Neophyten-Ansprechpersonen ausgebildet, die Private und Gemeinden informieren, beraten und unterstützen können. Die Problematik kann nämlich sowohl Gemeinden als auch private Gartenbesitzer, professionelle Gartenbauunternehmungen, Baufirmen, Forstarbeiter, Landwirte usw. betreffen. Eine wichtige Funktion kommt dabei den Baubehörden, der Bauherrschaft und Landbewirtschaftern zu, damit invasive Neophyten nicht durch Bodenbearbeitungen, Bodentransporte oder unsachgemässe Entsorgung verschleppt werden. Das Massnahmenpaket sieht auch eine kantonale Unterstützung durch Beratung und durch die Vermittlung von Zivildiensteinsätzen bei praktischen Bekämpfungsmassnahmen vor.

Breite Unterstützung und Mitwirkung erforderlich: Vom Profi bis zum Hobbygärtner
Da verschiedene solcher Pflanzen nicht nur in Naturschutzbiotopen oder Privatland vorkommen können, sondern auch an Verkehrswegen und Gewässern oder im Wald und der Landwirtschaft, ist die Zusammenarbeit mit weiteren Fachstellen sehr wichtig. Von verschiedenen Forst- und Werkdiensten wurden konkrete Bekämpfungsmassnahmen gegen Neophyten eingeleitet oder die vom ANU getroffenen Massnahmen unterstützt. Für die praktischen Bekämpfungsmassnahmen kann das ANU als Einsatzbetrieb auch auf die tatkräftige und willkommene Unterstützung von Zivildienstleistenden zurückgreifen. Während der Saison 2011 werden im ganzen Kanton über 3300 Diensttage im Bereich Problemartenbekämpfung geleistet. Gefragt und gefordert sind aber auch Gartenbesitzer und Hobbygärtner die darauf achten müssen keine invasiven Neophyten zu pflanzen, Problempflanzen zu entfernen und an der Verbreitung zu hindern sowie sorgsam mit Pflanzenresten und Erdmaterial umzugehen, um eine Verschleppung zu verhindern.

Je nach Art, Vorkommen und Ausbreitung der Organismen sowie der Möglichkeiten der Einsätze müssen die Bekämpfungsstrategien entwickelt werden. Besonders, wenn eine generelle Tilgung nicht realistisch ist, sind Massnahmen zur Eingrenzung, Verhinderung der weiteren Verschleppung oder das Schaffen von Freihaltebereichen umso bedeutsamer.

Erfassung der Neophytenvorkommen
Eine wichtige Grundlage zur Entwicklung von Strategien und die Planung des Neophytenmanagements, aber auch zur Information, ist das Wissen über das Vorkommen und die Verbreitung solcher Problemarten. Dazu steht dem ANU und weiteren Interessenten ein interaktives Neophyten-Geoinformations-System zur Verfügung, wo bereits eine beträchtliche Anzahl Fundorte erfasst sind und laufend kommen weitere Beobachtungen hinzu. Es zeigen sich bereits nach zwei Jahren deutliche Schwerpunkte in der Belastung einzelner Gemeinden oder Regionen. Dies lässt sich einerseits durch die Natur der einzelnen Arten erklären, welche je nach Klima Vor- bzw. Nachteile erfahren, andererseits können menschliche Aktivitäten die Verbreitung gewisser Arten stark fördern. So wurde in der Vergangenheit beispielsweise der gesundheitsgefährdende Riesenbärenklau des Öfteren durch Imker oder Gartenbesitzer angepflanzt, da diese imposante, attraktive Pflanze als Bienentracht oder Gartenzierde sehr beliebt war. Als Gebirgspflanze, ursprünglich aus dem Kaukasus, haben sich Riesenbärenklau-Bestände nicht nur in manchen Talschaften, sondern auch an hochgelegenen Standorten, wie z.B. in Arosa oder Davos, festgesetzt.


Auskunftspersonen:
- Regierungsrat Martin Jäger, Vorsteher Erziehungs-, Kultur- und Umweltschutzdepartement, Tel. 081 257 27 01
- Remo Fehr, Amt für Natur und Umwelt, Tel. 081 257 29 46


Gremium: Erziehungs-, Kultur- und Umweltschutzdepartement
Quelle: dt Amt für Natur und Umwelt
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