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Lokale Warnungen vor Naturgefahren bleiben eine grosse Herausforderung

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Das Amt für Wald und Naturgefahren hat zusammen mit dem WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos ein Interreg-Forschungsprojekt zur Frühwarnung vor Naturgefahren auf lokaler Ebene abgeschlossen. Das Projekt wurde zusammen mit der Provinz Südtirol durchgeführt. Die Entwicklungen der Forschung sind vielversprechend, die praktische Umsetzung in ein Frühwarnsystem ist jedoch eine Herausforderung. Ein Prototyp eines lokalen Vorhersagemodells wird zurzeit in der Gemeinde Davos getestet.

Im Rahmen des Interreg-Projektes IRKIS (Interregionales Frühwarn- und Kriseninformationssystem) erstellten die Fachleute für den Kanton Graubünden und die Provinz Südtirol eine umfassende Übersicht aller Messnetze, die im Zusammenhang mit Naturgefahren eine Rolle spielen. Die Analyse zeigte, dass in den Regionen zwar viele Wetter-Messstationen, insbesondere für den Niederschlag, vorhanden sind, lokal aber noch Lücken bestehen. Gänzlich ungenügend wird die Bodenfeuchte erfasst, die für die Entstehung von Hochwassern im Gebirge eine wichtige Rolle spielt. Ist der Boden feucht wie ein triefender Schwamm, so kann er zusätzliche Niederschläge nicht mehr aufnehmen. Herrscht hingegen grosse Trockenheit vor, wird ein Platzregen auch nicht unmittelbar aufgenommen, und es kann ebenfalls zu grossen Abflüssen und Hochwasser kommen. Das Projektteam testete verschiedene Methoden, um diese Lücken zur Bodenfeuchte zu schliessen. Die Berechnung mit einem Computermodell erwies sich als die vielversprechendste Lösung, sodass diese Methode nun weiterentwickelt wird.

Gemeinsame Informationsplattform Naturgefahren GIN
Die ideale Plattform, um die Messdaten zugänglich zu machen, ist GIN, die Gemeinsame Informationsplattform Naturgefahren des Bundes. Via Internet stehen den Naturgefahrenverantwortlichen darauf Mess- und Beobachtungsdaten, Vorhersagen, Warnungen, Modelle und Bulletins zu den verschiedenen Naturgefahren gebündelt zur Verfügung. Das Amt für Wald und Naturgefahren und das SLF haben bereits rund 150 Fachpersonen im Kanton und in den Gemeinden in der Benutzung der Informationsplattform GIN ausgebildet. Eine Umfrage bei den Gemeinden zeigte, dass weiterer Ausbildungsbedarf besteht. Der Kanton klärt daher bei den Gemeinden ab, ob sie die Ausbildung von lokalen Naturgefahrenberatern wünschen.

Frühwarnsystem in Davos im Test
Für die Gemeinde Davos entwickelte das SLF erstmals ein Computermodell für ein hochalpines Einzugsgebiet, das Schnee- und Wetterdaten, Abflussmessungen und Wetterprognosen so miteinander verrechnet, dass eine Prognose von Hochwasserereignissen auf lokaler Ebene ermöglicht werden soll. Das System ist zurzeit im Pilotbetrieb für die Landschaft Davos und wird von den Naturgefahrenverantwortlichen der Gemeinde getestet. Dabei geht es vor allem um Stark- oder Dauerregen-Ereignisse und nicht um kurzfristige Gewitter-Ereignisse. Die Simulationen stehen ebenfalls auf der GIN-Plattform zur Verfügung. Aufgrund der vielversprechenden Ergebnisse wurde die Entwicklungsphase dieses Projekts um ein Jahr bis 2013 verlängert.

Zusammenarbeit von Kanton, Gemeinde und Forschung für langfristigen Naturgefahrenschutz
Das Interreg-Projekt zeigt: Es ist noch ein langer Weg bis eine ausreichend genaue Prognose zu drohenden Unwettern und möglichen Konsequenzen wie Hochwassern oder Rutschungen rechtzeitig auf Gemeindeebene herausgegeben werden kann. Kanton, SLF und die Gemeinde Davos führen daher ihre enge Zusammenarbeit bei der Entwicklung geeigneter Prognose- und Warnsysteme fort, um langfristig einen effizienten Naturgefahrenschutz zu gewährleisten.


Auskunftspersonen:
- Reto Hefti, Amt für Wald und Naturgefahren Kanton Graubünden, Kantonsförster, Tel. 081 257 38 51, reto.hefti@afw.gr.ch  
- Christian Wilhelm, Amt für Wald und Naturgefahren Kanton Graubünden, Bereichsleiter Schutz vor Naturgefahren, Tel. 081 257 38 52, christian.wilhelm@afw.gr.ch 
- Michael Lehning, WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, Leiter Forschungseinheit Schnee und Permafrost, Tel. 081 417 01 58, lehning@slf.ch 
- Julia Wessels, WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, Leiterin Kommunikation, Tel. 081 417 02 86, wessels@slf.ch


Gremium: Amt für Wald und Naturgefahren
Quelle: dt Amt für Wald und Naturgefahren
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