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Frühlingstemperaturen beeinflussen die Vitalität des Alpensteinbocks

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Der Klimawandel tut dem Alpensteinbock sichtlich gut: Wärmere Frühlingstemperaturen, frühere Schneeschmelze und ein dadurch verbessertes Nahrungsangebot begünstigen das Hornwachstum des Bündner Wappentiers. Diese Zusammenhänge hat ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Ulf Büntgen und Kurt Bollmann an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL in einer Analyse erstmals dargestellt. Das Forscherteam konnte sich auf eine einzigartige und langjährige Datensammlung des Amtes für Jagd und Fischerei Graubünden stützen.

Eine interdisziplinäre Forschergruppe der WSL verwendete die Methode der Jahrringforschung, um die jährlichen Hornzuwachsraten beim Alpensteinbock (Capra ibex) zu untersuchen. Mit diesem natürlichen "Klimaarchiv" konnten zum ersten Mal Zusammenhänge zwischen grossräumigen Klimabedingungen und lokalen Nahrungsketten verdeutlicht werden. Die Resultate zeigen, dass das Hornwachstum des Steinbocks vor allem durch Veränderungen der Europäischen Frühlingstemperatur bestimmt wurde.
Die Analyse von acht Steinbock-Populationen in den Bündner Alpen hat ergeben, dass die "Nordatlantische Oszillation" (vom Nordatlantik anströmende Luftmassen) eine Art synchronisierende Wirkung auf den Zuwachs bei den Hörnern der an unterschiedlichen Orten und Höhenlagen lebenden Steinböcke ausübt. Wärmere Temperaturen zwischen März und Mai resultieren in einer früheren Schneeschmelze und einem besseren Nahrungsangebot. Qualität und Quantität alpiner Gräser und Kräuter sind schliesslich für das Wachstum und die Vitalität des Alpensteinbocks verantwortlich.
Die Wissenschaftler untersuchten mehr als 42 000 individuelle Hornzuwächse von über 8000 Steinböcken. Dies wurde durch eine einzigartige Datensammlung ermöglicht, die lückenlos bis ins Jahr 1964 zurückreicht. Sie ist das Ergebnis der durch das Amt für Jagd und Fischerei Graubünden ständig kontrollierten jagdlichen Nutzung. Seit der Einführung der Steinbockjagd im Jahre 1977 wird jedes erlegte Tier von den kantonalen Wildhütern genau vermessen. So sind über die Jahre Daten von mehr als 20 000 Steinböcken und -geissen zusammengetragen worden. Der so entstandene Datensatz ermöglicht einmalige Einblicke in den Zusammenhang zwischen den grossräumigen Klimabedingungen, der Nahrungsverfügbarkeit und der Vitalität dieser geschützten Tierart. 


Fotobeilage:

Foto 1 – Der "König der Berge" ist in der Schweiz eine geschützte Tierart, die seit 1977 mit einer Sonderjagd reguliert wird (Foto: Amt für Jagd und Fischerei Graubünden, Claudio Signer).


Foto 2 – Die auf der Steinwildjagd erlegten Tiere werden von den kantonalen Wildhütern genau vermessen und digital erfasst. (Foto: Amt für Jagd und Fischerei Graubünden).


Foto 3 – Die Jahreszuwächse am Horn des Alpensteinbocks sind anhand der Jahrringgrenzen gut sichtbar. Die Zuwächse sind ein Indikator für die Lebensbedingungen des einzelnen Tiers (Foto: Amt für Jagd und Fischerei Graubünden). 


Auskunftsperson:
Hannes Jenny, Wildbiologe, Amt für Jagd und Fischerei Graubünden, Tel. 081 257 38 93, E-Mail Hannes.Jenny@ajf.gr.ch  


Gremium: Amt für Jagd und Fischerei Graubünden
Quelle: dt Amt für Jagd und Fischerei Graubünden
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