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Anfrage Bucher-Brini betreffend Digitalisierung im Gesundheitswesen (eHealth)

Session: 19.04.2017

Mit dem Inkrafttreten des Bundesgesetzes über das elektronische Patientendossier (EPDG) im laufenden Jahr (2017), ist der Megatrend Digitalisierung auch im Schweizer Gesundheitswesen definitiv angekommen (eHealth). Während sich Spitäler und Kliniken innert drei Jahren nach Inkrafttreten des EPDG einer zertifizierten eHealth-Gemeinschaft anschliessen müssen, bleibt der Beitritt zu einer solchen Gemeinschaft zwecks digitalen Datenaustauschs für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sowie für die Patientinnen und Patienten freiwillig.

Zur Realisierung des elektronischen Patientendossiers wurden einzelne technische eHealth-Standards schon bis ins kleinste Detail festgelegt und der Umgang mit den elektronischen Patientendaten tendenziell überreglementiert. Derweil hapert es in der Realität leider oft noch an den Prozessen, wie man unter der Prämisse von Sicherheit und Durchlässigkeit in der Patientenbehandlung zu den erforderlichen eStandards und organisatorischen Rahmenbedingungen gelangen kann.

Weil sich Digitalisierung und Modelle der Integrierten Patientenversorgung gegenseitig inspirieren und unterstützen wäre es vorteilhaft, wenn diese beiden, gerade für den peripher gelegenen Kanton wie Graubünden, zentralen Bausteine der künftigen Gesundheitsversorgung Hand in Hand entwickelt würden. Dies umso mehr, weil der Schlüssel für die Balance von Behandlungsqualität und Behandlungskosten in der Vernetzung möglichst aller Akteure, entlang der medizinischen Behandlungskette liegt. Weil sich die Betreuung und Behandlung von kranken Menschen zusehends spezialisiert, weiss heute die vor- oder nachbehandelnde Fachperson oft nur lückenhaft, was die vor- oder nachbehandelnde Fachperson vorher gemacht hat oder machen wird. Solche Informationsverluste führen immer wieder zu Überdiagnostik, Doppelspurigkeiten und Notfällen. Was in Graubünden Not tut, ist ein Masterplan für ein digital durchgängig vernetztes Gesundheitswesen. Damit ist gemeint, dass alle Versorgungspartner entlang des gesamten Patientenpfades physisch vernetzt und digital unterstützt werden sollten.

Mit dem Projekt „BlueConnect by KSGR“ (https://www.ksgr.ch/blueconnect.aspx) verfolgen das Ärztenetzwerk Grisomed und das Kantonsspital Graubünden bereits gemeinsam einen vielversprechenden Ansatz, welcher die Bausteine „Integrierte Versorgung und eHealth“ zusammenbringt. Dieser Ansatz bietet sich als Basis für einen Masterplan „Integrierte Gesundheitsversorgung Graubünden“ geradezu an.

Es stellen sich in diesem Zusammenhang folgende Fragen:

1. Welche Strategie verfolgt die Regierung im Hinblick auf die Digitalisierung im Gesundheitswesen?

2. Kann das Projekt „BlueConnect by KSGR“ (Integrierte Versorgung und eHealth) gefördert werden, damit es schneller für möglichst alle Versorgungspartner zum Wohle der Patientinnen und Patienten nutzbar wird?

Chur, 19. April 2017

Bucher-Brini, Casty, Caduff, Atanes, Baselgia-Brunner, Brandenburger, Cahenzli-Philipp, Caluori, Casanova-Maron (Domat/Ems), Cavegn, Caviezel (Chur), Danuser, Darms-Landolt, Davaz, Deplazes, Dermont, Florin-Caluori, Gartmann-Albin, Geisseler, Gunzinger, Hitz-Rusch, Jeker, Kasper, Koch (Igis), Locher Benguerel, Lorez-Meuli, Mani-Heldstab, Märchy-Caduff, Monigatti, Müller, Nay, Niederer, Niggli (Samedan), Noi-Togni, Papa, Pedrini, Perl, Peyer, Pult, Salis, Schneider, Steiger, Stiffler (Chur), Thöny, Tomaschett-Berther (Trun), Toutsch, Widmer-Spreiter, Wieland, Berther (Segnas), Cantieni, Gugelmann, Hartmann-Conrad (Schiers), Pfister, Spreiter

Antwort der Regierung

Mit der Kommunikationsplattform "BlueConnect" der BlueCare AG gibt es seit Herbst 2015 ein niederschwelliges Angebot für die Kommunikation zwischen Arztpraxen und ihren Partnern, das aber auf unstrukturierten Daten beruht, wobei administrative Patientendaten auch extrahiert werden können. Die Datentransfers zwischen dem KSGR und den angeschlossenen Ärzten entwickelten sich von knapp über 50 im Januar 2016 auf über 770 im Februar 2017, schweizweit in der gleichen Zeit von rund 250 auf über 12'000 Transfers.

Im Rahmen eines gemeinsamen Projekts mit dem KSGR wurde von November 2015 bis Juli 2016 das Projekt "BlueConnect by KSGR" durchgeführt und mit einem Fachkonzept für die Anbindung des KSGR an die "BlueConnect"-Plattform abgeschlossen. Mit dem Projekt sollte der Datenaustausch für Spitalzuweisungen und Berichtübermittlung auf Basis von strukturierten Daten verbessert werden, indem Medienbrüche vermieden werden. Der Umsetzungsentscheid wurde vom KSGR bis zur Anbieterwahl für die eHealth Südost Plattform (Umsetzung des EPDG) aufgeschoben.

Die Regierung beantwortet die Fragen wie folgt:

1. Das Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit hat am 1. Dezember 2015 die eHealth-Strategie für den Kanton Graubünden erlassen. Diese enthält folgende drei Grundsätze:
• Der Kanton gewährleistet die ausreichende und wirtschaftlich tragbare Gesundheitsversorgung seiner Bevölkerung. Er setzt geeignete Rahmenbedingungen, steuert die Versorgungsleistungen und unterstützt Bestrebungen zur Steigerung der Qualität und der Wirtschaftlichkeit, darunter auch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (eHealth).
• Der Kanton versteht eHealth nicht als Service Public, sondern als gemeinsames konzeptionelles und technisches Unterfangen der Leistungserbringer.
• Der Kanton fördert die Verbreitung von eHealth, indem er den Aufbau notwendiger zentraler organisatorischer und technischer lnfrastrukturkomponenten unterstützt. Er leistet dabei Unterstützung durch die Koordination und Vernetzung der Leistungserbringer und weiterer Akteure, die Vertretung der Interessen der Bevölkerung und der Patientinnen und Patienten, die Information der Bevölkerung und den Einsatz eigener personeller Ressourcen.

2. "BlueConnect by KSGR" kann bei der Umsetzung des Datenflusses zwischen KSGR und Arztpraxen als sogenannte letzte Meile ein Hilfsmittel sein, wobei darauf hinzuweisen ist, dass es schon verschiedenste Anbieter auf dem Markt gibt, die ähnliche Lösungen anbieten. Aufgrund der Anzahl verschiedener Anbieter in diesem Bereich ist eine Bevorzugung eines Anbieters durch den Kanton nicht angebracht.

Aus Sicht der Datenqualität und der Vermeidung von Medienbrüchen ist die volle Integration der Arztpraxen in ein strukturiertes (dezentrales) Patientendossier die beste Lösung. Da der Bund beim Erlass des EPDG aber auf die Verpflichtung der Praxen verzichtet hat, sich einer Stammgemeinschaft anzuschliessen – sogenannte doppelte Freiheit, also Freiheit der Patienten und der Praxen ein elektronisches Patientendossier zu führen – wird dies jedoch längere Zeit dauern. "BlueConnect by KSGR" wie auch Konkurrenzprodukte können während dieser Zeit als Zwischenlösung dienen.

Da die Nutzung aller elektronischen Gesundheitsdienste für die im Kanton Graubünden gewünschte dezentrale Gesundheitsversorgung unbestritten Vorteile bringt, erachtet die Regierung es für wünschenswert, wenn sich die Arztpraxen im Kanton an eine Stammgemeinschaft zur Führung von elektronischen Patientendossiers anschliessen. Auch Zwischenschritte dazu hin, wie die Nutzung von "BlueConnect" beziehungsweise "BlueConnect by KSGR" oder anderen Konkurrenzprodukten sind begrüssenswert.

23. Juni 2017