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Die Vereinbarung von Erwerbstätigkeit und Pflege eines Angehörigen stellt eine grosse Doppelbelastung dar. Die pflegenden Angehörigen sind deshalb oft auf die Unterstützung ihres Arbeitgebenden angewiesen. Ist diese Unterstützung nicht gegeben, besteht die Gefahr, dass die pflegende Person selbst erkrankt. Im schlimmsten Fall droht die Berufsaufgabe. Unternehmen verlieren in diesem Falle wertvolle Fachkräfte - denn pflegende Angehörige sind meist loyale, hilfsbereite und zuverlässige Mitarbeitende. Rechtliche Massnahmen gibt es kaum. Daher sind individuelle Lösungen zur Unterstützung gefragt.


Rund 330`000 erwerbstätige Personen betreuen und pflegen erkrankte Familienmitglieder. Dies entspricht 9% aller Beschäftigten in der Schweiz. Zurzeit bestehen so gut wie keine Rechtsbestimmungen, welche die Abwesenheit von betreuenden und pflegenden Angehörigen an ihrem Arbeitsplatz regeln. Dasselbe gilt für die Lohnfortzahlungen.
Aber: ab 2021 tritt ein neues Bundesgesetz zur Unterstützung betreuender Angehörige in Kraft.

Dieses thematisiert:

  • die bezahlten Kurzurlaube von drei Tagen
  • den bezahlten Urlaub von 14 Wochen für Eltern von schwer kranken oder verunfallten Kindern
  • die Modernisierung des Systems der Betreuungsgutschriften in der AHV
  • die weitere Ausrichtung der Hilfslosenentschädigung und des Intensivpflegezuschlags für Kinder mit Behinderungen bei einem Spitalaufenthalt 

Gesetzeslage

Das Arbeitsgesetz hält fest, dass die Arbeitgebende auf Arbeitnehmende mit Familienpflichten Rücksicht nehmen muss. Diese Bestimmung bezieht sich nicht nur auf Arbeitnehmende mit Kindern. Die Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen oder nahestehenden Personen ist ebenfalls ausdrücklich erwähnt.
Art. 36.1 Arbeitsgesetz (ArG) 

Als Familienpflichten gelten gemäss diesem Gesetz: 

  • Die Erziehung von Kindern bis 15 Jahren
  • Die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger oder nahe stehende Personen

Im letzten Fall müssen Arbeitnehmende die Enge der Beziehung zwischen der pflegebedürftigen, nahe stehenden Person belegen.

Artikel 36 des Arbeitsgesetzes (ArG) legt besondere Bedingungen für die Beschäftigung von betroffenen Arbeitnehmenden fest:

  • Arbeitgebende haben bei der Festsetzung der Arbeits- und Ruhezeit auf Arbeitnehmende mit Familienpflichten besonders Rücksicht zu nehmen
  • Arbeitnehmende mit Familienpflichten dürfen nur mit ihrem Einverständnis zu Überzeitarbeit herangezogen werden
  • Auf ihr Verlangen ist ihnen eine Mittagspause von mindestens anderthalb Stunden zu gewähren

Regelung von kurzer Abwesenheit

Im Arbeitsgesetz (Artikel 36 Absatz3 ArG.) ist festgehalten, dass ein Elternteil gegen Vorlage eines Arztzeugnisses bis zu drei Tage zu Hause bleiben kann, wenn das Kind gesundheitsbedingt Betreuung benötigt. Dies gilt zurzeit allerdings nur für Eltern mit Kindern bis 15 Jahre. 

Das neue Bundesgesetz sieht vor, den Anspruch auf kurzzeitige Abwesenheit aufgrund von Krankheit oder Unfall von Familienmitgliedern auf verwandte und nahestehende erwachsene Personen auszuweiten. Voraussetzung ist auch hierfür ein Arztzeugnis.

Regelung von längerer Abwesenheit und Betreuungsurlaub

Eine Regelung für langfristigere Abwesenheit gibt es heute einzig für Eltern für die Betreuung eines schwer erkrankten Kindes. 

Das neue Bundesgesetz, regelt einen bezahlten Betreuungsurlaub für Eltern schwerkranker oder verunfallter Kinder von maximal 14 Wochen. Der Lohnausfall würde durch das Erwerbsersatzgesetz versichert (analog Mutterschaftsurlaub oder Lohnausfall von Armeedienstleistenden). 

Für eine längere Abwesenheit von Arbeitnehmenden, welche beispielsweise ihren Partner oder ihre Eltern pflegen, müssen individuelle Lösungen gesucht werden.

Individuelle Lösungen

Weil Dauer, Verlauf und Aufwand einer Pflege oder Betreuung nur selten absehbar sind, sind individuelle Lösungen eine grosse Hilfe. Moderne und soziale Arbeitgebende unterstützen ihre Mitarbeitenden proaktiv.

  • Bieten Sie alternative Arbeitszeitmodelle an
  • Prüfen Sie, ob das Pensum vorübergehend reduziert werden kann
  • Klären Sie, ob Home-Office-Lösungen möglich sind
  • Sprechen Sie Sitzungstermine vorab mit dem betroffenen Arbeitnehmenden ab
  • Klären Sie, ob kurzfristige Absenzen im Team abgefangen werden können
  • Machen Sie den Bezug von unbezahlten Ferien möglich
  • Sensibilisieren Sie Vorgesetzte und Teamleitende zu diesem Thema
  • Schulen Sie Ihre Personal-Fachkräfte laufend in den Bereichen Sozialberatung und kantonalen Regelungen – sie können betroffene Arbeitnehmende besser beraten und bei Antragsverfahren unterstützen
  • Manche Unternehmen unterstützen ihre Mitarbeitenden mit Kinderbetreuungslösungen. Prüfen Sie, ob sich analog diesem Modell eine Partnerschaft mit einem Seniorenbetreuungsdienst finden lässt

Tipps, Hilfsmittel und Tools

Das Programm «Work & Care» des Careum und der Kalaidos-Fachhochschule Schweiz hat für Arbeitnehmende und Arbeitgebende eine Plattform erstellt. Diese umfassten Angaben zu Hilfsmitteln und Informationen rund um das Thema Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Pflege und Betreuung von Angehörigen.