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Hochjagd 2013

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Gute Strecken bei Hirsch und Gämse sorgten trotz einer eher bescheidenen Rehjagd für weitgehend zufriedene Bündner Jägerinnen und Jäger, allerdings mit regionalen Unterschieden. Eine Sonderjagd zur Erfüllung der Abschusspläne ist beim Hirsch in fast allen Regionen notwendig, beim Reh nur noch in stark eingeschränktem Masse.

Die erste Jagdwoche war von fast sommerlichem Wetter geprägt. Eine kurze Schlechtwetterphase sorgte bei der Wiederaufnahme der Hochjagd für etwas Schnee oberhalb der Waldgrenze. Im ganzen Kanton waren aussergewöhnlich gute Äsungsverhältnisse bis Ende September vorhanden. Dies führt erfahrungsgemäss dazu, dass insbesondere das Hirschwild den Schweizerischen Nationalpark und andere Wildschutzgebiete für die Nahrungsaufnahme nicht verlassen muss.

Im langjährigen Vergleich sind eine durchschnittliche Strecke bei der Hirsch- und Rehjagd, sowie eine gute Gämsjagd zu verzeichnen. 5289 Jäger und 180 Jägerinnen haben an der Bündner Hochjagd 2013 teilgenommen. 

Hirschjagd - guter Jagdstart
Trotz nicht idealen Bedingungen für die Hirschjagd wurde auf der Bündner Hochjagd ein durchschnittliches Resultat erreicht. Wesentlich zu diesem Ergebnis hat der gute Abschuss in der ersten Jagdwoche beigetragen. Gute Sommerweiden und verschiedene Störaktionen vor Jagdbeginn dürften wesentlich zu einer guten Verteilung des Rotwildes und damit zum guten Resultat der ersten Jagdwoche beigetragen haben. Der weitere Verlauf der Hirschjagd ist regional unterschiedlich ausgefallen.
Mit 1722 Hirschstieren und 1329 Hirschkühen ist die Strecke bezüglich des Geschlechterverhältnisses nicht ausgeglichen. Die Steuerung der Grösse der Hirschbestände erfolgt jedoch prioritär über den Abschuss weiblicher Tiere. Mit der Herbstjagd soll je nach regionalem Bedarf der noch notwendige Eingriff vorwiegend im weiblichen Populationsanteil erfolgen. 

Mit verschiedenen Konzepten wurde versucht, grosse Ansammlungen von Hirschwild in Wildschutzgebieten aufzulösen. Verschiedene Aktionen zeigten Erfolg, andere weniger. Allerdings lässt sich auch damit weder das schwierige Problem der Bejagung der Hirsche aus dem Schweizerischen Nationalpark noch das Problem der erst im Spätherbst zuwandernden Hirsche aus den benachbarten Kantonen bzw. angrenzenden Ländern lösen. 

Rehjagd - mässig
Das Resultat der Rehjagd mit 2293 erlegten Rehen ist tiefer als erwartet. Die in manchen Regionen doch recht guten Rehbestände haben ein besseres Resultat erwarten lassen. Über 1700 Rehe mussten im letzten Fallwildjahr (bis Ende Mai 2013) als Kadaver registriert werden. Mit 1390 erlegten Rehböcken liegt die Strecke deutlich hinter den beiden Vorjahresergebnissen zurück. In Südbünden ist die Rehjagd deutlich besser ausgefallen als in Nordbünden.
An den letzten beiden Jagdtagen wurden im Engadin, Münstertal und Bergell 25 Rehkitze erlegt. 
 
Gute Gämsjagdstrecke
Mit 2839 Gämsen wurden etwas weniger Tiere erlegt als im Vorjahr, trotz der Verlängerung der Jagd auf Geissen von 13 auf 17 Tage. Dazu haben verschärfte Vorschriften beigetragen. Damit liegt die Strecke im angepeilten Bereich. Die Dichte der Gämsbestände zeigt grosse regionale Unterschiede. Der Jagddruck ist in gut begehbaren Gebieten sehr hoch, in abgelegen Gebieten hingegen deutlich geringer. Mit dieser vorsichtigen Strategie soll vermieden werden, dass die Jagd eine negative Entwicklung der Gämsbestände mitverursacht.
In einigen Regionen mussten einzelne Fälle von Gämsblindheit registriert werden. 
 
  Total männlich weiblich Geschlechterverhältnis
Hirsch 3051 (2831) 1722 (1549) 1329 (1282) 1 : 0.77 (0.83)
Reh 2293 (2511) 1390 (1502) 903 (1009) 1 : 0.65 (0.67)
Gämse 2839 (3012) 1419 (1504) 1420 (1508) 1 : 1.00 (1.00)
Wildschwein 14 (13) 5 (8) 9 (5)  
Total Schalenwild: 8197 (8367) Murmeltiere: 4621 (4834)  

Hohe Hirschbestände erfordern konsequente Umsetzung der Jagdplanung
Die hohen Hirschbestände erfordern mit Ausnahme des Bergells in allen Regionen des Kantons die Durchführung einer Herbstjagd auf Hirschwild. Der Abschussplan liegt in der Grössenordnung des Vorjahres. Allerdings gibt es mehrere Regionen in denen die Herbstjagd deutlich geringer ausfällt als auch schon. Grosse Herbstjagden sind einmal mehr in der Umgebung des Schweizerischen Nationalparks notwendig. Ebenso in den beiden Regionen Herrschaft-Seewis und Vorderprättigau, wo aufgrund der schlechten Verjüngungssituation im Wald eine Reduktion des Hirschbestandes angestrebt wird. Einmal mehr zeigt sich auch die Notwendigkeit, in einer zweiten Jagdphase regionale Unterschiede ausgleichen zu können.
Besondere Massnahmen sind aufgrund der in jüngster Zeit bei Rindern und Hirschwild im Vorarlberg festgestellten Tuberkulosefälle angezeigt. Im Auftrag des Kantonstierarztes werden während der Sonderjagd alle mehrjährigen Hirsche aus dem Prättigau auf das Vorkommen von Tuberkulose untersucht.

In mehr als der Hälfte der Regionen wurde der Rehabschussplan während der Hochjagd bereits erfüllt. Beim Reh konzentrieren sich die noch erforderlichen Eingriffe vor allem auf Gebiete entlang des Alpenhauptkammes.

Hirsch- und Rehbestände zeichnen sich im Gegensatz zum Gäms- und Steinwild durch eine hohe Reproduktionsleistung aus. Bei diesen beiden Arten wächst der Bestand jährlich um gut einen Drittel des Frühlingsbestandes an. Dies bedeutet beim Hirsch einen jährlichen Zuwachs von rund 5000 Tieren. Entsprechend hoch muss die jährliche Entnahme sein, um mindestens eine Stabilisation der Bestände im Kanton zu erreichen. Die Herbstjagd hat zum Ziel, die Wildbestände an ihre Wintereinstände anzupassen. Damit wird die wichtigste Hegemassnahme umgesetzt, nämlich die Anpassung der Bestandesgrösse an die Kapazität des Lebensraumes.

Für die Herbstjagd haben sich 2450 Jägerinnen und Jäger angemeldet, mehr als je zuvor. Diese erfüllen mit der Anpassung der Wildbestände an ihre Wintereinstände eine wichtige Aufgabe. Durch eine konsequente Bejagung können die Fallwildverluste im Winter reduziert werden, zudem lassen sich Schäden am Wald und an landwirtschaftlichen Kulturen beschränken bzw. verhindern.


Auskunftsperson:
Dr. Georg Brosi, Vorsteher Amt für Jagd und Fischerei Graubünden, Tel. 081 257 38 92, E-Mail Georg.Brosi@ajf.gr.ch  


Gremium: Amt für Jagd und Fischerei
Quelle: dt Amt für Jagd und Fischerei
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