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Ergebnisse der PCB-Messungen in den Bündner Flüssen

Das Amt für Natur und Umwelt hat im November 2017 über das ganze Kantonsgebiet in den grossen Talflüssen Untersuchungen des organischen Schadstoffs PCB durchgeführt. Anlass dafür war die Verschmutzung des oberen Spöl mit PCB, welche im Anschluss an einen Vorfall vom September 2016 während Sanierungsarbeiten an der Staumauer Punt dal Gall (Livignostausee) entdeckt wurde. Die Untersuchungen zeigten, dass die im Oberen Spöl vorgefundenen PCB-Belastungen deutlich höher sind als in allen anderen jetzt untersuchten Gewässern. Beim grössten Teil der untersuchten Gewässerstrecken liegen die gefundenen PCB-Werte auf dem tiefen Niveau einer Hintergrundbelastung. An einzelnen Gewässerabschnitten wurden jedoch Indizien für eine erhöhte PCB-Belastung gefunden. Obwohl auch von diesen erhöhten PCB Gehalten im Wasser keine direkte Gefahr ausgeht, gilt es jetzt, die Ursachen dafür näher abzuklären.

27 Standorte auf PCB untersucht

Untersucht wurde das im Wasser der Fliessgewässer gelöste PCB. Dieses wurde an 27 Standorten in den grösseren Flüssen im Kanton Graubünden mittels sogenannter Passivsammler der EMPA gemessen. Die Passivsammler nehmen während ihres Einsatzes von einem Monat im Gewässer PCB aus dem Wasser auf. Im Labor der EMPA wurden anschliessend die sogenannten Indikator-PCB (i-PCB) und die besonders schädlichen dioxinähnlichen PCB (dl-PCB) analysiert.

Spitzenbelastung im Oberen Spöl bestätigt, erhöhte Werte in Vorderrhein, Plessur und Inn

Im Wasser des Oberen Spöl wurden wie erwartet die höchsten Werte gemessen. Von den übrigen Flüssen wurden im Vorderrhein unterhalb von Ilanz, in der Plessur oberhalb von Langwies bei Litzirüti und im Inn unterhalb von Martina erhöhte Konzentrationen der Indikator-PCB festgestellt. An den übrigen untersuchten Abschnitten waren die gemessenen Werte auf tiefem Niveau, was bedeutet, dass in diesen Abschnitten derzeit keine relevanten Mengen an PCB in die Nahrungskette gelangen.

Keine Gefährdung vom Menschen durch den direkten Kontakt mit dem Wasser

Aufgrund der im Wasser gemessenen Konzentrationen besteht keine direkte Gefährdung von Menschen. Die ausserhalb des Spöl höchste gemessene Konzentration wurde unterhalb von Ilanz festgestellt. Dort betrug der Wert der Indikator-PCB 0.76 Milliardstel Gramm pro Liter Wasser (Nanogramm pro Liter, ng/l, was einer Gesamtmenge aller 208 PCB von etwa 3.3 ng/l entspricht.

In der Schweiz nimmt ein Mensch jeden Tag durchschnittlich drei bis vier Millionstel Gramm (4 Mikrogramm) PCB auf. Die Menge von vier Mikrogramm  würde man bei der Konzentration von 4 ng/l in ca. 1000 l Wasser finden. 24–60 Mikrogramm PCB entspricht der Menge, welche die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Menge definiert hat, die von Menschen täglich während des ganzen Lebens aufgenommen werden kann, ohne dass Schädigungen zu erwarten sind. 24 Mikrogramm PCB (entspricht 24 000 ng) würden in ca. 6000 l Wasser gefunden werden.

Bei der höchsten im oberen Spöl gemessenen Konzentration von Indikator-PCB (2.8 ng/l) beträgt die Konzentration an gesamtem PCB rund 12 ng/l. Die Menge von 4 Mikrogramm, die der durchschnittliche Schweizer täglich aufnimmt, würde man dort in ca. 300 l Wasser finden.

Die Gefährlichkeit für Menschen durch PCB besteht durch die Anreicherung in den Fischen

PCB kommen fast überall in der Umwelt vor, jedoch nur als Mikroverunreinigungen. Die Gefährlichkeit von PCB für Menschen besteht deshalb nicht durch den direkten Kontakt mit Wasser oder der Umwelt. Erst aufgrund der Anreicherung in Nahrungsmitteln wie z.B. in Fischen, können sich PCB nach deren häufigen Verzehr im Körper der Menschen ebenfalls so stark anreichern, dass sie schädlich sind.

Aus diesem Grund gibt es Höchstwerte für Lebensmittel wie z. B. "wild gefangene Fische", welche durch die Lebensmittelgesetzgebung vorgegeben sind (Verordnung des EDI über die Höchstgehalte für Kontaminanten vom 16. Dezember 2016; Kontaminantenverordnung, VHK, SR 817.022.15).

In den vom Kanton im Jahr 2017 auf PCB untersuchten Fischen sind diese Höchstwerte bei den Fischen im Oberen Spöl, der direkt durch den PCB-Unfall betroffen ist, überschritten worden. Aus diesem Grund besteht seit 2017 in den betroffenen Gewässerabschnitten des Spöls, als auch vorsorglich im Lai da Ova Spin ein Fangverbot für Fische.

Bei den untersuchten Fischen in den übrigen Gewässern wurden keine Überschreitungen der Höchstgehalte festgestellt.

Weitere Untersuchungen an den Abschnitten mit erhöhten Werten

An den Gewässerabschnitten, an denen erhöhte PCB-Werte im Wasser gefunden wurden, werden im Verlaufe des Jahre 2018 ergänzende Untersuchungen vorgenommen, um die Quelle des PCB zu identifizieren. Das betrifft insbesondere die Gewässer Vorderrhein unterhalb Ilanz sowie die Plessur unterhalb Litzirüti.

Dokumente

KurzformTitelDatumTyp
ANU-406-90dMessungen des Schadstoffes PCB in den Bündner Flüssen im November 201728.03.2018
ANU-406-91dGrundlagen zum Thema PCB28.03.3018