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Mit POLYCOM beginnt ein neues Funkzeitalter

Der Kanton Graubünden hat am Montag, 3. September 2012 das neue Sicherheitsfunknetz POLYCOM Graubünden in Betrieb genommen. Damit geht eine zehnjährige Planungs- und Aufbauphase zu Ende. Mit der Inbetriebnahme von POLYCOM in Graubünden bricht für den Kanton eine neue Kommunikationsära an.

Das neue Sicherheitsfunknetz POLYCOM wurde am Montag an einer Medienorientierung vorgestellt. Anschliessend übergab Regierungsrat Christian Rathgeb, Vorsteher des Departements für Justiz, Sicherheit und Gesundheit, POLYCOM dem Kommandanten der Kantonspolizei Graubünden, Walter Schlegel, für den operativen Betrieb. Die Kantonspolizei nutzt als erste kantonale Organisation das neue Funksystem. Die weiteren Partner werden in den nächsten Monaten schrittweise hinzukommen.

Ein grosser Schritt für die Bündner Bevölkerung
Regierungsrat Rathgeb verglich die Inbetriebnahme von POLYCOM in Graubünden mit der ersten Mondlandung. Wie für Neil Armstrong sei es auch für ihn ein kleiner Schritt, aber ein grosser Sprung für die Bevölkerung des Kantons Graubünden. "Erstmals können alle Partner des Bevölkerungsschutzes organisationsübergreifend miteinander kommunizieren", sagte Rathgeb am Montag vor den Medien. Bis jetzt nutzte die kantonale Verwaltung fünf verschiedene Funknetze. Die Rettungsdienste, das Grenzwachtkorps (GWK) und weitere im Kanton tätige Organisationen hatten eigene Funksysteme. Mit POLYCOM kommunizieren nun alle Organisationen über dasselbe System und bei einem Grossereignis können die eingesetzten Partner jederzeit mit den übrigen Partnern in Verbindung treten und sind entsprechend laufend über das Geschehen informiert.

Basis ist ein eigenes Funknetz
Mit POLYCOM sind 92 Prozent der Kantonsfläche funktechnisch erschlossen und dies unabhängig vom öffentlichen Mobilfunknetz. Um diese hohe Abdeckung sicherzustellen, wurden 90 Basisstationen realisiert. Auch in 29 Tunnels entlang der Kantons- und Nationalstrassen ist der Funkempfang sichergestellt worden. Durch dieses Funknetz konnten mehrere kommunale, kantonale und bundeseigene Funknetze abgelöst werden. Dies optimiert den Betrieb und reduziert entsprechend die Kosten für den Unterhalt des Systems. Betrieben wird POLYCOM vom Kompetenzzentrum Funk der Kantonspolizei Graubünden. Die Funkkommunikation in diesem Sicherheitsfunknetz ist mehrstufig verschlüsselt. Es ist somit nicht möglich, ein Gespräch auf dem Übertragungsweg abzuhören. Das mit allen beteiligten Organisationen gemeinsam erarbeitete Funkkonzept gewährleistet jedoch, dass im Ereignisfall bedarfsgerecht miteinander kommuniziert werden kann.

GWK als wichtiger Partner
Zufrieden äusserte sich am Montag auch Walter Schlegel. "Als Kommandant der Kantonspolizei Graubünden ist es mir eine grosse Ehre und Freude, POLYCOM heute als erste kantonale Organisation in Betrieb nehmen zu dürfen", sagte er und betonte die Bedeutung der gemeinsamen Funkkommunikation zur Ereignisbewältigung. "Dies erlaubt eine effiziente Zusammenarbeit und generiert einen echten Mehrnutzen." Auch Grossanlässe wie die Ski-WM oder das jährlich wiederkehrende WEF in Davos könnten in Zukunft wesentlich einfacher und kosteneffizienter vorbereitet und durchgeführt werden. Das GWK als grösster Betreiber der POLYCOM-Infrastruktur in der Schweiz konnte vom Kanton als Partner für den Aufbau und den Betrieb von POLYCOM im Kanton gewonnen werden. Wesentliche Teile des Sicherheitsfunknetzes POLYCOM Graubünden wurden durch das GWK erstellt und finanziert. Das GWK beteiligt sich weiter auch an den Betriebskosten des bei der Kantonspolizei angesiedelten Kompetenzzentrums POLYCOM Graubünden. Dem Kompetenzzentrum obliegt die Sicherstellung des Betriebs und der Unterhalt des Funknetzes. Durch die Zusammenarbeit mit dem GWK konnten und können seitens des Kantons in erheblichem Umfang Investitions- wie auch Betriebskosten eingespart werden.

145 Franken pro Einwohner
Der Startschuss zum Projekt POLYCOM in Graubünden erfolgte im Januar 2004, als die Bündner Regierung mit einem Regierungsbeschluss die Verantwortlichkeiten, die Projektorganisation und die Grobtermine festlegte. Am 23. April 2009 stimmte der Grosse Rat mit 93 zu 0 Stimmen einem POLYCOM-Verpflichtungskredit über 55 Millionen Franken zu. Damit war der Grundstein für die Realisierung des Sicherheitsfunknetzes im Kanton gelegt. Mit Genugtuung konnte Regierungsrat Rathgeb an der Medienorientierung vom Montag festhalten, dass trotz der langen Projektdauer von zehn Jahren die bewilligten Nettoausgaben von 27,5 Millionen Franken nicht überschritten werden. "Auf die einzelne Einwohnerin und den einzelnen Einwohner entfallen damit 145 Franken. In Anbetracht des mit dem Sicherheitsfunknetz POLYCOM verbundenen Nutzens ist dieser bescheidene Betrag gut investiert", sagte Rathgeb und dankte allen Organisationen und Unternehmen, die an der Ausarbeitung der Entscheidungsgrundlagen und an der Realisierung des Sicherheitsfunknetzes POLYCOM Graubünden beteiligt waren und noch sind.


Was ist POLYCOM?
POLYCOM ist das nationale Funksystem der Behörden und Organisationen für Rettung und Sicherheit BORS, das in der Schweiz schrittweise aufgebaut wird. Es ermöglicht den Funkkontakt innerhalb und zwischen den verschiedenen Organisationen Polizei, Feuerwehr, sanitätsdienstliches Rettungswesen, technische Betriebe der Gemeinden, Zivilschutz, Grenzwacht und unterstützende Verbände der Armee. Ziel des Projekts ist es, dass sämtliche Partner des Bundes, der Kantone und der Gemeinden Funkge-spräche über eine einheitliche und homogene Infrastruktur übertragen können. Die Kantone erstellen die Teilnetze unter Berücksichtigung der Vorgaben des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz eigenständig nach ihren Bedürfnissen. Der Bund beteiligt sich massgeblich an den Investitionen und am Unterhalt.
Weitere Informationen unter www.polycom.admin.ch und www.polycom.gr.ch.


Hinweis:
Zu diesem Thema ist unter www.gr.ch ein Video aufgeschaltet.


Auskunftsperson:
Regierungsrat Christian Rathgeb, Vorsteher Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit, Tel. 081 257 25 01


Gremium: Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit
Quelle: dt Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit