Navigation

Inhaltsbereich

  • Erste Mitteilung
  • Neuen Beitrag einfügen

Biologische Herstellung, regionale Verarbeitung, traditionelle Betriebe und innovative Produkte – die Bündner Landwirtschaft mit ihren regional verarbeiteten Produkten weist eine gute Ausgangslage im Hinblick auf die künftigen Herausforderungen auf. Das zeigt der im Auftrag des Amts für Landwirtschaft und Geoinformation erarbeitete Bericht «Landwirtschaftliche Produkte aus Graubünden».

Im Jahr 2012 hat der Kanton gestützt auf die zwei Berichte «Fleisch-Milch-Käse Graubünden Phase I» vom Januar 2010 und «Land- und Ernährungswirtschaft Graubünden» vom September 2011 ein Impulsprogramm «Spezialitäten aus Graubünden» gestartet. Mit dem neuen Bericht «Landwirtschaftliche Produkte aus Graubünden» wurde im Sinn einer Aktualisierung der zwei bisherigen Berichte die Entwicklung der letzten 15 Jahre und die aktuelle Situation der landwirtschaftlichen Produktion und Verarbeitung in Graubünden analysiert. Daraus werden Erkenntnisse und Potenziale abgeleitet, um die Bündner Landwirtschaft auch für die Zukunft fit zu halten.

Anhaltende Megatrends als Chancen für die Bündner Landwirtschaft
Mehrere Konsumtrends beeinflussen die landwirtschaftliche Produktion und Verarbeitung – heute und künftig. Immer mehr Menschen legen grossen Wert auf gesunde Produkte, auf das Tierwohl und die Nachhaltigkeit, und damit auch auf Bio und Regionalität. Zwar wird öfters bewusst auf eine Reduktion tierischer Produkte gesetzt – diese Entwicklung wird jedoch durch das Bevölkerungswachstum und die steigende Kaufkraft kompensiert.

Einzelne Produktkategorien wie Pouletfleisch, Eier, Fisch oder auch Halbhartkäse verzeichnen teilweise ein starkes Wachstum, während der Konsum von Schweine- und Kalbfleisch stark rückläufig ist. Tendenziell gewinnt die biologische Landwirtschaft weiter Anteile, wenn auch in einzelnen Betriebszweigen eine Stagnation stattfindet. Die Entwicklung der Betriebe in Graubünden mit einem durchschnittlich hohen Anteil an Direktzahlungen wird aber auch künftig primär von der Ausgestaltung der nationalen Agrarpolitik abhängen. Dabei ist mit einer weiteren Ökologisierung der Landwirtschaft in der Schweiz zu rechnen. Gleichzeitig soll aber auch der Selbstversorgungsgrad hochgehalten werden.

Die weiter anhaltende Verschiebung der Konsumtrends hin zu biologischen und regionalen Produkten, die wachsende Bevölkerung in der Schweiz sowie die Weiterentwicklung der Agrarpolitik bieten Chancen für die Bündner Landwirtschaft. Gegen zwei Drittel der Betriebe produzieren nach biologischen Richtlinien. Die auch vom Kanton geförderten lokalen Verarbeitungsstrukturen bietet den Landwirtschaftsbetrieben Optionen für die Ausrichtung der eigenen Produktion und eine höhere regionale Wertschöpfung.

Graubünden – Land der Milchkuh- und Mutterkuhhaltung
Die wichtigsten Betriebszweige der Bündner Landwirtschaft bleiben die Milchkuh- und Mutterkuhhaltung. Im Jahr 2023 zählten rund 1100 Betriebe (rund 53 %) in Graubünden zur Kuhmilchwirtschaft mit insgesamt 15 000 Milchkühen. Seit 2011 haben die Anzahl Milchkühe, die dafür eingesetzte Fläche und die dazugehörigen Arbeitsplätze um rund einen Sechstel abgenommen – die Anzahl Bio-Milchkühe blieb aber mehr oder weniger konstant. Auch die totale Milchmenge konnte dank Produktivitätssteigerungen und struktureller Konzentration fast gehalten werden.

Mit dem Rückgang der Milchkühe in den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Mutterkühe gestiegen. Dies bestätigt den Trend zur Umstellung von Kuhmilch- auf Rindfleischproduktion. Im Jahr 2023 zählte Graubünden rund 970 Betriebe, die Rinder zur Fleischproduktion hielten (47 %). Zusammen halten sie insgesamt 13 000 Mutterkühe, wobei etwa 75 Prozent der Produktionsflächen auf Bio-Betriebe entfällt.

Die regionalen Käsereien konnten sich etablieren und haben eine hohe Innovationskraft gezeigt. Insbesondere wurden die Sortimente an Molkereiprodukten ausgeweitet. Das regionale Absatzpotenzial bei Einwohnerinnen und Einwohnern sowie Gästen wird zu einem hohen Anteil ausgeschöpft. Das Absatzpotenzial für halbharten Käse aus Graubünden scheint intakt und leicht steigend. Hingegen wird Fleisch nach wie vor hauptsächlich als lebende Tiere aus dem Kanton verkauft. In Graubünden erfolgen die Schlachtung und Verarbeitung primär für den regionalen Absatz.

Schlussfolgerungen
Der Bericht «Landwirtschaftliche Produkte aus Graubünden» zeigt neben der Entwicklung der letzten 15 Jahre das Potenzial auf: so wäre eine verstärkte Vermarktung von Bündner Markenkäse in der Deutschschweiz erstrebenswert – insbesondere, weil Graubünden als Tourismuskanton über eine grosse Bekanntheit verfügt. Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass die Milchproduktion in gewissen Regionen nicht unter eine kritische Grösse fällt. Andernfalls besteht die Gefahr, dass lokale Käsereien nicht mehr betrieben werden könnten.

Insgesamt hält der Bericht fest, dass die regionalen Käsereien in den vergangenen zehn Jahren grosse Innovationskraft gezeigt und ihr Sortiment an Käse- und Molkereiprodukten erweitert und differenziert haben. Die Unterstützung solcher regionalen Verarbeitungsbetriebe als Einzelprojekte oder eingebettet in Projekte zur regionalen Entwicklung hat sich bewährt. Diese Investitionen gilt es im regionalen Kontext zu sichern.

Nicht nur im Bereich Milch, sondern auch im Bereich Fleisch erscheint die Strategie der Sicherung von lokalen Verarbeitungsstrukturen weiterhin als zielführend. Dies insbesondere, weil damit die regionale Nachfrage über direkte Kanäle gedeckt werden kann und die Analyse zeigt, dass diese Potenziale auch gut genutzt werden.

Das Amt für Landwirtschaft und Geoinformation (ALG) lässt die Analysen, die neuen Erkenntnisse sowie die Empfehlungen aus dem Bericht in seine künftige kantonale Förderpolitik einfliessen, eingebettet in die künftige nationale Agrarpolitik. Wie damals im Rahmen des Impulsprogramms können mit den kantonalen eigenständigen landwirtschaftlichen Massnahmen in Berücksichtigung der Besonderheiten der Bündner Landwirtschaft gezielt Schwerpunkte gesetzt werden.

Beilagen:

Auskunftsperson:

Daniel Buschauer, Leiter Amt für Landwirtschaft und Geoinformation, Tel +41 81 257 24 31 (erreichbar von 11.00 bis 12.00 Uhr), E‑Mail Daniel.Buschauer@alg.gr.ch


zuständig: Amt für Landwirtschaft und Geoinformation

Neuer Artikel