Am 21. Juni 2024 traf ein schweres Unwetter das Misox. Die vorliegende kantonale Ereignisanalyse des Amts für Wald und Naturgefahren (AWN) zeigt, welche möglichen Ursachen zu den Ereignissen geführt haben und wo Handlungsbedarf besteht. Gleichzeitig liefert die Analyse wichtige Grundlagen und konkrete Empfehlungen für den zukünftigen Umgang mit Naturgefahren.
Das Unwetter vom 21. Juni 2024 im Misox wurde durch das Zusammenspiel mehrerer ungünstiger Faktoren ausgelöst: ein sehr nasser Frühling, eine späte und intensive Schneeschmelze, die daraus resultierende hohe Bodenfeuchte sowie lokal stark ausgeprägte Gewitter. Diese Kombination führte zu zahlreichen Murgängen in den Seitenbächen der Moesa und zu erheblichen Schäden in den Gemeinden Lostallo, Soazza und Grono. Die Nord-Süd-Verbindung über den San Bernardino war während rund zwei Wochen unterbrochen. Besonders betroffen war das Gebiet der Rià de la Molera bei Lostallo, wo es zu einem tragischen Ereignis mit zwei Todesopfern und einer vermissten Person kam.
Kein Extremereignis – aber komplexe Wechselwirkungen
Trotz der grossen Schäden wurde das Ereignis nicht als Extremereignis eingestuft, wie die ausführliche Analyse des Amts für Wald und Naturgefahren zeigt. Intensität, räumliche Ausdehnung und Prozessarten liegen im Bereich vergleichbarer historischer Ereignisse.
Die Wiederkehrperiode wird für das gesamte Tal auf rund 100 Jahre geschätzt, bei einzelnen Seitenbächen auf 30 bis 300 Jahre. Entscheidend war nicht allein die Niederschlagsmenge, sondern das gleichzeitige Auftreten mehrerer kritischer Faktoren wie Schneeschmelze und hohe Vorfeuchte. Die Analyse zeigt zudem, dass Wechselwirkungen zwischen Seitenbächen und der Moesa sowie daraus resultierende Rückstauprozesse bisher teilweise unterschätzt wurden. In einzelnen Fällen stiessen Schutzbauten an ihre Kapazitätsgrenzen, wodurch ihre Wirkung lokal eingeschränkt war.
Gefahrenkarten: insgesamt richtig – im Detail zu optimistisch
Die Überprüfung der Gefahrenkarten ergibt ein differenziertes Bild. Die räumliche Ausdehnung der Gefahren wurde meist gut erfasst. Bei Intensitäten und Geschiebemengen zeigen sich jedoch teilweise deutliche Unterschätzungen. Die methodische Grundlage der Gefahrenbeurteilung wird durch die Analyse bestätigt. Gleichzeitig zeigt sie gezielten Verbesserungsbedarf – insbesondere bei der Berücksichtigung von Prozesskombinationen, Grossblöcken, Rutschungen sowie der langfristigen Entwicklung der Gerinne. Diese Erkenntnisse fliessen bereits in die laufende Überarbeitung der Gefahrenkarten ein. Derzeit werden die Gefahrenkarten von über 90 Seitenbächen sowie der Moesa überarbeitet. Die Arbeiten sollen bis Ende 2026 abgeschlossen werden; ein Grossteil davon ist bereits umgesetzt.
Schnelle Bewältigung dank Zusammenarbeit
Die Bewältigung des Ereignisses erfolgte dank enger Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Kanton und Bund schnell und koordiniert. Sofortmassnahmen konnten rasch umgesetzt und notwendige Bewilligungen pragmatisch nachgeführt werden. Eine innovative Lösung war die Deponie «Gagna de Sort», die gleichzeitig als Schutzdamm gegen Murgänge dient.
«Die Bewältigung dieses Ereignisses zeigt, wie wichtig die enge Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Kanton und Bund ist. Dank der schnellen Entscheidungen des Kantons konnten Sofortmassnahmen rasch umgesetzt und wichtige Infrastrukturen gesichert werden. Das war entscheidend für die rasche Stabilisierung der Lage und den Wiederaufbau», sagt Kantonsförster Urban Maissen, Leiter des Amts für Wald und Naturgefahren.
Erkenntnisse fliessen bereits in konkrete Massnahmen ein
Die Analyse zeigt klar: Naturgefahren im Misox bleiben ein relevantes Risiko und können sich durch die klimawandelbedingten Veränderungen weiter verstärken. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass aus dem Ereignis wichtige Lehren gezogen wurden. Empfehlungen betreffen unter anderem die bessere Berücksichtigung von Vorfeuchte und Schneeschmelze sowie die genauere Abschätzung von Geschiebefrachten. Auch die frühzeitige Planung von Ressourcen, Deponieraum und Krisenkommunikation soll weiter gestärkt werden.
Viele Erkenntnisse sind bereits in Umsetzung – darunter Sofortmassnahmen, die Aktualisierung der Gefahrenkarten sowie die Planung zusätzlicher Schutzprojekte in besonders gefährdeten Gebieten. «Damit leistet die Ereignisanalyse einen wichtigen Beitrag, um Bevölkerung, Siedlungen und Infrastrukturen im Misox künftig noch besser vor Naturgefahren zu schützen», sagt Urban Maissen.
Beilage:
Unwetter Misox Juni 2024, Kantonale Ereignisanalyse, AWN 2026.
Auskunftspersonen:
- Urban Maissen, Kantonsförster, Amt für Wald und Naturgefahren, Tel. +41 81 257 38 51 (erreichbar von 10.30 bis 11.30 Uhr), E-Mail Urban.Maissen@awn.gr.ch
- Kathrin Niederer, Sachbearbeiterin Naturgefahren, Amt für Wald und Naturgefahren, Tel. +41 81 257 38 75 (erreichbar von 10.30 bis 11.30 Uhr), E-Mail Kathrin.Niederer@awn.gr.ch
zuständig: Amt für Wald und Naturgefahren