Das Tiefbauamt Graubünden untersucht derzeit mit umfangreichen geologischen Abklärungen den Untergrund entlang des geplanten Tunnelverlaufs am Silsersee. Im Zentrum stehen 25 Sondierbohrungen mit Tiefen von bis zu 140 Metern. Die Ergebnisse schaffen wichtige Grundlagen für die technische Machbarkeit und die weitere Projektierung des Tunnels Silsersee.
Das Tiefbauamt (TBA) führt entlang des geplanten Tunnelverlaufs insgesamt 25 Sondierbohrungen durch. Die Bohrungen reichen je nach Standort zwischen 30 und maximal 140 Meter tief in den Untergrund. So kann das TBA die Eigenschaften im Berginnern am Ort des geplanten Tunnels erkunden. «Die Erkenntnisse aus den Untersuchungen sind entscheidend, um die technische Machbarkeit des Tunnels fundiert beurteilen und die weitere Projektierung auf eine verlässliche Grundlage stellen zu können», erläutert Kantonsingenieur Reto Knuchel.
Bohrungen zeigen die beste Lage des zukünftigen Tunnels
Neben dem Verlauf der Felsgrenze untersucht das TBA mit den Bohrungen auch den Aufbau und die Lagerung der Lockergesteine sowie die Grund- und Bergwasserverhältnisse.
Zum aktuellen Zeitpunkt ist der Tunnel Silsersee etwa auf dem gleichen Höhenniveau wie das heutige Trassee der Malojastrasse vorgesehen. Wenn die Ergebnisse zeigen, dass der Tunnel in bautechnisch günstigem Fels zu liegen kommt, wäre der Bau deutlich einfacher und damit auch günstiger als im losen Gehängeschutt. Sollten die Sondierbohrungen jedoch zeigen, dass auf der geplanten Linienführung mit Lockergesteinsstrecken zu rechnen ist, wird das TBA eine Verschiebung des Tunnels tiefer ins Berginnere prüfen.
Arbeiten an exponierten Standorten laufen noch bis Ende Herbst 2026
Die Bohrarbeiten erfolgen je nach Standort mit Raupenbohrgeräten oder stationären Bohranlagen. Die kürzeren Bohrungen im Bereich der beiden Portale bei Sils/Föglias (Portal Ost) und Plaun dal Crot (Portal West) konnten in vergangenen zwei Monaten bereits abgeschlossen werden.
Noch im Gang sind die längeren Bohrungen an teilweise abgelegenen und exponierten Standorten. Die geologischen Untersuchungen sollen voraussichtlich im Herbst 2026 abgeschlossen werden.
Langfristige Sicherung der Malojastrasse
Die aktuellen Untersuchungen bedeuten noch keinen Baubeginn des Tunnels Silsersee. Das TBA schafft damit vielmehr die notwendigen Kenntnisse über den Untergrund, um die technische Machbarkeit und die weiteren Projektschritte fundiert beurteilen zu können.
Die Abklärungen stehen im Zusammenhang mit der langfristigen Sicherung der Malojastrasse. Entlang des Silsersees besteht insbesondere im Winter eine Gefährdung durch Lawinen, im Sommer durch Rüfen sowie Stein- und Blockschlag. In den vergangenen Jahren musste die Strasse deshalb wiederholt für mehrere Stunden gesperrt werden.
Mit dem geplanten Tunnel soll die Strassenverbindung künftig dauerhaft aus dem gefährdeten Bereich verlegt werden. Ziel ist eine langfristig sichere und möglichst ganzjährig verfügbare Verbindung entlang des Silsersees.
Fotobeilagen:
Bild 1: Bohrarbeiten mit schweren Maschinen für tiefere Bohrungen in steilem, unwegsamem Gelände.
© Cédric Wellinger, Caprez Ingenieure AG, Silvaplana
Bild 2: Materialtransporte aus der Luft per Helikopter. Steinschlagschutznetze bergseits der Plattform für den sicheren Betrieb der Bohrarbeiten.
© Cédric Wellinger, Caprez Ingenieure AG, Silvaplana
Bild 3: Wenn immer möglich wird mit leichten Bohrgeräten auf geländeschonenden mobilen Bohrplattformen gearbeitet.
© Foto: Cédric Wellinger, Caprez Ingenieure AG, Silvaplana
Bild 4: Grafik: Geplante Linienführung des Tunnels Silsersee.
Auskunftsperson:
Reto Knuchel, Kantonsingenieur, Tiefbauamt, Tel. +41 81 257 37 01 (erreichbar von 14.00 bis 16.00 Uhr), E‑Mail Reto.Knuchel@tba.gr.ch
zuständig: Tiefbauamt