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1996

Der Grosse Rat beschliesst am 24. Mai auf Antrag der Regierung die Einrichtung der «Stabsstelle für Gleichstellungsfragen». Hintergrund bildet das Bundesgesetz über die Gleichstellung von Mann und Frau, das am 1. Juli 1996 in Kraft tritt. Als beratendes Organ der Regierung in Gleichstellungsfragen wird eine Begleit-und Impulskommission eingesetzt. Am 1. November 1996 nimmt die erste Leiterin, Rita Jerjen-Harbach, ihre Tätigkeit mit 70 Stellenprozenten auf. Der Auftrag ist, die Stabsstelle aufzubauen und die Gleichstellung in Graubünden voranzubringen, insbesondere mittels Bewusstseinsbildung und durch Stärkung des Selbstvertrauens der Frauen.

1997

Die Stabsstelle wird auf 130 Stellenprozente ausgebaut. Die Leitung bekommt Unterstützung durch eine wissenschaftliche Mitarbeiterin und eine Fachkraft Administration.

1999

Als Nachfolgerin von Rita Jerjen-Harbach übernimmt Sina Bardill die Leitung der Stabsstelle und es wird eine juristische Mitarbeiterin eingestellt. Die Stabsstelle entfaltet von nun an eine breit gefächerte Tätigkeit: Sie verfasst Vernehmlassungen zu neuen Gesetzen und Gesetzesrevisionen, berät Privatpersonen in arbeitsrechtlichen und anderen juristischen Fragen, beginnt mit der Analyse der Frauenvertretung in den Gemeinden, informiert Verwaltung und Öffentlichkeit über den Schutz vor sexueller Belästigung und betreibt aktive Vernetzung von Frauen und Frauenorganisationen.

2000

Die Stabsstelle geht online mit der eigenen Website www.stagl.gr.ch. Das von ihr entwickelte Lehrmittel PIAZZA begleitet Schulen über viele Jahre in der Gleichstellungbildung. Die Untersuchung «Frauen in den Gemeinden Graubündens» bringt den erschreckend niedrigen Frauenanteil in den Gemeindebehörden ins Bewusstsein.

2001

Das Gleichstellungsbüro feiert sein fünfjähriges Bestehen und lanciert das Forschungsprojekt «Meta – politische Partizipation von Frauen in der Gemeindepolitik Graubündens». Jährlich findet der nationale Tochtertag fortan auch in Graubünden statt, ab 2010 als nationaler Zukunftstag. Die Chancengleichheit in der kantonalen Verwaltung wird gefördert u.a. mit der Einführung der so genannten «Präferenzregel», wonach bei gleicher Qualifikation Frauenbewerbungen Kaderstellen bevorzugt werden.

2002

Mit einer Väterveranstaltung setzt die Stabsstelle neue Akzente. Erstmals beteiligt sie sich zusammen mit Vorarlberg und Liechtenstein an einem Interreg-Projekt: «Grenzen überschreiten – Grenzen setzen», einer Sensibilisierungskampagne zu Gewalt gegen Frauen in Ehe und Partnerschaft.

2003

Silvia Hofmann-Conrad übernimmt die Leitung der Stabsstelle. Im Oktober findet in Chur die erste Gemeindepräsidentinnen-Konferenz statt, an der 14 der insgesamt 18 Präsidentinnen teilnehmen. Bis zu den grossen Gemeindefusionen 2014 wird diese Veranstaltung jährlich fortgeführt. Im Dezember wird das «Bündner Interventionsprojekt gegen häusliche Gewalt» ins Leben gerufen. Das Projekt läuft bis 2011 und liefert die Grundlage für die Schaffung einer Koordinationsstelle «Häusliche Gewalt».

2004

Mit den vom Grossen Rat beschlossenen Sparmassnahmen werden die verwaltungsinterne Anlaufstelle für Gleichstellungsfragen und die Begleit-und Impulskommission aufgelöst. Damit übernimmt die Stabsstelle die verwaltungsinterne Beratung bei sexueller Belästigung. Die «Meta»-Studie «Politische Partizipation von Frauen in der Gemeindepolitik Graubündens» zeigt auf: Obwohl sich Frauen sehr für Gemeindepolitik interessieren, werden sie selten für ein Amt angefragt. Nach wie vor unterliegen Frauen den herkömmlichen Rollenvorurteilen und ihre Kandidaturen werden kritischer unter die Lupe genommen als diejenigen von Männern. Im Herbst startet das Bildungsprojekt «Chance Graubünden», das Lehrpersonen in geschlechtergerechtem Unterricht schult und ab 2008 Unterrichtseinheiten für die unterschiedlichen Berufs-und Lebensperspektiven von Mädchen und Knaben zur Verfügung stellt.

2005

Die Stabsstelle publiziert in der Broschüre «Zahlen und Fakten. Männer und Frauen.Graubünden» erstmals die statistisch belegbaren Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern in den Bereichen Bildung, Arbeit, Haushalt und Familie, Einkommen, Kinderbetreuung, Mobilität, Gesundheit und Politik. So zeigt sich etwa, dass im Kanton dreimal so viele Männer eine höhere Berufsbildung haben als Frauen und dass zwei Drittel der unbezahlten Arbeit von Frauen geleistet wird.

2006

Durch die von der Regierung beschlossene Departementsreorganisation wechselt die Stabsstelle vom Finanz-und Militärdepartement zum Erziehungs-Kultur-und Umweltdepartement. Gleichzeitig wird der Name zu «Stabsstelle für Chancengleichheit von Frau und Mann» geändert. Dies in Anlehnung an die neue Kantonsverfassung, die am 1. Januar 2004 in Kraft trat. Diese besagt: «Sie (Kanton und Gemeinden) setzen sich für Chancengleichheit für alle ein, insbesondere für die Gleichstellung von Frau und Mann.» Das Jubiläum «Zehn Jahre Gleichstellungsbüro» wird mit einer Tournee durch den Kanton gefeiert.

2008

Eine Vortragsreihe zur Gender-Medizin nimmt die Frauen- und Männergesundheit zeigt auf, wie wichtig die Berücksichtigung der Gender-Perspektive für die Qualität der medizinischen Versorgung der Bevölkerung, für die Ausgestaltung der Angebote und die Gesundheitspolitik ist. Die Reihe ist Teil eines Interreg-Projekts und dauert bis 2014.

2009

Die Wanderausstellung «Familie & Beruf in Balance» tourt durch Graubünden.

2010

Mit einem mehrjährigen Aktionsprogramm motiviert die Stabsstelle kleinere und mittlere Unternehmen, so genannte KMU, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in ihren Betrieben zu verbessern. Bis 2021 setzen 26 Unternehmen mit insgesamt 2000 Mitarbeitenden in drei Zyklen rund 1000 Einzelmassnahmen um.   

2012

Das 1. Bündner Mädchenparlament ermöglicht 120 junge Frauen zwischen 13 und 16 Jahren, erste Erfahrungen mit der parlamentarischen Arbeit zu sammeln. Sie werden von Mitgliedern des Grossen Rates als Mentorinnen und Mentoren unterstützt. Fortan findet das Mädchenparlament alle drei bis vier Jahre statt. Erstmals beteiligt sich die Stabsstelle an der Berufswahlmesse «Fiutscher», die alle zwei Jahre stattfindet.

2015

Das «Lohnmobil» tourt bis 2016 durch Graubünden und macht spielerisch und unkonventionell das aufmerksam auf das in der Schweizer Verfassung verankerte Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Das Projekt wird getragen von der Konferenz Chancengleichheit Ostschweiz und Liechtenstein.

Das Interreg-Projekt «Frauen entscheiden» dokumentiert bis 2017 die Untervertretung von «Frauen in Entscheidungs- und Führungspositionen» und die «Darstellung von Frauen in Führungspositionen in den Medien».

2016

Die Stabsstelle für Chancengleichheit gibt aus Anlass ihres 20-jährigen Bestehens die Broschüre heraus mit einem Rückblick und Ausblick auf die Gleichstellung in Graubünden und ihre Aktivitäten.

2017

Tamara Gianera übernimmt die Leitung der Stabsstelle für Chancengleichheit von Frau und Mann.

2019

Erstmals arbeitet ein Mann im Team der Stabsstelle mit. In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Verwaltungsmanagement der Fachhochschule Graubünden startet die Kursreihe für Frauen in Politik und Verwaltung.

2020

In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Verwaltungsmanagement der Fachhochschule Graubünden und vier weiteren kantonalen Gleichstellungsbüros startet das zweijährige Projekt PROMO Femina, das mehr Frauen in der Gemeindepolitik bringen will.

2021

Im Jubiläumsjahr folgt Barbara Wülser als neue Leiterin der Stabsstelle. Das Team führt rund 30 Gespräche mit ausgewählten Persönlichkeiten zum Zustand der Gleichstellung in Graubünden und sammelt Fragen dazu. Diese werden an einer Jubiläumsveranstaltung am 1. Oktober von zwei Schauspielern ins Szene gesetzt und über Plakate, Postkarten und Spielkarten verbreitet. Im Juli startet «egual21 – Gleichstellung in der Verwaltung». Das vier Jahre dauernde Projekt geht aus dem «Aktionsplan Gleichstellung» hervor, der vom Grossen Rat 2019 nach dem Frauenstreiktag überwiesen wurde.

Ausblick 2022

Angedacht sind Aktivitäten zur Väterberatung, zu den Grossrats- und Regierungsratswahlen, zur Verbesserung von Tagesstrukturen in ländlichen Regionen und vieles mehr. Mit insgesamt 175 Stellenprozenten versucht die Stabsstelle, die vielfältigen Erwartungen und Herausforderungen der Gleichstellung in Graubünden weiterhin gut zu meistern.

Leiterinnen der Stabsstelle

Rita Jerjen-Harbach (1996-1998), Sina Bardill (1998-2002), Silvia Hofmann Auf der Maur (2003-2016), Tamara Gianera (2016-2020), Barbara Wülser (2021-aktuell)

Mitarbeitende der Stabsstelle 

Ehemalige: Claudia Meili, Alessandra Gartmann, Bettina Joos, Doris Caviezel-Hidber, Karin Reich, Silvia Graf-Frey
Aktuell: Susanna Mazzetta, Nicolas Zogg, Patrizia Pavone

Team Stagl 2021

Medienmitteilung zum 25-Jahre-Jubiläum 2021.

Die Entstehungsgeschichte des Bündner Gleichstellungsbüros ist nachzulesen in der Lizenziatsarbeit von Christine Scheidegger, S. 211-216: Rahmenbedingungen für die Entstehung und Weiterexistenz von kantonalen Fachstellen fur Gleichstellung zwischen 1990 und 2005. Ein Quervergleich. Fribourg 2008.