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Gruppenfoto
 

Die Deutschkursteilnehmenden des EAZ Meiersboden besuchten gemeinsam mit ihrem Deutschlehrer Fabio Stolfo (ganz hinten) die Stadtführung «Auf Durch-Zug mit Gion Gieri» in Chur.

 

Fabio Stolfo ist Deutschlehrer der Fachstelle Integration Graubünden und begrüsst die neun Teilnehmenden im Schulzimmer des Erstaufnahmezentrums (EAZ) Meiersboden oberhalb von Chur. Die Teilnehmenden sind zwischen 16 und 70 Jahre alt. Menschen aus unterschiedlichen Teilen der Welt sitzen gemeinsam an den Tischen. Jede und jeder bringt eine eigene Geschichte mit, eigene Erfahrungen, Hoffnungen und Erinnerungen. Auch die Wege, die sie nach Graubünden geführt haben, könnten unterschiedlicher kaum sein.

Genauso verschieden sind die Kenntnisse der deutschen Sprache. Einer hilft sich mit dem Handy und lernt mit Youtube-Videos erste Wörter und Sätze. Eine andere Person spricht Englisch und erkennt dadurch sprachliche Gemeinsamkeiten. Wieder andere versuchen sich mit Händen und Füssen verständlich zu machen und tasten sich langsam an die neue Sprache heran. Manche verstehen bereits einfache Fragen, andere hören Deutsch erst seit wenigen Wochen. Eines haben jedoch alle gemeinsam: Sie sind erst seit kurzer Zeit im Kanton Graubünden und wurden in einem ersten Schritt im Erstaufnahmezentrum Meiersboden untergebracht.

Positive Begegnung mit der deutschen Sprache
Dass Sprache ein zentraler Schlüssel für Integration ist, zeigt sich im Alltag immer wieder. Sie schafft Orientierung, ermöglicht Begegnungen und eröffnet Zugänge zur Gesellschaft. Deshalb ist es der Fachstelle Integration Graubünden wichtig, dass Menschen möglichst früh positive Erfahrungen mit Deutsch machen und rasch mit dem Lernen beginnen können. Hier kommt Fabio Stolfo ins Spiel. In einem eigens für die Bewohnerinnen und Bewohner eingerichteten Schulzimmer unterrichtet er an zwei Tagen pro Woche, jeweils eine Klasse am Vormittag und eine am Nachmittag.

Beliebter und abwechslungsreicher Unterricht
An diesem Nachmittag hat der Deutschlehrer eine Stofftasche mitgebracht. Nacheinander greifen die Teilnehmenden hinein. Zum Vorschein kommen kleine Tierfiguren: ein Elefant, ein Steinbock oder ein Papagei. Gemeinsam wird überlegt, wie die Tiere auf Deutsch heissen und wie sie in den jeweiligen Muttersprachen benannt werden. Danach beschreiben die Teilnehmenden, was die Tiere machen, auch das möglichst auf Deutsch. «Es ist wichtig, die Teilnehmenden nicht mit Grammatik zu überfordern», sagt Fabio Stolfo und lächelt. «Reden, beschreiben und mit alltagsnahen Themen arbeiten, das steht bei mir im Vordergrund.» Und tatsächlich wird im Unterricht viel gesprochen, gezeigt und erklärt. Immer wieder wird auch gelacht. Die Stimmung im Raum ist gelöst. Fehler sind erlaubt. Es geht darum, sich auszuprobieren und Vertrauen in die eigenen sprachlichen Fähigkeiten zu entwickeln.

Gleichzeitig wird deutlich, dass die Teilnehmenden den Unterricht sehr ernst nehmen. Wie in jeder Klasse gibt es Menschen, die besonders schnell lernen, andere brauchen mehr Unterstützung oder noch etwas Zeit, um Sicherheit zu gewinnen. Fabio Stolfo erklärt geduldig, wiederholt Aufgaben bei Bedarf und versucht, jede Person entsprechend ihrer Möglichkeiten abzuholen. Unabhängig davon, wie lange der Aufenthalt im Zentrum dauert. «Teilweise bleiben die Menschen nur sehr kurz hier. Das finde ich manchmal schade, aber es gehört dazu», erzählt er. «Umso wichtiger ist es, dass sie in dieser ersten Zeit positive Erfahrungen machen und merken: Ich kann mich verständigen.»

Ausflüge sind wichtiger Bestandteil
Der Unterricht ist beliebt. Viele erscheinen aufmerksam, motiviert und pünktlich zum Kurs. Schnell wird klar: Hier geht es um weit mehr als Grammatik oder Wortschatz. Gleichzeitig bringt der Unterricht Abwechslung und gemeinsame Erlebnisse in den Alltag des Zentrums. Ein wichtiger Bestandteil des Unterrichts sind deshalb gemeinsame Exkursionen. Fabio Stolfo legt grossen Wert darauf, dass Deutsch direkt im Alltag erlebt und angewendet werden kann. So besucht die Klasse beispielsweise eine Keramikstube und bemalt dort gemeinsam Keramikstücke. Manchmal unternimmt die Gruppe eine Stadtführung mit Gion-Gieri durch Chur oder erkundet gemeinsam die HIGA. Dort üben die Teilnehmenden, Fragen zu stellen, Gespräche zu führen oder sich im öffentlichen Raum zurechtzufinden.

«Sprache lernt man nicht nur im Schulzimmer», sagt Fabio Stolfo. «Die Menschen sollen erleben, wie Kommunikation im Alltag funktioniert. Genau dort entstehen oft die wichtigsten Lernmomente.» Die Exkursionen schaffen Begegnungen, fördern Selbstvertrauen und helfen den Menschen, ihre neue Umgebung besser kennenzulernen. Gleichzeitig entstehen Momente der Normalität. Kleine Schritte hinein in einen neuen Alltag.

Der Deutschunterricht im EAZ Meiersboden zeigt eindrücklich, wie frühe Integrationsarbeit aussehen kann: praxisnah, menschlich und mit viel Verständnis für die Menschen, die neu im Kanton Graubünden angekommen sind.