Förderung der sprachlichen und schulischen Bildungsvoraussetzungen für spätimmigrierte Jugendliche und junge Erwachsene

Im Kanton Graubünden wie auch gesamtschweizerisch nimmt die Zuwanderung von 16 bis 25-Jährigen, auch aufgrund der ansteigenden Asylgesuchen, zu. Diese Personen stammen aus einer Vielzahl unterschiedlicher Länder. Die aktuell häufigsten Herkunftsländer sind Eritrea, Afghanistan, Portugal, Deutschland, Italien.

Personen mit einer Berufsausbildung weisen deutlich höhere Chancen auf, im Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein und ein sozialhilfeunabhängiges Leben zu führen, als solche ohne nachobligatorische Ausbildung. Dies gilt auch für die in der Schweiz wohnhaften Ausländerinnen und Ausländer. Es besteht daher ein volkswirtschaftliches, sozial- und bildungspolitisches Interesse an der schulischen und beruflichen Qualifikation von spät immigrierten Jugendlichen, welche die obligatorische Schulzeit nicht in der Schweiz abgeschlossen haben. Dies bedingt, dass ihnen ein Zugang zu entsprechenden Brückenangeboten und Berufsbildungssystemen ermöglicht wird, sofern sie selbst motiviert sind, die erforderlichen Leistungen zu erbringen.

Die Ausgangslage der spätimmigrierten Jugendlichen in Bezug auf ihren Bildungshintergrund und ihre Sprachkompetenzen erweist sich als sehr heterogen. Der Eintritt in die Regelstrukturen der Berufsbildung erfordert einerseits schulisches Basiswissen, insbesondere in den Fachbereichen Deutsch und Mathematik, andererseits auch persönliche Kompetenzen wie Lern- und Arbeitstechniken, Organisationsfähigkeit oder Problemlösungsstrategien. Damit Spätimmigrierte die sprachlichen und schulischen Lücken schliessen und sich die Voraussetzungen für den Anschluss an das Berufsbildungssystem erarbeiten können, braucht es ein niederschwelliges Bildungsangebot, im Sinne eines Zubringers an die Regelstrukturangebote.

Schulprogramm für spätimmigrierte Jugendliche an der Gewerblichen Berufsschule Chur

Im Auftrag der Fachstelle Integration wurde an der Gewerblichen Berufsschule Chur (GBC) im Rahmen eines sechsmonatigen Pilotprojektes (Januar bis Juli 2016) ein Bildungsangebot für spätimmigrierte Jugendliche lanciert. Das Fazit der GBC fiel nach dem ersten Durchgang sehr positiv aus und sie hielten dazu fest, dass die Schüler sich schnell zu einem Lern- und Klassenteam zusammengefunden haben trotz unterschiedlicher Sprachen, Nationalitäten und Religionen. Während der gesamten Ausbildungsdauer zeigten sie eine grosse Leistungsbereitschaft und erzielten gute Lernfortschritte, insbesondere im Fachbereich Deutsch. Durch den Erwerb des notwendigen schulischen Wissens und die Erweiterung von persönlichen Handlungskompetenzen fanden die Meisten eine Anschlusslösung und rund zwei Drittel gelang der Einstieg ins Berufsbildungssystem.

Aufgrund der gemachten Erfahrungen wird unter Berücksichtigung der Pilotprojektevaluation das Bildungsangebot für Spätimmigrierte an der Gewerblichen Berufsschule Chur weitergeführt. Das Unterrichtsangebot umfasst Deutsch, Mathematik, Lernstrategie, Kochen und Turnen. Im Weiteren werden die Teilnehmenden mit dem Schweizer Berufsbildungssystem vertraut gemacht sowie individuelle Potenzialabklärungen im Hinblick auf realisierbare Berufsziele getroffen.

Der Lehrgang startet jeweils im Januar und dauert rund sechs Monate. Für Interessierte ohne oder sehr geringen Deutschkenntnissen wird im Rahmen dieses Angebots von der GBC von Oktober bis Dezember ein Vorbereitungskurs in Deutsch angeboten.