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Ali, Merve und Mohammad erzählen von sprachlichen Missverständnissen, verlegenen Momenten und Ausdrücken, die sie inzwischen besonders mögen.

 

Ali Asil (29), Chur

«Ich dachte, der Dozent halte mich für faul»

Als Sanitärplaner hatte ich mir in Afghanistan ein gutes Leben aufgebaut. Weil meine Firma für internationale Organisationen arbeitete, musste ich fliehen. Seit vier Jahren lebe ich in der Schweiz. Mein Ziel war von Anfang an, schnell Deutsch zu lernen und wieder in der Architekturbranche zu arbeiten. Als ich ein Studium an der FH Graubünden beginnen konnte, war ich bei Präsentationen sehr nervös. Einmal sprach ich so schnell, dass der Dozent sagte: «Sei patschifig.» Ich verstand, er halte mich für faul. Das traf mich, denn ich hatte wochenlang intensiv an meinem Projekt gearbeitet. Erst am nächsten Tag erklärte mir ein Mitstudent, «patschifig» bedeute im Bündner Dialekt ruhig oder entspannt. Ein anderes sprachliches Missverständnis brachte uns zum Lachen. Während einer Exkursion besuchten wir ein Gebäude in Basel und danach eines im Kanton Zug. Im Auto sagte jemand: «Wir können in Zug schlafen.» Weil ich den Kanton noch nicht kannte, dachte ich an einen Eisenbahnzug und rief: «Ich kann nicht im Zug schlafen!» Einen Moment lang waren alle still, dann lachten wir gemeinsam. Bis heute muss ich darüber schmunzeln.

 

 

Merve Danaci (38), Seewis

«Ich höre nur ‹stellen›, sonst nichts»

Vor zweieinhalb Jahren bin ich in die Schweiz gekommen. In der Türkei habe ich Öffentliche Verwaltung studiert und als Zollbeamtin gearbeitet. Nun bereite ich mich auf die eidgenössische Prüfung zur Aussenhandelsfachfrau vor. Ausgerechnet das Wort «Zoll» kommt mir auf Deutsch nur schwer über die Lippen. Im Türkischen spricht man das Z weicher aus. Wenn ich von meinem früheren Beruf erzähle, verstehen die Leute deshalb oft etwas mit «Soll». Erst wenn ich «Import, Export» sage, geht ihnen ein Licht auf. Umgekehrt bereiten mir Verben mit «stellen» beim Hören Mühe: bestellen, aufstellen, herstellen. Ich höre nur «stellen», sonst nichts. Dabei bedeutet es jedes Mal etwas anderes. «Bevölkerung» klang bei mir anfangs wie «Bewölkung», was mein Gegenüber ziemlich verwirrte. Und beim Autokauf fragten wir einmal nach «Ferienreifen» statt nach Sommerreifen. Jede Sprache hat eben ihre eigenen Bilder. Solche Stolpersteine hemmten mich anfangs sehr. Ich hatte Angst, etwas falsch zu sagen. Heute weiss ich, dass Fehler zum Lernen gehören. Ich bin den wunderbaren Menschen sehr dankbar, die mir dabei geduldig zuhören – so können Missverständnisse sogar Spass machen.

 

 

Mohammad Hussain Sultani (26), Litzirüti

«Draussen klingt vieles ganz anders»

Bald zwei Jahren lebe ich schon in der Schweiz. In Afghanistan habe ich das Gymnasium besucht und in der Türkei ein Diplom in Computer Engineering gemacht. Nun möchte ich mein Deutsch von B1 auf B2 verbessern und einen Master machen. Anfangs lernte ich selbstständig im Internet. Dabei half mir, dass ich neben Dari auch Englisch und Türkisch spreche und das hiesige Alphabet bereits kannte. Heute besuche ich Sprachkurse, gehe ins Sprachcafé im Kulturpunkt in Chur und schaue Sendungen auf SRF Play. So lerne ich auch mehr über die Schweiz. Die grösste Herausforderung ist das Schweizerdeutsch. Im Unterricht lernen wir Hochdeutsch, draussen klingt vieles ganz anders. Am Anfang sagten die Leute dauernd «Grüezi». Ich verstand nicht, was sie meinten, und antwortete: «Ja, ja, ja.» Inzwischen ist «Uf Wiederluege» mein Lieblingswort. Der Kontakt zu Einheimischen ist für das Deutschlernen wichtig. In Arosa spiele ich Volleyball und komme so mit Schweizern ins Gespräch. Wenn wir einander zuhören, werden aus Fremden langsam Vertraute.