Navigation

Inhaltsbereich

Mit der jährlich erscheinenden Publikation «Integration im Fokus» ermöglichen wir jeweils im Frühling Einblicke in Aufgabestellungen und Projekte, die uns im Rahmen des Kantonalen Integrationsprogramms (KIP) beschäftigen. Jede Ausgabe fokussiert auf den aktuellen Jahresschwerpunkt der Fachstelle Integration. Im Jahr 2022 lautet er «Schutz vor Rassismus und Diskriminierung».

 

Die Publikation kann hier online gelesen oder als PDF runtergeladen werden. Druckexemplare können bestellt werden unter Telefon 081 257 26 02 oder E-Mail info@integration.gr.ch.

Als thematische Ergänzung mit weiterführenden Aspekten erscheint jeweils im Herbst die Publikation MIX – Magazin für Vielfalt Graubünden.

 

Integration im Fokus

Vorwort von Ilhan Mohamed Aden, Interkulturelle Dolmetscherin

Liebe Leserin, lieber Leser

 

Gott sei Dank habe ich in den 26 Jahre, die ich nun in der Schweiz lebe, persönlich keine rassistischen oder diskriminierenden Erfahrungen machen müssen. Weder in meinem ehrenvollen Amt als erste Präsidentin für den Somalischen Verein Graubünden noch als Dolmetscherin für Verdi interkulturelles Dolmetschen, weder als Mitbegründerin des Frauentreffs Domat/Ems vor 20 Jahren noch in zahlreichen anderen Integrations-Institutionen wie der Caritas. Ich bin sehr dankbar dafür und fühle mich als selbstverständlicher Teil der Schweizer Gesellschaft.

Vom Bekanntenkreis erfahre ich allerdings immer wieder, wie schnell es passieren kann, dass man sich nicht dazugehörig fühlt. Ganz unabhängig davon, ob die Diskriminierung bewusst erfolgt oder das Gefühl aus der Summe von ganz vielen «kleinen», vermeintlich «unbeabsichtigten» aber eben doch negativen Alltagserlebnissen besteht. Von jungen Menschen, die hier schon lange leben oder aufgewachsen sind, eine Ausbildung machen und Schweizerdeutsch sprechen, weiss ich beispielsweise, wie sehr es sie nervt und verletzt, wenn sie in der Öffentlichkeit immer und immer wieder in gebrochenem Hochdeutsch oder auf Englisch angesprochen werden – nur wegen ihres Äusseren.

Ich begrüsse es deshalb sehr, dass sich die Fachstelle Integration der Thematik in all ihren Facetten so bewusst annimmt. Es braucht das Engagement von uns allen, jeder und jedem einzelnen, von Vereinen, Schulen, Unternehmen und eben auch von der öffentlichen Verwaltung. Gemeinsam kommen wir weiter.

Vorwort von Felix Birchler, Leiter Fachstelle Integration

Liebe Leserin, lieber Leser

 

Auch ich hatte das Glück, bisher keinen Rassismus und keine Diskriminierung persönlich erleiden zu müssen. Wobei in meinem Fall der Glücksanteil deutlich geringer ausfällt als bei Ilhan: Ich gehöre ja keiner Gesellschaftsgruppe an, deren Mitglieder allein aufgrund ihrer vermeintlichen Andersartigkeit einmalig, ab und zu oder andauernd solche Erfahrungen machen müssen. Verschont zu bleiben von Ausgrenzung, Herabwürdigung oder gar Rassismus in Form von körperlicher Gewalt darf allerdings auch für sie kein Glücksfall sein. Es muss selbstverständlich werden.

Als Fachstelle wählten wir das Thema Rassismus und Diskriminierung zu unserem Jahresschwerpunkt, weil wir – auch über das laufende Jahr hinaus – aktiv darauf hinarbeiten wollen. Dazu gehört Sensibilisierungs- und Aufklärungsarbeit genauso wie die Unterstützung von Betroffenen mit unserer neuen Beratungsstelle für Opfer rassistischer Diskriminierung. Damit leisten wir im Auftrag des Regierungsrats und aufgrund unserer persönlichen Motivation einen Beitrag weg vom Glücksfall, hin zur Selbstverständlichkeit.

Diese Publikation gewährt Ihnen einen ersten Einblick in diese Arbeit. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.

 

Text: Philipp Grünenfelder