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Geschlecht und Geschlechterzuschreibungen haben Auswirkungen auf die Lebensbedingungen, die Chancengleichheit, die gesellschaftliche und politische Teilhabe. Gleiche Chancen für alle ist ein Anspruch unserer demokratischen Gesellschaft. Chancengleichheit bedeutet, die unterschiedlichen Startbedingungen der Menschen auszugleichen und benachteiligte Menschengruppen zu bevorteilen.

Zahlen und Fakten

  • Im ländlichen Kanton Graubünden leben – im Gegensatz zu städtischen Kantonen und zur Gesamtschweiz – weniger Frauen als Männer: 100'778 weibliche Personen gegenüber 101'760 männlichen Personen.
  • Mit 20 Jahren sind knapp ein Drittel (32%) aller Frauen bereits aus dem Elternhaus ausgezogen, während es bei den Männern beinahe 10 Prozentpunkte (23%) weniger sind.
  • Im Jahr 2022 betrug der Anteil der gleichgeschlechtlichen Ehen und eingetragenen Partnerschaften gegenüber aller ehe-ähnlichen Verbindungen in der Schweiz gut 2,5 Prozent. In Graubünden war dieses Verhältnis mit 1,38 Prozent deutlich tiefer. In absoluten Zahlen waren es 12 gleichgeschlechtliche Ehen oder eingetragene Partnerschaften gegenüber 858 gemischt-geschlechtlichen Ehen.
  • Graubünden verzeichnet mit Baselland und Tessin die durchschnittlich älteste Bevölkerung aller Schweizer Kantone.
  • 72,5 Prozent der Menschen, die in Graubünden leben, haben Deutsch als Hauptsprache, 14,1 Prozent Rätoromanisch, 13,4 Prozent Italienisch (Quelle: Bevölkerung - Unser Kanton (gr.ch)).

Ziel

Chancen und Zugang zu Ressourcen in unserer Gesellschaft stehen allen Menschen gleichermassen zur Verfügung. Ziel ist, die hierarchische Geschlechterordnung abzubauen und die Teilhabe aller Menschen im Erwerbs- und Privatleben und in der Gesellschaft zu fördern, unabhängig vom zugeschriebenen Geschlecht und von der Geschlechtsidentität.

 Wege zum Ziel

Die Stabsstelle für Chancengleichheit von Mann und Frau unterstützt und fördert vielfältige Lebensentwürfe und einen offenen Umgang mit Rollenbildern in allen Lebensphasen. Sie zeigt auf, wo Ungleichheiten aufgrund des Geschlechts bestehen, und sensibilisiert für das Erkennen von Mehrfachdiskriminierungen.

Rollenbilder

Viele Menschen haben eindeutige Bilder im Kopf, wie eine Frau, wie ein Mann sein muss, und welche Rolle «ihr» bzw. «ihm» zukommt. Diese Rollenbilder sind gesellschaftlich konstruiert und prägen unsere Entscheidungen und die persönliche Entwicklung. Die Gleichstellung von Frau und Mann kann mit stereotypen und einengenden Rollenbildern nicht ausreichend erreicht werden. Indem starre, einengende Rollenbilder sichtbar gemacht und reflektieren werden, erweitert sich das individuelle Spektrum an Entwicklungsmöglichkeiten. Alle Menschen sollen sich unabhängig vom Geschlecht nach ihren individuellen Eignungen und Vorstellungen entwickeln und bilden können.

Rollenbilder werden unter anderem durch die öffentliche Wahrnehmung, durch Vorbilder, durch Werbung und durch Medien vorgezeichnet. Weltweit sind Frauen als Expertinnen in Forschung, Wissenschaft, Technologie, Medien und in vielen weiteren Branchen unterrepräsentiert – auch in der Schweiz. Nach wie vor sind es die Männer, die öffentlich die Welt erklären. Der Austausch zwischen Expertinnen und unter Frauen ist wichtig : Frauennetzwerke unterstützen und bestätigen Frauen in ihren Kompetenzen. Insbesondere für die eigene Karriere kann ein Netzwerk hilfreich sein.

Informationen, Projekte und Aktivitäten

Geschlechtervielfalt

Die gesetzliche Grundlage verbietet die Ungleichbehandlung von Menschen aufgrund der sexuellen Orientierung und/oder der Geschlechtsidentität. Mit der «Ehe für alle» im Jahr 2022 hat die Schweiz das Recht von sexuellen Minderheiten an viele westeuropäische Länder angeglichen. Trotz dieser Verbesserungen werden Menschen, deren Geschlechtsidentität oder sexuelle Orientierung, ihre Familien- oder Lebensform nicht als Norm empfunden werden, immer noch häufig mit Vorbehalten, Ablehnung, Diskriminierung bis hin zu Gewalt konfrontiert. Gemäss dem «LGBT-Gleichstellungsindex 2023» von ILGA Europe, einer nichtstaatlichen Dachorganisation, die LGBTIQ-Organisationen in 54 europäischen und zentralasiatischen Ländern vereint, sind in der Schweiz rund 47 Prozent der LGBTIQ-Community von Diskriminierungen betroffen. Die Schweiz liegt damit im europäischen Vergleich im Mittelfeld.

Das Eidgenössische Büro für Gleichstellungsfragen (EBG) hat den Auftrag, Kompetenzen zur Behandlung der LGBTIQ-Themen aufzubauen. Eine wichtige Aufgabe ist, einen Nationalen Aktionsplan gegen LGBTIQ-feindliche «hate crimes» auszuarbeiten.

 Begrifflichkeiten   

Das biologische und das soziale Geschlecht, die sexuelle Orientierung und die Geschlechtsidentität sind Komponenten der sexuellen Identität. Hier werden diese näher erklärt:

LGBTQIA+ Die Abkürzung steht für die englischen Wörter Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual/Transgender, Queer, Intersexual, Asexual. Das Plus + steht für alles, was nicht mit den genannten Buchstaben abgedeckt ist. 
Biologisches Geschlecht (Englisch «Sex») Das biologische Geschlecht basiert auf Faktoren wie Chromosomen, Hormonen sowie äussere und innere Geschlechtsorgane. Das biologische Geschlecht wird bei der Geburt bestimmt, entsprechend findet sich auch die Bezeichnung «das bei Geburt zugeschriebene Geschlecht».
Intersexuell  Es gibt jedoch Menschen, bei denen die körperlichen Geschlechtsmerkmale nicht eindeutig als weiblich oder männlich einzuordnen sind. Sie werden als inter*, intersexuell oder intergeschlechtlich bezeichnet.
Soziales Geschlecht (Englisch «Gender») Das soziale Geschlecht bestimmt, was von einer Frau oder einem Mann in einem gegebenen Kontext erwartet wird, was ihr oder ihm erlaubt ist und was an ihr oder ihm wertgeschätzt wird. Beim sozialem Geschlecht handelt es sich um ein soziokulturelles Konstrukt, das von Gesellschaft zu Gesellschaft unterschiedlich sein kann.
Sexuelle Orientierung Die sexuelle Orientierung bezieht sich auf die emotionale, romantische oder sexuelle Anziehung, die eine Person gegenüber einer anderen Person empfindet.
Geschlechtsidentität  Der Begriff beschreibt das subjektive Empfinden eines Menschen, dem männlichen, weiblichen, einem dritten, keinem oder beiden Geschlechtern anzugehören. Die Geschlechtsidentität kann vom biologischen und sozialen Geschlecht abweichen und sich wie die sexuelle Orientierung im Laufe des Lebens verändern.

 

Informationen, Projekte und Aktivitäten

Geschlechtergerechte Sprache

Sprache beeinflusst unser Denken. Und unser Denken zeigt sich in unserer Sprache. Worte können unsere Realität gestalten und verändern, sie formen unsere Vorstellung der Welt. Werden ausschliesslich männliche Personenbezeichnungen (generisches Maskulinum) benutzt, sind Frauen nicht Teil unserer sprachlichen Realität – sie werden unsichtbar. Dasselbe gilt für non-binäre und gender-fluide Menschen, die sich keinem oder wechselnden Geschlechtern zugehörig fühlen.

Projekte und Aktivitäten

  • Informationen zur geschlechtergerechten Sprache sowie Merkblatt zur geschlechtergerechten Sprache der Kantonalen Verwaltung
  • Beratung zu geschlechtergerechter Sprache

Gesundheit

Frauen und Männer unterschieden sich in biologischen und körperlichen Voraussetzungen, wie Körpergrösse, Gewicht oder Muskelmasse. Ihre gesundheitliche Situation ist darüber hinaus abhängig von Bildungstand, sozialen und kulturellen Faktoren sowie der Ausgesetztheit und der Vulnerabilität gegenüber früh festgelegten Risikofaktoren. Männer und Frauen gehen unterschiedlich mit Krankheitssymptomen um und entwickeln unterschiedliche Behandlungsstrategien.

Die Forschung und Datenlage ist nach wie vor ein männerdominiertes Feld: Der Proband ist männlich und meist weiss. Viele klinische Studien wurden und werden ausschliesslich oder zu einem grossen Teil an männlichen Probanden durchgeführt. Krankheitssymptome werden gemäss den männlichen Symptomen gelehrt und wahrgenommen. Ein typisches Beispiel ist der Herzinfarkt, der sich bei Frauen – anders als bei Männern – häufig mit Schmerzen im Rücken, in den Schultern, im Oberbauch oder am Kiefer äussert. Durch den Mangel an Tests und Studien mit Frauen fehlen wichtige Informationen zum weiblichen Körper. Frauen tragen damit ein höheres Risiko, verletzt, geschädigt oder unbehandelt zu bleiben.
Die Gendermedizin beschäftigt sich mit der Wahrnehmung, Entstehung, Prävention, Diagnose und Therapie von Krankheiten auf psychischer und physischer Ebene, bezogen auf Unterschiede und Gleichheiten zwischen Frauen und Männern.

Informationen, Projekte und Aktivitäten

Digitalisierung

Themen in der feministischen Betrachtung der Digitalisierung sind u.a.:

  • Der Anteil von Frauen in der Mitgestaltung des digitalen Wandels, der Künstlichen Intelligenz (KI) ist sehr gering. Generell sind Frauen in Technik und Informatik untervertreten.
  • Die Erhebung und Auswertung von Daten geschieht in der Regel immer noch nicht geschlechtsspezifisch. Frauen sind namentlich bei klinischen Studien unterrepräsentiert (siehe auch Gendermedizin).
  • Frauen – wie allgemein Minderheiten – werden durch automatisierte Prozesse tendenziell diskriminiert. Da sich die Künstliche Intelligenz auf vorhandene Daten und Muster stützt, werden Stereotypen reproduziert.

Der digitale Wandel verändert nicht nur die Art, wie wir kommunizieren und konsumieren. Auch die Arbeitswelt ist betroffen. Tendenziell gibt es mehr höherqualifizierte Jobs und weniger Routinetätigkeiten. Als Erfolgsfaktoren für die Gestaltung des digitalen Wandels werden oft die Innovationskraft von Unternehmen, das Bildungssystem der Schweiz und das liberale Schweizer Arbeitsrecht hervorgehoben. Nicht alle Menschen profitieren. So werden etwa Tätigkeiten im Niedriglohnbereich wegrationalisiert, die sich automatisieren lassen. Gleichzeitig gibt es neue Niedriglohnjobs im globalen Süden, die die KI-Prozesse «füttern». Andere Berufe erfordern neue, digitale Kompetenzen, die es zu fördern gilt. Die Verliererinnen und Verlierer sind Menschen, denen der Zugang zu den entsprechenden Bildungsangeboten und weiteren nötigen Ressourcen fehlen, um vom Wandel zu profitieren.

Die digitale Transformation soll geschlechtergerecht und -neutral gestaltet werden. In die digitalen Technologien fliessen Werte und Vorstellungen jener ein, die sie entwickeln. Sie prägen deren Wirkungen auf die Gesellschaft mit ihren Vorstellungen und Werthaltungen. Auch Algorithmen – also die Rechenregeln im Hintergrund – sind mit Vorurteilen behaftet. Die Teilhabe verschiedener Perspektiven an diesen Prozessen ist unabdingbar für eine egalitäre Gesellschaft. Gerade Frauen als die Hälfte der Bevölkerung sind in dieser Entwicklung untervertreten.

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