Navigation

Inhaltsbereich

Alte Sprachen und Internet: Wie passt das zusammen? Gar nicht, werden Sie denken, und doch: Egal, ob Sie Opera, Navigator oder dem Explorer von Microsoft vertrauen, wenn Sie auf der Suche nach Dateien (data) mit einem Server (servitor) Kontakt (contactus) aufnehmen – das Wortgut der alten Römer ist in der Fachterminologie der Computerwelt (computator) nicht allein des Internets (inter), sondern auch auf jedem Intranet (intra) allgegenwärtig. Übrigens auch das der Griechen: Sie sitzen nämlich gerade vor einem Desktop (dískos) voller Icons (eikón)

Fachschaftsmitglieder Adresse

Sieber Lukas             Vorstand

Dewes Thomas

Sialm-Schmed Patricia

Fachschaft Altphilologie
Arosastrasse 2
7000 Chur


Ein besonderes Angebot der Bündner Kantonsschule: Latein und universitäre Latinumsprüfung

Obelix in Latein

Die Römer spinnen natürlich nicht, im Gegenteil!

Im Untergymnasium der BKS ist das Fach Latein verpflichtend. Die Schüler erhalten eine breite sprachliche und kulturelle Allgemeinbildung und haben die Möglichkeit, von der dritten Klasse an als Freifach den Latinumskurs zu belegen. Ziel dieses Kurses ist die Latinumsprüfung mit Zertifikat. Das Zertifikat ermöglicht einem den Zugang zu allen Studienfächern, für die eine Lateinpflicht gilt – in erster Linie an der Universität Zürich, aber auch an weiteren Hochschulen. Der Kurs kann auch an der Universität abgeleistet werden, er ist dort aber aufwendiger und kostet Zeit, die besser fürs gewählte Studium eingesetzt wird.

Der Latinumskurs der BKS wird auch den neu eintretenden Drittklässlern angeboten. Er wird als Freifach geführt und umfasst zwei Wochenstunden, dazu kommt in jedem Jahr eine Projektwoche mit selbständiger und angeleiteter Arbeit. Die schriftliche und mündliche Prüfung findet ein halbes Jahr vor der Maturitätsprüfung statt; sie wird in der Regel von der BKS-Lehrperson abgenommen, die auch den Kurs erteilt hat.

Sei klug – prudent (Rumantsch) – prudente (Italienisch) – prudent (Französisch und Englisch)!

Alle diese Adjektive bedeuten etwas wie umsichtig, vorsichtig, vernünftig und eben klug. Sie gehen auf das lateinische Wort próvidens zurück, und providens hat die Grundbedeutung voraussehend. Wer voraussehen kann, z.B. was er an einer Universität dereinst brauchen wird, der ist klug.

Die Universität Zürich verlangt für eine Reihe von Studienfächern Latein. Die Liste und weitere Angaben finden sich hier:

UZH / Philosophische Fakultät / Latein und Griechisch

Medizin, Rechtswissenschaft, Wirtschaftswissenschaft kann man ohne Latinumsdiplom studieren, aber Latein spielt auch hier eine grosse Rolle, einerseits in den Fachsprachen, andererseits im geschichtlichen und kulturellen Hintergrund dieser Fächer.

Zu Beginn des Medizinstudiums muss man sich die Fachsprache erarbeiten: 6000 bis 8000 Fremdwörter lateinischer und altgriechischer Herkunft, Beispiel: die Fraktur – der Bruch.
Das gilt auch für die Wirtschaftswissenschaften: Rezession, Rückgang der Wirtschaftsleistung, bedeutet eigentlich ‹das Zurückgehen›.
Unser Recht beruht auf dem römischen Recht, und viele Erkenntnisse der Römer sind heute in lateinischen Grundsätzen lebendig: In dubio pro reo! Im Zweifel für den Angeklagten!
Der Latinumskurs der BKS gibt die Werkzeuge in die Hand, um diese Anforderungen zu bewältigen. Mit Latein gehört man zu den schnelleren und besseren Studenten.

Was umfasst der Latinumskurs der BKS?

Zunächst eine straffe Einführung in die lateinische Sprache. Ziel ist aber nicht, Latein zu reden oder zu schreiben, sondern die lateinische Sprache zu verstehen: ihre Wörter und Texte. Gelesen werden möglichst bald originale lateinische Texte: Sprüche und Gedichte, Philosophie, Rechtsgrundsätze ...
Dazu kommen: Ausblicke in die Sagenwelt mit Achilles, Aphrodite, Minotaurus, Herkules. Ausblicke in die Geschichte mit Caesar und Kaiser Nero. Alltag in Rom mit Themen wie: Wer waren die Gladiatoren?
Geboten wird auch eine Einführung ins Altgriechische (im Hinblick auf die griechischen Fachausdrücke der Medizin). Da die lateinischen Wörter und Formen immer mit den deutschen verglichen werden, arbeitet man von der ersten Stunde an auch an der deutschen Sprache. Im Latinumskurs lernt man auch Deutsch.       


Anerkennung durch die Universität Zürich

Der bewährte Kurs ist neu aufgebaut worden, und die Universität Zürich hat ihn am 12. Oktober 2020 anerkannt:
«Nach eingehender Prüfung Ihrer Anfrage durch das Seminar für Griechische und Lateinische Philologie der UZH freue ich mich, Ihnen rückmelden zu können, dass der Anerkennungsantrag der BKS Chur für das Latinum gutgeheissen worden ist.»
Prof. Dr. Daniel Müller Nielaba
Studiendekan der Philosophischen Fakultät
Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft
Universität Zürich       


Stellungnahmen von Schülerinnen und Schülern

Schülerin Anna, Latinum 2026 

Ich weiss, dass ich nichts weiss.
Salvete!
„Scio me nihil scire“ war einer der ersten Wochensätze, um genau zu sein, der fünfte, den ich im Unterricht lernen durfte. Das war in der vierten Klasse, der Spruch hat mich jedoch bis ans Latinum begleitet und wird es wahrscheinlich auch in Zukunft noch tun.
Meine Lateinkarriere begann bereits ein Jahr zuvor bei Herrn Dewes. Mit etwa zwölf andern Lateinanfängern begegnete ich dort zum ersten Mal Julia und Quintus. Einige Sätze aus den ersten paar Lektionen sind mir bis heute geblieben, wie zum Beispiel: „Hic sedet Julia. Julia discipula bona est.“ oder auch „Ubi est Quintus?“
Trotz der zusätzlichen Lektionen empfand ich den Lateinunterricht damals nicht als Qual, sondern als Ort, um neues Wissen zu erwerben. Schon lange interessiert mich das Leben und die Kultur der Römer. Vor allem beeindruckend finde ich, wie das riesige Imperium der Römer über so lange Zeit bestehen konnte und welchen Einfluss die römischen Erfindungen bis heute auf unser Leben haben. Ein weiterer Aspekt, den ich sehr interessant finde, ist, wie sich aus dem Latein so viele verschiedene Sprachen entwickelt haben. Obwohl alle unterschiedlich sind, sind sie sich doch ähnlich.
Dies hat mich dazu bewegt, Latein ein weiteres Mal zu wählen. Alleingelassen von allen unseren Lateinkollegen, kamen Robert, Kimi und ich nicht nur in eine neue Klasse, sondern auch zu einer neuen Lehrperson: zu Herrn Stirnemann. Schnell merkten wir, dass eine neue Klassenstufe neue Anforderungen stellt. In den ersten paar Lektionen waren wir sehr überfordert und haben dementsprechend fast nichts verstanden. Und genau an diesem Punkt begegneten wir dem Sprichwort „Scio me nihil scire“ von Sokrates. Mit diesem Spruch wollte Sokrates eigentlich erklären, wie wenig wir über die Welt wissen und wie unergründlich das Leben ist. Wir interpretierten den Spruch jedoch etwas anders, denn er beschrieb unsere Situation recht gut. Wir wussten nämlich, dass wir absolut nichts von Latein wissen.
Sokrates‘ Weisheit hatte jedoch einen positiven Effekt: Von da an waren wir wieder motiviert, mehr im Unterricht verstehen zu wollen und den Abstand zu unseren Mitschülern zu verkleinern. Bei dieser „Aufholjagd“ waren vor allem die Einzellektionen sehr hilfreich. Obwohl die Lektionen sehr intensiv waren, lernten wir während diesen am meisten und gewannen so schnell an Boden.
In die dritte Runde, also in die fünfte Klasse, starteten dann nur noch Robert und ich. Ab diesem Punkt durften wir mit den anderen den normalen Unterricht besuchen und brauchten nur noch punktuell Unterstützung durch unseren Mentor. Diese Unterstützung erhielten wir jeweils einmal im Monat am Mittwochnachmittag nach der Schule. Angetrieben durch die Schoggistängeli kämpften wir uns auch durch diese sehr intensiven Stunden. Obwohl wir oft mit unserer Motivation zu kämpfen hatten, da alle anderen während dieser Zeit frei hatten, waren die Lektionen umso lehrreicher.
Das absolute Latein-Highlight war dann die Romreise mit den Magistern Sieber und Stirnemann und dem Begleiter Patrick Joos: Eine Woche Rom, gutes Essen, viel neues Wissen und wunderschöne Bauwerke. Wir genossen die Zeit zusammen und nahmen uns sogar zwischendurch Zeit, um zu konjugieren und zu deklinieren. Mir blieben vor allem das eindrucksvolle Kolosseum und die Caracalla-Thermen in guter Erinnerung. Immer noch sprechen wir über gemeinsame Erinnerungen, die wir in dieser Woche sammeln durften.
Nach der Romreise ging es dann schnell gegen Ende. Durch den Eintritt in die sechste Klasse begannen auch die letzten Vorbereitungen auf die Abschlussprüfungen. Ein wichtiger Zwischenstopp auf dieser Reise war das Certamen translatorium, organisiert vom Verein für Latein – IXber. Den anspruchsvollen Text konnte unsere Klasse jedoch knacken, und es wurden nach der Preisverleihung einige Zertifikate zurück nach Chur genommen.
Ähnlich ging es bei der Latinumsprüfung weiter, die alle Teilnehmenden bestanden haben. Das ist ein grosser Erfolg. Grosse Anerkennung gehört dabei vor allem unseren Magistern, die uns während der letzten Jahre gefordert und gefördert haben. Den glänzenden Abschluss bildete das Latinumsessen vor wenigen Wochen. Der Abend war ein voller Erfolg, mit vielen geladenen Gästen, einem sehr guten Abendessen und spannenden Reden. Es war ein weiteres Highlight in unserer Lateinkarriere und wird mir in bester Erinnerung bleiben.
Einige Male habe ich darüber nachgedacht, Latein abzuwählen. Vor allem an den Mittagen, an denen das Mittagessen einfach zu kurz kam, war die Motivation, Latein zu lernen, nicht gerade gross. Latein ist ein Mehraufwand und eine schwere Sprache, die nur mit Durchhaltevermögen und Auswendiglernen gemeistert werden kann. Mit ein wenig Motivation und viel Schokolade ist aber auch das möglich. Mir haben aber vor allem die Lektionen voller Musik, Filmausschnitten und Exkursionen gefallen, während denen man am meisten lernen konnte.
Zum Abschluss möchte ich noch einmal zum Satz von Sokrates zurückkehren: „Scio me nihil scire.“ Der Anfang im Lateinunterricht war schwer, und obwohl ich zeitweise der Überzeugung war, dass ich eigentlich gar nichts über Latein weiss, stimmt das nicht. Mit der Zeit hat der Lateinunterricht diesem Spruch eine neue Bedeutung gegeben: „Ich weiss, dass ich nichts weiss – und trotzdem weiss ich mehr, als ich glaube zu wissen.“
Wir durften in den letzten vier Jahren so viel lernen und noch viel mehr verstehen. Zwar sind mir bis heute nicht alle Deklinationen und Konjugationen geblieben, die Kernaussage eines Textes habe ich schlussendlich aber immer, oder zumindest meistens, verstanden. Genau darum geht es: um das Verstehen und um jene Kompetenzen, die weit über den Lateinunterricht hinausgehen. Die Formen werden wir mit der Zeit vielleicht vergessen, die Art, wie wir an komplexe Dinge herangehen, das Durchhaltevermögen und vor allem auch das Verstehen werden uns aber für immer begleiten.
Vielen Dank allen unseren Magistern für den interessanten und lehrreichen Unterricht, der weit über Latein hinausgeht.

Mit freundlichen Grüssen
Anna, Latinumsprüfung 2026 
 

Schülerin Corina, Latinum 2025   

 Latein zu lernen bedeutet weit mehr, als sich bloss auf ein zukünftiges Studium vorzubereiten. Natürlich ist es hilfreich, wenn man später medizinische oder juristische Fachbegriffe besser versteht, aber der wahre Wert des Faches liegt in seiner Vielseitigkeit. Latein öffnet Türen zu einem tieferen Verständnis von Sprache, Kultur und Geschichte. Man entdeckt, wie eng viele moderne Sprachen mit dem Lateinischen verbunden sind, und entwickelt ein feines Gespür für Wortbedeutungen und Ausdrucksweisen. Ein besonderes Highlight des Freifachs ist die Romreise. Dort wird das im Unterricht Gelernte lebendig: Antike Bauwerke, beeindruckende Kunst und die Geschichten, die hinter den Ruinen verborgen liegen, lassen Geschichte greifbar werden. Man erlebt die Kultur nicht nur theoretisch, sondern taucht direkt in das Herz der römischen Welt ein. Am Ende hält man also nicht nur das Latinumszertifikat in den Händen, sondern auch unvergessliche Erlebnisse, ein besseres Verständnis für andere Sprachen sowie ein tiefes Wissen über Kultur und Geschichte.   

Schülerin Celia, Latinum 2025   

Im Untergymnasium stand ich vor der Frage, ob ich Latein weiterhin als Freifach wählen sollte. «Es schadet ja nicht», dachte ich mir – und meldete mich an. Aber hat es mir letztendlich wirklich nicht geschadet? Auf keinen Fall.
Das Freifach Latein beanspruchte jeweils zwei Zusatzlektionen pro Woche. Während meine Mitschüler frei hatten, hatte ich Latein. Dennoch bereue ich meine Wahl des Freifaches überhaupt nicht, sondern ganz im Gegenteil. Im Freifach Latein lernte ich weit mehr als nur das Übersetzen von lateinischen Texten. Es bietet mir ein breites Wissen über Mythologie, Kultur, Kunst und über viele andere spannende Themen. Das Freifach hat mir gezeigt, wie präsent Latein noch heute in unserem Alltag ist und uns und unsere Sprachen prägt. Das Wissen, das ich mir angeeignet habe, kann ich in meinem Alltag täglich anwenden, und es kommt mir nun auch in Bezug auf mein künftiges Studium zugute. Die Fähigkeiten, komplexe Aufgaben zu analysieren, an Herausforderungen dranzubleiben und genau hinzusehen, um die wichtigsten Details zu erkennen, werden mir in meinem angehenden Studiengang «Erd- und Klimawissenschaften» sicher von grossem Nutzen sein.
Latein hat mir Kenntnisse vermittelt, die ich in den regulären Unterrichtsstunden nie erlangt hätte. Dieses breit gefächerte Wissen und die unzähligen Erfahrungen, die ich durch das Freifach sammeln durfte, kann mir niemand mehr wegnehmen, und genau das ist das Wertvollste. Deshalb kann ich jedem nur ans Herz legen, Latein als Freifach zu wählen – es lohnt sich.   

 

Begonnen hat meine Reise mit dem Latein im Untergymnasium. Als es dann zur Entscheidung kam, ob ich im Freifach weitermachen will, habe ich mich für das Latein entschieden. Dies hatte vor allem zwei Gründe: Mir gefallen Sprachen, und Latein als Ursprung vieler moderner Sprachen hat mich daher interessiert. Andererseits dachte ich mir, dass es nicht schaden könnte, das Latinum zu machen. Eventuell könnte es später einmal nützlich sein. Jetzt bin ich sehr froh, dass ich das Latinum gemacht habe. Während meiner letzten Jahre an der BKS wurde mir klar, dass ich unbedingt Veterinärmedizin studieren möchte. Zwar ist dort das Latinum nicht mehr Pflicht, wird allerdings immer noch empfohlen.
Durch das Freifach war ich gut auf die Prüfung vorbereitet. Wir haben gelernt, wie man Texte übersetzt und analysiert, wir haben uns mit dem Umgang des Wörterbuches vertraut gemacht und einiges an Kulturwissen erarbeitet.
Du denkst darüber nach, das Latinum zu machen? Mach es! Klar gibt es Momente, in denen man die Zeit vielleicht lieber anders investieren würde, aber es bringt auch viele Vorteile: das Verständnis anderer lateinischer Sprachen wie Italienisch oder Spanisch verbessert sich, man lernt viel Interessantes über die römische Geschichte und Mythologie und man muss später den Kurs nicht während des Studiums nachholen. Ausserdem ist die Romreise auch sehr cool.   


Beratung

Die Lehrpersonen stehen jederzeit für Auskünfte bereit. Es ist jederzeit möglich, eine Lateinstunde zu besuchen. Anmeldung jeweils beim Sekretariat: 081 257 51 51 / sekretariat@bks.gr.ch
       


Beiträge aus dem Jahresbericht der Bündner Kantonsschule
  1. Romreise
  2. Latein im Bündnerland
  3. Projekt Abfall
  4. Projekt Tourismus